Ausführlich
Der Kreuzverschlag, fachlich als equine Rhabdomyolyse bezeichnet, ist eine der bekanntesten Muskelerkrankungen beim Pferd. Betroffen ist vor allem die große Skelettmuskulatur über Kruppe, Lende und Oberschenkel. Durch einen gestörten Energiestoffwechsel in den Muskelzellen kommt es zu einem akuten Zerfall (Lyse) von Muskelfasern. Dabei wird das Muskeleiweiß Myoglobin freigesetzt, das über die Nieren ausgeschieden wird und den Harn dunkel verfärben kann.
Formen des Kreuzverschlags
Man unterscheidet vor allem zwischen der sporadischen Form , die meist durch ein Missverhältnis zwischen Kraftfuttergabe und Bewegung („Feiertagskrankheit“) ausgelöst wird, und chronisch-rezidivierenden Formen wie der Polysaccharid-Speicher-Myopathie (PSSM) oder der Recurrent Exertional Rhabdomyolysis (RER) . Letztere haben oft eine genetische Komponente und treten bei bestimmten Rassen, etwa Quarter Horses, Warmblütern oder Vollblütern, gehäuft auf.
Ursachen und auslösende Faktoren
Hohe Kraftfuttergaben bei gleichzeitiger Bewegungspause
Stoffwechselstörungen und genetische Veranlagung
Elektrolyt- und Vitamin-E/Selen-Mangel
Stress, Infekte, Übertraining
Kälte, Zugluft, unzureichendes Aufwärmen
Orthopädische Relevanz
Auch wenn der Kreuzverschlag primär eine muskuläre Stoffwechselerkrankung ist, hat er deutliche Auswirkungen auf den Bewegungsapparat. Die betroffenen Pferde zeigen einen klammen, steifen Gang, Bewegungsunlust oder Festliegen. In der Rehabilitationsphase spielen kontrollierte Bewegung, gezielter Muskelaufbau und Schutz vor Überlastung eine zentrale Rolle. Stützende Bandagen oder funktionelle Hilfsmittel können in der Genesungsphase Stabilität geben, ersetzen aber keine tierärztliche Behandlung.
Die Diagnose und Therapie gehören ausschließlich in tierärztliche Hand. Über Blutuntersuchungen (CK- und AST-Werte) lässt sich das Ausmaß der Muskelschädigung beurteilen. Langfristig sind angepasstes Futter, regelmäßige Bewegung und ein konsequentes Management entscheidend, um Rückfälle zu vermeiden.
Mögliche Symptome
Steifer, klammer Gang
Schmerzhafte, harte Muskulatur über Kruppe und Lende
Schwitzen und Muskelzittern
Bewegungsunlust bis hin zum Festliegen
Dunkel verfärbter (kaffeebrauner) Urin
Erhöhte Atem- und Herzfrequenz
Kolikartige Symptome
Orthopädische Indikationen
Stützende Bandagen zur Stabilisierung in der Rehabilitationsphase
Hilfsmittel zum Muskelaufbau bei chronisch-rezidivierenden Myopathien
Schutz- und Wärmeprodukte zur Unterstützung der Muskulatur
Orthopädische Begleitversorgung bei sekundären Gangbildveränderungen
Häufige Fragen
Ja. Ein akuter Kreuzverschlag ist immer ein tiermedizinischer Notfall. Das Pferd darf nicht weiterbewegt werden und sollte sofort tierärztlich versorgt werden, da unbehandelt Nierenschäden und schwere Komplikationen drohen.
In vielen Fällen ja, allerdings nur nach einer kontrollierten Rehabilitationsphase. Wichtig sind angepasste Fütterung, langsamer Trainingsaufbau und: je nach Ursache: eine dauerhafte Anpassung des Managements. Bei chronischen Formen wie PSSM bleibt das Risiko für Rückfälle bestehen.
Orthopädische Hilfsmittel behandeln nicht die Muskelerkrankung selbst, können aber in der Genesungsphase unterstützen: etwa durch Stabilisierung, Wärme oder Entlastung. Die Auswahl sollte immer in Absprache mit Tierarzt und Physiotherapeut erfolgen.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit eurem Tierarzt.