TrittwerkTierorthopädie

Hufrollenbursitis beim Pferd

Die Hufrollenbursitis ist eine Entzündung des Schleimbeutels (Bursa podotrochlearis) im Bereich der sogenannten Hufrolle des Pferdes. Sie zählt zum Formenkreis des Podotrochlose-Syndroms und betrifft vorwiegend die Vorderhufe. Typisch ist eine schmerzhafte Lahmheit, die sich besonders auf hartem Boden oder im Zirkel verstärkt.

Ausführlich

Die Hufrolle des Pferdes bezeichnet ein anatomisches Gleitlager im hinteren Hufbereich, bestehend aus dem Strahlbein (Os sesamoideum distale), der tiefen Beugesehne und dem dazwischenliegenden Schleimbeutel, der Bursa podotrochlearis. Dieser Schleimbeutel sorgt für reibungsarmes Gleiten der tiefen Beugesehne über das Strahlbein. Entzündet sich diese Bursa, spricht man von einer Hufrollenbursitis (Bursitis podotrochlearis).

Ursachen und Entstehung

Die Hufrollenbursitis entsteht meist durch chronische Überlastung und Fehlbelastung. Häufige Auslöser sind eine ungünstige Hufform (zum Beispiel Bockhuf, untergeschobene Trachten, lange Zehe), harte Böden, intensive Arbeit in engen Wendungen, mangelhafte Hufbearbeitung sowie genetische Prädispositionen, etwa bei Quarter Horses oder Warmblütern mit kleinen Hufen im Verhältnis zur Körpermasse. Auch akute Traumata wie ein Nageltritt in den Strahl können eine septische Bursitis verursachen.

Betroffene Strukturen

Bursa podotrochlearis (Hufrollenschleimbeutel)

Strahlbein und dessen Knorpelüberzug

Tiefe Beugesehne im Bereich des Strahlbeins

Hufrollenbänder (Ligamentum sesamoideum distale impar, Kollateralbänder)

Orthopädische Relevanz

Die Hufrollenbursitis ist ein zentraler Bestandteil des Podotrochlose-Syndroms und eine der häufigsten Ursachen für chronische Vorderhandlahmheiten beim Reitpferd. Die Behandlung ist multimodal und gehört in tierärztliche Hand. Neben medikamentöser Therapie spielt vor allem der orthopädische Hufbeschlag eine entscheidende Rolle, um die Belastung der Hufrolle zu reduzieren und die Trachten zu entlasten.

Ergänzend können tierorthopädische Hilfsmittel wie individuell angepasste Hufschuhe mit dämpfenden Einlagen, Strahlpolster oder Bandagen zur Stabilisierung der unteren Gliedmaße eingesetzt werden. Ziel ist es, Stoßbelastung zu mindern, die Hufmechanik zu unterstützen und das Pferd langfristig wieder schmerzfrei zu bewegen.

Mögliche Symptome

Vorderhandlahmheit, oft wechselnd zwischen beiden Vorderbeinen

Verkürzter, klammer Gang ('Trippeln')

Stolpern und Zehenfußung statt Trachtenfußung

Lahmheit verstärkt sich auf hartem Boden und im Zirkel

Positive Reaktion auf Hufzangenprobe im Strahlbereich

Unwilligkeit beim Anreiten, steifer Bewegungsablauf

Schonhaltung mit vorgestelltem Bein in Ruhe

Orthopädische Indikationen

Entlastung der Hufrolle durch orthopädische Hufschuhe

Dämpfung von Stoßbelastung mit Strahl- und Sohlenpolstern

Stabilisierende Bandagen bei Begleitreizungen der Beugesehne

Unterstützung in der Rehabilitationsphase nach tierärztlicher Therapie

Hilfsmittel zur Korrektur von Fehlbelastungen bei chronischer Podotrochlose

Häufige Fragen

Die Diagnose erfolgt durch den Tierarzt mittels Lahmheitsuntersuchung, Beugeproben, diagnostischer Anästhesie (Leitungsanästhesie) sowie bildgebender Verfahren wie Röntgen, Ultraschall und insbesondere MRT, das die Weichteilstrukturen der Hufrolle detailliert darstellt.

In vielen Fällen ja. Mit einer konsequenten tierärztlichen Therapie, angepasstem orthopädischen Beschlag und gegebenenfalls unterstützenden Hilfsmitteln können viele Pferde wieder leistungsfähig werden. Die Prognose hängt jedoch vom Ausmaß der Veränderungen und der Mitarbeit aller Beteiligten ab.

Hufschuhe mit dämpfenden Einlagen, Strahlpolster und stabilisierende Bandagen können die Belastung der Hufrolle reduzieren und die Hufmechanik unterstützen. Sie ersetzen keine tierärztliche Behandlung, sind aber wertvolle Bausteine im Gesamtkonzept, besonders in der Rehabilitation und im Alltag.

Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit eurem Tierarzt.

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