Ausführlich
Bei der Sehnentransposition wird eine intakte Sehne umgeleitet, um die Funktion einer geschädigten oder ausgefallenen Muskel-Sehnen-Einheit zu ersetzen. Bei der Katze, deren Bewegungsapparat auf hohe Beweglichkeit, präzises Springen und feine Pfotenkontrolle ausgelegt ist, hat dieser Eingriff besondere Bedeutung: Schon kleine Funktionsverluste können das typische Sprung- und Kletterverhalten massiv einschränken.
Anatomische Besonderheiten bei der Katze
Katzen verfügen über sehr fein abgestimmte Sehnen-Muskel-Systeme, insbesondere an Vorder- und Hintergliedmaßen. Die Beugesehnen der Zehen, die Achillessehne (Tendo calcaneus communis) sowie die Sehnen des Musculus tibialis cranialis und des Musculus peroneus longus sind häufig in chirurgische Überlegungen einbezogen. Aufgrund der zierlichen Strukturen erfordert eine Transposition bei der Katze besonders schonende Technik und mikrochirurgische Präzision.
Typische Indikationen
Ausfall des Nervus peroneus (Fibularis) mit hängender Pfote und Knöchelfehlstellung
Chronische Achillessehnenruptur mit plantigrader Fußung
Patellaluxation, bei der die Sehne des Musculus quadriceps verlagert wird
Sehnenverletzungen nach Bissverletzungen, Stürzen aus großer Höhe (High-Rise-Syndrom) oder Schnittverletzungen
Orthopädische Relevanz und Nachsorge
Nach einer Sehnentransposition ist eine konsequente Ruhigstellung und ein abgestimmter Belastungsaufbau entscheidend. Katzen tolerieren starre Verbände oft schlecht: maßgefertigte Orthesen, weiche Stützbandagen oder Tape-Anlagen können das Gelenk in der Heilungsphase entlasten und Fehlbelastungen vermeiden. Trittwerk fertigt hierfür individuell angepasste Hilfsmittel, die das geringe Gewicht und die hohe Beweglichkeit der Katze berücksichtigen.
Die Prognose hängt stark von Ursache, Alter und Compliance des Tieres ab. Eine begleitende Physiotherapie unterstützt die neuromuskuläre Anpassung an die neue Sehnenfunktion. Über die genaue Indikation und das chirurgische Vorgehen entscheidet immer der behandelnde Tierarzt oder Fachchirurg.
Mögliche Symptome
Hängende oder eingeknickte Pfote
Plantigrade Fußung (Aufsetzen mit dem ganzen Sprunggelenk)
Lahmheit oder Schonhaltung
Eingeschränkte Sprungfähigkeit
Muskelabbau an der betroffenen Gliedmaße
Fehlstellung von Zehen oder Gelenken
Orthopädische Indikationen
Postoperative Stabilisierung nach Sehnentransposition mittels maßgefertigter Orthese
Entlastungsbandage bei Achillessehnenrekonstruktion
Tarsalorthese bei Peroneusparese der Katze
Karpalorthese zur Unterstützung nach Beugesehnenverlagerung
Übergangsversorgung während der Heilungsphase, wenn keine Operation möglich ist
Häufige Fragen
Eine Sehnentransposition kommt in Frage, wenn eine Sehne dauerhaft ausgefallen ist oder ein Nervenschaden zu einer Funktionsstörung der Gliedmaße führt. Die Entscheidung trifft der behandelnde Tierarzt oder Fachchirurg nach gründlicher orthopädischer und neurologischer Untersuchung.
Die Heilungsphase erstreckt sich meist über 8 bis 12 Wochen, in denen die Sehne an ihrer neuen Position einheilt und sich funktionell anpasst. In dieser Zeit sind Ruhigstellung, orthopädische Hilfsmittel und kontrollierter Belastungsaufbau besonders wichtig.
In vielen Fällen kann eine maßgefertigte Orthese die Funktion vorübergehend oder dauerhaft unterstützen, etwa wenn eine Operation nicht möglich oder gewünscht ist. Ob eine konservative Versorgung ausreicht, muss individuell mit dem Tierarzt abgestimmt werden.
Eine individuell angefertigte Orthese stabilisiert das betroffene Gelenk, schützt die transponierte Sehne vor Überlastung und ermöglicht der Katze eine kontrollierte, schmerzarme Bewegung während der Heilungsphase.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit eurem Tierarzt.