Ausführlich
Die Tendovaginitis ist eine entzündliche Erkrankung der Sehnenscheide (Vagina synovialis tendinis). Sehnenscheiden umhüllen Sehnen dort, wo sie über Knochen oder durch enge anatomische Passagen gleiten, und sorgen mit ihrer Synovialflüssigkeit für reibungsarmes Gleiten. Beim Pferd sind vor allem die Sehnenscheiden der oberflächlichen und tiefen Beugesehne im Bereich der Fessel (Fesselbeugesehnenscheide, häufig sichtbar als sogenannte „Sehnenscheidengalle“) sowie die Karpalbeugesehnenscheide betroffen.
Anatomischer Hintergrund
Eine Sehnenscheide besteht aus einem äußeren fibrösen und einem inneren synovialen Blatt. Bei Entzündung produziert das Synovialgewebe vermehrt Flüssigkeit, was zu den typischen weichen Schwellungen führt. Man unterscheidet beim Pferd zwischen aseptischen (nicht-infektiösen) und septischen (infektiösen) Tendovaginitiden: letztere sind ein Notfall, da Bakterien im Synovialraum schnell zu irreversiblen Schäden an Sehne und Knorpel führen können.
Ursachen
Mechanische Überlastung durch Sport, harten Boden oder unphysiologische Belastung
Akute Traumata wie Tritte, Schläge oder Stichverletzungen
Chronische Reizung durch Fehlstellungen oder schlechte Hufbearbeitung
Eindringen von Keimen über Wunden (septische Form)
Begleiterscheinung bei Sehnenerkrankungen oder Hufrollenproblematik
Orthopädische Relevanz
Eine unbehandelte Tendovaginitis kann zu chronischer Verdickung der Sehnenscheide, Adhäsionen zwischen Sehne und Sehnenscheidenwand und damit zu dauerhaften Bewegungseinschränkungen führen. In der orthopädischen Versorgung des Pferdes spielen Bandagen, stabilisierende Gamaschen und individuell angepasste Hilfsmittel eine Rolle, um die betroffene Struktur zu entlasten, Schwellungen zu reduzieren und Rückfälle zu vermeiden. Die Behandlung gehört in tierärztliche Hand und umfasst je nach Ursache Ruhigstellung, antiphlogistische Therapie, gegebenenfalls Punktion oder chirurgische Maßnahmen.
Begleitend zur tierärztlichen Therapie können maßgefertigte orthopädische Hilfsmittel von Trittwerk die Rehabilitation unterstützen, indem sie das betroffene Bein stabilisieren und gezielt entlasten.
Mögliche Symptome
Weiche, fluktuierende Schwellung im Bereich der Sehnenscheide
Wärme und Druckempfindlichkeit
Lahmheit unterschiedlichen Grades
Eingeschränkte Beugung der betroffenen Gelenke
Bei septischer Form: hochgradige Lahmheit, Fieber, Allgemeinstörung
Chronisch: dauerhafte Verdickung („Galle")
Orthopädische Indikationen
Stabilisierende Bandagen zur Entlastung der Beugesehnen
Orthesen zur Ruhigstellung in der Rehabilitationsphase
Unterstützung bei chronisch verdickten Sehnenscheiden zur Belastungsreduktion
Schutzhilfen bei Wiedereinstieg in die Arbeit nach Sehnenscheidenentzündung
Korrekturhilfen bei zugrundeliegenden Fehlbelastungen
Häufige Fragen
Eine chronische Galle ist meist kalt, schmerzfrei und ohne Lahmheit. Eine akute Tendovaginitis geht mit Wärme, Schmerz und häufig Lahmheit einher. Im Zweifelsfall sollte immer ein Tierarzt hinzugezogen werden, da insbesondere septische Verläufe schnell behandelt werden müssen.
Bei rechtzeitiger und konsequenter Behandlung ist die Prognose meist gut. Ein langsamer, kontrollierter Wiederaufbau der Belastung sowie unterstützende orthopädische Hilfsmittel sind wichtig, um Rückfälle zu vermeiden. Der genaue Verlauf hängt von Ursache und Schweregrad ab.
Je nach Befund kommen stabilisierende Bandagen, Gamaschen oder maßgefertigte Orthesen zum Einsatz, die die Sehnenscheide entlasten und das Bein in einer schonenden Stellung unterstützen. Eine individuelle Anpassung durch Fachleute wie Trittwerk in Abstimmung mit dem behandelnden Tierarzt ist empfehlenswert.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit eurem Tierarzt.