Ausführlich
Die Hufrollenbursoskopie ist ein spezialisiertes chirurgisches Verfahren beim Pferd, das der endoskopischen Untersuchung und Behandlung der Bursa podotrochlearis dient. Diese Schleimbeutelstruktur liegt zwischen dem Strahlbein (Os sesamoideum distale) und der tiefen Beugesehne im Bereich der sogenannten Hufrolle. Sie spielt eine zentrale Rolle im Gleit- und Umlenkmechanismus der Sehne und ist häufig Sitz schmerzhafter Veränderungen beim Podotrochlose-Syndrom (Hufrollenerkrankung).
Anatomischer Hintergrund
Die Hufrolle beim Pferd besteht funktionell aus dem Strahlbein, dem darüber gleitenden Anteil der tiefen Beugesehne und dem dazwischenliegenden Schleimbeutel. Diese Region ist mechanisch stark belastet, insbesondere in der Stützphase des Bewegungsablaufs. Kleinste Verletzungen an der Faserknorpelschicht des Strahlbeins, adhäsive Verklebungen oder oberflächliche Sehnenläsionen der tiefen Beugesehne bleiben in bildgebenden Verfahren wie Röntgen oder Ultraschall oft unentdeckt.
Ablauf und Indikation
Die Bursoskopie erfolgt in Vollnarkose. Über einen palmar/plantar gelegenen Zugang oberhalb des Kronrandes wird das Endoskop eingeführt. Der Tierarzt beurteilt die Sehnenoberfläche, das Faserknorpelpolster des Strahlbeins sowie die Synovialmembran des Schleimbeutels.
Abklärung chronischer Palmarschmerz-Symptomatik trotz unauffälliger Bildgebung
Diagnostik von Läsionen der tiefen Beugesehne im Hufbereich
Entfernung von Adhäsionen und Fibrinauflagerungen
Behandlung septischer Bursitiden nach Fremdkörperverletzungen (z. B. Nageltritt)
Orthopädische Relevanz
Nach einer Hufrollenbursoskopie ist eine kontrollierte Rehabilitation entscheidend. Orthopädische Hilfsmittel wie speziell angepasste Hufschuhe, Keilpolster oder orthopädische Beschläge können den Zug auf die tiefe Beugesehne reduzieren und die Heilung unterstützen. Trittwerk fertigt individuell angepasste Hilfsmittel, die in Absprache mit Tierarzt und Hufschmied die Nachsorge sinnvoll ergänzen.
Grenzen des Verfahrens
Trotz seiner diagnostischen Präzision ist die Bursoskopie ein invasiver Eingriff mit Narkoserisiko und wird nur nach sorgfältiger Vorabklärung eingesetzt. Die Prognose hängt stark von Art und Ausmaß der intrabursalen Befunde ab.
Mögliche Symptome
Chronische Vorderhandlahmheit
Verkürzter Bewegungsablauf, Zehenfußung
Positive Reaktion auf Palmarnervenanästhesie
Belastungsschmerz im Bereich der Hufrolle
Wiederkehrende Lahmheit nach Belastung
Bei septischer Bursitis: Fieber, hochgradige Lahmheit, Schwellung
Orthopädische Indikationen
Postoperative Entlastung der tiefen Beugesehne durch Keilpolster oder orthopädische Hufschuhe
Individuell angepasste Hufschuhe zur kontrollierten Rehabilitation
Stützbandagen zur Stabilisierung der Fesselregion in der Nachsorge
Orthopädische Hilfsmittel bei chronischer Podotrochlose zur Reduktion der Zugbelastung
Häufige Fragen
Sie kommt vor allem dann in Frage, wenn ein Pferd trotz eindeutiger Lahmheitslokalisation im Hufbereich in Röntgen, Ultraschall und MRT keine ausreichende Erklärung für die Schmerzen zeigt oder wenn intrabursale Schäden gezielt behandelt werden sollen. Die Entscheidung trifft der behandelnde Tierarzt.
Die Rehabilitation erstreckt sich meist über mehrere Monate. Nach einer kurzen Boxenruhe folgt ein schrittweise gesteigertes Bewegungsprogramm. Orthopädische Beschläge oder Hilfsmittel unterstützen den Heilungsverlauf und werden individuell mit Tierarzt und Hufschmied abgestimmt.
Nein. Die Bursoskopie ist ein diagnostisch-therapeutisches Verfahren, das strukturelle Schäden sichtbar macht und behandelt. Orthopädische Hilfsmittel wie spezielle Hufschuhe oder Bandagen sind ergänzende Maßnahmen zur Entlastung und Rehabilitation, ersetzen aber keine chirurgische Diagnostik.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit eurem Tierarzt.