TrittwerkTierorthopädie

Kreuzbeinfraktur bei der Katze

Eine Kreuzbeinfraktur (Fraktur des Os sacrum) bezeichnet den Knochenbruch des Kreuzbeins, das bei der Katze zwischen den Lendenwirbeln und der Schwanzwirbelsäule liegt und Teil des Beckenrings ist. Bei Katzen entsteht diese Verletzung meist durch stumpfe Gewalteinwirkung wie Stürze aus großer Höhe (High-Rise-Syndrom) oder Verkehrsunfälle. Da im Kreuzbein wichtige Nervenwurzeln für Blase, Mastdarm und Hintergliedmaßen verlaufen, sind neurologische Ausfälle eine häufige Begleiterscheinung.

Ausführlich

Das Kreuzbein (Os sacrum) der Katze besteht aus drei verschmolzenen Sakralwirbeln und bildet das stabile Verbindungsstück zwischen Wirbelsäule und Becken. Über die Iliosakralgelenke ist es beidseitig mit den Darmbeinen verbunden und überträgt die Kräfte der Hintergliedmaßen auf den Rumpf. Eine Fraktur in diesem Bereich beeinträchtigt sowohl die Statik des Beckens als auch die Funktion des Nervensystems erheblich.

Typische Ursachen bei der Katze

Katzen erleiden Kreuzbeinfrakturen besonders häufig durch Stürze aus mehreren Stockwerken (High-Rise-Syndrom), durch Verkehrsunfälle oder durch Quetschungen, etwa beim Einklemmen in Türen oder Garagentoren. Eine Sonderform ist die sakrokaudale Luxationsfraktur am Übergang vom Kreuzbein zur Schwanzwirbelsäule, ausgelöst durch starkes Zerren am Schwanz: auch als „tail-pull injury“ bekannt.

Klinische Bedeutung und neurologische Folgen

Im Sakralkanal verlaufen die Nervenwurzeln, die Blase, Mastdarm, Analschließmuskel und Schwanz versorgen. Werden diese Nerven durch Knochenfragmente, Zug oder Quetschung geschädigt, kommt es zu Inkontinenz, fehlendem Schwanztonus und manchmal zu Lähmungen der Hintergliedmaßen. Eine sorgfältige neurologische Untersuchung durch den Tierarzt ist daher unverzichtbar.

Orthopädische Relevanz

Je nach Stabilität der Fraktur reichen die Behandlungsoptionen von konservativer Käfigruhe bis zur chirurgischen Stabilisierung mit Schrauben oder Platten. In der Rehabilitationsphase können Hilfsmittel wie stützende Bandagen, Beckenstabilisatoren oder bei dauerhaften Lähmungen ein Rollwagen die Mobilität und Lebensqualität deutlich verbessern.

Betroffene Strukturen: Os sacrum, Iliosakralgelenke, Cauda equina, Nervi sacrales

Häufige Begleitverletzungen: Beckenfrakturen, Hüftluxation, Harnblasenruptur

Prognose: stark abhängig vom Erhalt der Nervenfunktion, insbesondere des Schwanztonus

Mögliche Symptome

Schmerzhaftigkeit im hinteren Rückenbereich

Schlaffer Schwanz ohne Tonus

Lähmung oder Schwäche der Hintergliedmaßen

Harn- und Kotinkontinenz

Verweigerung des Aufstehens

Verändertes Gangbild oder Robben

Sensibilitätsverlust am Schwanz und Perineum

Sichtbare Schwellung oder Hämatom über dem Kreuzbein

Orthopädische Indikationen

Stabilisierende Bandage in der postoperativen Phase

Beckengurt zur Entlastung während der Heilung

Hintergliedmaßen-Orthese bei neurologisch bedingter Schwäche

Rollwagen bei dauerhafter Paraparese

Hilfsmittel zur Stützung beim Toilettengang

Rehabilitationshilfen zur Wiederherstellung der Mobilität

Häufige Fragen

Die Prognose hängt entscheidend vom Ausmaß der Nervenschädigung ab. Ist der Schwanztonus erhalten und treten innerhalb der ersten Wochen Verbesserungen der Blasenfunktion auf, stehen die Chancen auf eine weitgehende Genesung gut. Bei schweren Nervenschäden können dauerhafte Einschränkungen bleiben: hier helfen orthopädische Hilfsmittel, die Lebensqualität zu erhalten.

Die Nerven, die den Schwanz steuern, treten direkt aus dem Kreuzbein aus. Bei einer Fraktur oder Luxation im Sakralbereich werden diese Nervenwurzeln häufig überdehnt oder gequetscht, was zu einem schlaffen, gefühllosen Schwanz führt. Dies ist gleichzeitig ein wichtiger Indikator für die Prognose der Blasenfunktion.

Maßgefertigte Hilfsmittel wie Beckenbandagen, Hintergliedmaßenorthesen oder Rollwagen können die geschwächte Muskulatur unterstützen, Fehlbelastungen vorbeugen und der Katze ein selbstständigeres Leben ermöglichen. Die Auswahl sollte immer in Abstimmung mit Tierarzt und Physiotherapeut erfolgen.

Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit eurem Tierarzt.

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