Glossar H Hufrollenblockade (Pferd)

Hufrollenblockade (Pferd)

Als Hufrollenblockade bezeichnet man eine diagnostische und therapeutische Leitungsanästhesie der Nerven, die den hinteren Hufbereich und die Hufrolle (Podotrochlea) versorgen. Beim Pferd wird sie eingesetzt, um Lahmheiten im Bereich des Strahlbeins, der tiefen Beugesehne und der Hufrollenschleimbeutel zu lokalisieren. Es handelt sich nicht um eine Behandlung, sondern um ein wichtiges Diagnostikum in der Lahmheitsuntersuchung.

Die Hufrollenblockade – fachsprachlich auch Palmarnervenblockade der tiefen Äste oder Low Palmar Digital Nerve Block genannt – ist eine gezielte Leitungsanästhesie der Nervi digitales palmares im Bereich der Fesselbeuge knapp oberhalb der Ballen. Durch die Injektion eines Lokalanästhetikums wird die Schmerzleitung aus dem hinteren Hufdrittel, dem Strahlbein, der tiefen Beugesehne im Hufbereich, dem Hufrollenschleimbeutel (Bursa podotrochlearis) sowie Teilen des Hufgelenks vorübergehend ausgeschaltet.

Anatomischer Hintergrund

Die Hufrolle des Pferdes besteht aus dem Strahlbein (Os sesamoideum distale), dem zwischen Strahlbein und tiefer Beugesehne liegenden Schleimbeutel sowie dem Abschnitt der tiefen Beugesehne, der über das Strahlbein gleitet. Dieser Komplex ist hochgradig belastet und eine der häufigsten Ursachen für Vorderhandlahmheiten beim Reitpferd.

Durchführung und Aussagekraft

Der Tierarzt injiziert das Anästhetikum beidseits über den Nervenästen. Verschwindet die Lahmheit innerhalb weniger Minuten nach der Blockade, ist eine Schmerzquelle im anästhesierten Bereich – häufig im Hufrollenkomplex – wahrscheinlich. Da die Blockade jedoch auch Teile des Hufgelenks und der Sohle mit erfasst, ist sie nicht hundertprozentig spezifisch und wird in der Regel mit bildgebenden Verfahren wie Röntgen, Ultraschall oder MRT kombiniert.

Orthopädische Relevanz

Ein positives Ergebnis der Hufrollenblockade leitet weitere Diagnostik und Therapie ein. Häufige Folgebefunde sind das Podotrochlose-Syndrom (Hufrollenerkrankung), Sehnenläsionen der tiefen Beugesehne oder Veränderungen am Strahlbein. Die orthopädische Versorgung umfasst dann z.B. einen angepassten Beschlag, Hufkorrekturen, Bewegungsmanagement sowie unterstützende Bandagen oder Hufschuhe zur Entlastung. Die Hufrollenblockade ist somit ein zentraler Baustein, um die Ursache einer Lahmheit zu sichern und eine zielgerichtete Therapie planen zu können.

  • Reine Diagnostikmaßnahme, keine Heilbehandlung
  • Aussagekräftig nur in Kombination mit klinischer Untersuchung und Bildgebung
  • Wird ausschließlich vom Tierarzt durchgeführt

Mögliche Symptome

  • Vorderhandlahmheit, oft beidseitig
  • Verkürzter, klammer Gang besonders auf hartem Boden
  • Stolpern und Zehenfußung statt Trachtenfußung
  • Lahmheit auf der Zirkellinie, innen stärker
  • Schmerzhaftigkeit bei der Hufzangenprobe im Strahlbereich
  • Verbesserung der Lahmheit nach Leitungsanästhesie

Orthopädische Indikationen

  • Diagnostische Abklärung unklarer Vorderhandlahmheiten
  • Verdacht auf Podotrochlose-Syndrom (Hufrollenerkrankung)
  • Verdacht auf Läsionen der tiefen Beugesehne im Hufbereich
  • Lokalisation von Schmerzen im hinteren Hufdrittel vor weiterer Bildgebung
  • Vorbereitung einer orthopädischen Beschlagskorrektur oder Hufschuhversorgung

Häufige Fragen

Ist die Hufrollenblockade eine Behandlung gegen Hufrollenentzündung?

Nein. Die Hufrollenblockade ist ein diagnostisches Verfahren, mit dem der Tierarzt die Schmerzquelle einer Lahmheit eingrenzt. Eine tatsächliche Therapie der Hufrollenerkrankung erfolgt anschließend durch Beschlagskorrektur, Medikamente, Bewegungsmanagement und gegebenenfalls orthopädische Hilfsmittel.

Wie lange wirkt die Hufrollenblockade?

Die Wirkung des verwendeten Lokalanästhetikums setzt nach wenigen Minuten ein und hält in der Regel ein bis zwei Stunden an. Anschließend kehrt die Lahmheit zurück, sofern die zugrundeliegende Erkrankung nicht behandelt wird.

Welche Hilfsmittel kommen nach positiver Hufrollenblockade infrage?

Je nach Befund können orthopädischer Beschlag, Hufschuhe mit Dämpfungseinlagen, Trachten- oder Zehenkorrekturen sowie unterstützende Bandagen zur Sehnenentlastung sinnvoll sein. Die individuelle Versorgung sollte immer in Abstimmung zwischen Tierarzt, Hufschmied und Orthopädietechniker erfolgen.

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