Ausführlich
Die Hufrehe (Laminitis) ist eine schmerzhafte Entzündung der Huflederhaut, bei der sich die Verbindung zwischen Hufbein und Hornkapsel lockern kann. Esel sind besonders häufig betroffen, da sie als genügsame Steppentiere extrem effizient mit Energie umgehen und auf zucker- und fruktanreiches Futter (z. B. üppige Weide, Brot, Obst) sehr empfindlich reagieren. Eine Hufrehe-Orthese ist ein speziell angepasstes Hilfsmittel, das den erkrankten Huf mechanisch entlastet und so die Heilung unterstützt.
Anatomische Besonderheiten beim Esel
Der Eselhuf unterscheidet sich deutlich vom Pferdehuf: Er ist steiler, kleiner, längsoval und besitzt eine dickere, elastischere Hornwand sowie einen höher gestellten Tragrand. Diese Bauweise stellt besondere Anforderungen an Form und Passung einer Orthese. Standardisierte Pferde-Reheschuhe passen oft nicht und können bei unsachgemäßer Anwendung sogar Druckstellen verursachen.
Wirkprinzip der Orthese
Verlagerung der Belastung von der schmerzhaften Zehenwand auf Strahl, Eckstreben und Trachten
Reduktion des Zuges der tiefen Beugesehne am Hufbein
Polsterung und Stoßdämpfung zur Schmerzlinderung
Stabilisierung der Hornkapsel bei drohender oder eingetretener Hufbeinrotation
Typische Ursachen einer Hufrehe beim Esel
Fütterungsfehler (zu energiereiches Futter, Weidegang ohne Anpassung)
Equines Metabolisches Syndrom (EMS) und Hyperlipidämie: beim Esel besonders häufig
Cushing-Syndrom (PPID) bei älteren Eseln
Belastungsrehe durch einseitige Überlastung des kontralateralen Beins
Geburtsrehe oder toxische Auslöser (z. B. Nachgeburtsverhalten)
Orthopädische Relevanz
Da Esel ihre Schmerzen oft stoisch verbergen, wird eine Rehe häufig spät erkannt. Eine individuell angefertigte Hufrehe-Orthese: idealerweise in enger Abstimmung zwischen Tierarzt, Hufbearbeiter und Orthopädietechnik: kann den Heilungsverlauf entscheidend beeinflussen und chronischen Hufdeformationen vorbeugen.
Mögliche Symptome
Klamme, trippelnde Gangart
Vermehrtes Liegen, Aufstehunlust
Entlastungshaltung mit nach vorn gestreckten Vorderbeinen
Pulsierende Mittelfußarterien
Erwärmte Hufe
Druckschmerz im Zehenbereich
Apathie und Fressunlust (oft erst spät erkennbar)
Sichtbare Reheringe an der Hornwand bei chronischem Verlauf
Orthopädische Indikationen
Akute Hufrehe mit starker Schmerzhaftigkeit
Chronische Hufrehe mit Hufbeinrotation oder -senkung
Stoffwechselbedingte Rehe bei EMS oder PPID
Belastungsrehe bei einseitiger Lahmheit
Postoperative Entlastung nach Huf-Operationen
Stabilisierung während der orthopädischen Hufbearbeitungsphase
Häufige Fragen
Esel sind genetisch auf karge Kost ausgelegt. Schon kleine Mengen energiereiches Futter oder eine üppige Weide können den Stoffwechsel überlasten und eine Rehe auslösen. Auch EMS und Cushing kommen bei Eseln häufig vor und gelten als Hauptursachen.
Die Orthese ist primär ein Entlastungs- und Therapiehilfsmittel. Viele Esel bewegen sich damit deutlich entspannter, da Schmerzen gelindert werden. Wie viel Bewegung sinnvoll ist, entscheidet der Tierarzt je nach Stadium der Erkrankung.
Das hängt vom Schweregrad ab. In der akuten Phase wird sie dauerhaft getragen, in der Erholungsphase oft über Wochen bis Monate. Bei chronischer Rehe kann eine dauerhafte orthopädische Versorgung sinnvoll sein.
In der Regel nicht. Eselhufe haben eine andere Form und Stellung. Eine individuell angepasste Orthese aus der Manufaktur sitzt passgenau, vermeidet Druckstellen und entfaltet ihre Wirkung deutlich besser.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit eurem Tierarzt.