Ausführlich
Der Nervus radialis versorgt bei der Katze die Streckmuskulatur der Vordergliedmaße und einen Teil der Hautsensibilität an der Außenseite von Unterarm und Pfote. Wird dieser Nerv geschädigt, spricht man von einer Radialislähmung (Radialisparese bei Teilausfall, Radialisplegie bei vollständigem Ausfall). Da Katzen sehr bewegliche und filigrane Vordergliedmaßen besitzen, hat der Ausfall gravierende Auswirkungen auf Fortbewegung, Klettern und Beutefang.
Ursachen bei der Katze
Traumata durch Stürze aus großer Höhe (typisches „High-Rise-Syndrome“)
Verkehrsunfälle mit Schulter- oder Oberarmverletzungen
Bissverletzungen und tiefe Wunden im Bereich Schulter/Oberarm
Frakturen des Humerus, insbesondere im mittleren und distalen Drittel
Druckschäden durch Tumoren oder Einklemmungen im Plexus brachialis
Iatrogene Schäden (z. B. nach Operationen oder Injektionen)
Klinisches Bild
Je nach Höhe der Nervenschädigung fällt die Streckung im Ellenbogen, Karpus oder nur in den Zehen aus. Bei einer hohen Radialislähmung kann die Katze die Gliedmaße nicht mehr belasten, der Ellenbogen sinkt ab. Bei tiefer Läsion ist der Ellenbogen noch streckfähig, aber die Pfote knickt im Karpalgelenk ein, sodass die Katze auf dem Pfotenrücken („Knuckling“) läuft. Häufig entstehen dadurch Druckstellen und offene Wunden am Pfotenrücken.
Orthopädische Relevanz
Da Katzen sehr leicht sind und ihr Nervengewebe eine gute Regenerationsfähigkeit besitzt, ist eine Erholung bei leichten Läsionen möglich. In der Übergangs- oder Rehabilitationsphase kann eine individuell angefertigte Karpalorthese die Pfote in physiologischer Stellung halten, das Knuckling verhindern und Hautverletzungen vorbeugen. Bei dauerhafter Lähmung stellt die Orthese eine Alternative zur Amputation dar und ermöglicht der Katze eine aktive Fortbewegung.
Diagnostik und Therapie
Die Diagnose stellt der Tierarzt anhand neurologischer Untersuchung, ggf. ergänzt durch bildgebende Verfahren und Elektrodiagnostik. Therapeutisch stehen Ursachenbehandlung, Physiotherapie, Schutz der Pfote sowie orthetische Versorgung im Vordergrund. Eine engmaschige Kontrolle ist wichtig, da eine ausbleibende Reinnervation innerhalb weniger Monate über das weitere Vorgehen entscheidet.
Mögliche Symptome
Nachschleifen der Vordergliedmaße
Laufen auf dem Pfotenrücken (Knuckling)
Fehlende aktive Streckung von Ellenbogen, Karpus oder Zehen
Muskelschwund an der Vordergliedmaße
Sensibilitätsverlust an der Außenseite von Unterarm und Pfote
Hautabschürfungen und Wunden am Pfotenrücken
Unfähigkeit, die Pfote zu belasten
Orthopädische Indikationen
Karpalorthese zur Stabilisierung der Pfote in physiologischer Stellung
Schutzbandage zur Vermeidung von Druckstellen am Pfotenrücken
Dynamische Orthese zur Unterstützung während der Nervenregeneration
Individuell angefertigte Vordergliedmaßenorthese bei dauerhafter Lähmung
Orthetische Versorgung als Alternative zur Amputation
Häufige Fragen
Bei leichten Nervenquetschungen ist eine vollständige Rückbildung innerhalb von Wochen bis Monaten möglich. Bei durchtrennten Nerven oder schweren Läsionen bleibt die Lähmung häufig bestehen. Die Prognose stellt der Tierarzt anhand neurologischer Verlaufskontrollen.
Eine maßgefertigte Karpalorthese hält die Pfote in gestreckter Position, verhindert das Umknicken und schützt den Pfotenrücken vor Verletzungen. So kann die Katze die Gliedmaße wieder aktiv einsetzen und normal belasten.
Nein. Vor allem bei Katzen kann eine orthetische Versorgung eine gute Alternative sein, wenn die Gliedmaße erhalten werden soll. Die Entscheidung sollte gemeinsam mit dem Tierarzt und einem Orthopädietechniker getroffen werden.
Typisch sind das Nachziehen der Vorderpfote, das Laufen auf dem Pfotenrücken und die Unfähigkeit, die Gliedmaße anzuheben oder zu strecken. Bei diesen Anzeichen ist umgehend ein Tierarzt aufzusuchen.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit eurem Tierarzt.