Ausführlich
Die Stollbeule ist eine häufige Verletzung bei Pferden, die vor allem im Bereich des Sprunggelenks (Tarsus) auftritt. Sie entsteht durch stumpfe Traumata, typischerweise wenn sich das Pferd selbst mit dem beschlagenen Huf: insbesondere mit den Stollen: tritt oder wenn es sich an Boxenwänden, Transportern oder anderen harten Gegenständen stößt. Besonders gefährdet sind Pferde, die beim Liegen oder Aufstehen mit den Hinterbeinen ungünstig agieren oder die zu unkontrollierten Bewegungen neigen.
Anatomischer Hintergrund und Entstehung
Das Sprunggelenk liegt relativ exponiert und ist nur von einer dünnen Hautschicht sowie Unterhautgewebe bedeckt. Bei einem Trauma kommt es zur Verletzung der Haut und der darunterliegenden Strukturen, wobei Blut- und Lymphgefäße beschädigt werden. In der Folge bildet sich eine Schwellung aus Blut, Lymphe und Gewebsflüssigkeit (Hämatom, Serom oder gemischte Formen). Die Schwellung kann sich in den ersten Stunden nach der Verletzung vergrößern und je nach Schweregrad auch Wärme, Schmerzhaftigkeit und Lahmheit verursachen.
Orthopädische Relevanz und Behandlung
Während kleine Stollbeulen oft als kosmetisches Problem erscheinen, können größere oder wiederkehrende Schwellungen zu chronischen Veränderungen führen. Durch wiederholte Traumata oder unzureichende Abheilung kann sich fibröses Gewebe bilden, das als dauerhaft verdickte Stelle zurückbleibt. In akuten Fällen ist sofortige Kühlung wichtig, um die Schwellung zu begrenzen. Der Tierarzt kann entscheiden, ob eine Punktion der Flüssigkeitsansammlung, eine medikamentöse Behandlung oder ein Druckverband notwendig sind.
Prophylaxe und orthopädische Hilfsmittel
Zur Vorbeugung von Stollbeulen können Gamaschen oder spezielle Sprunggelenksbandagen eingesetzt werden, die das Gelenk beim Training, Transport oder bei empfindlichen Pferden auch in der Box schützen. Insbesondere bei Pferden mit bekannter Neigung zu Selbstverletzungen oder bei intensivem Training mit Stollbeschlag sind solche Schutzmaßnahmen sinnvoll. Nach einer Verletzung können stabilisierende Bandagen die Heilung unterstützen und erneute Traumata verhindern.
Mögliche Symptome
Umschriebene Schwellung am Sprunggelenk
Weiche bis prall-elastische Konsistenz der Schwellung
Wärme im betroffenen Bereich
Schmerzhaftigkeit bei Berührung
Lahmheit (je nach Schweregrad)
Hautabschürfungen oder Wunden über der Schwellung
Eingeschränkte Beweglichkeit des Sprunggelenks
Vermehrte Füllung in den ersten 24-48 Stunden
Orthopädische Indikationen
Sprunggelenksbandagen zum präventiven Schutz
Gamaschen zur Vermeidung von Selbstverletzungen
Kompressionsbandagen nach akuter Verletzung
Stützbandagen während der Heilungsphase
Schutzgamaschen bei Transport
Polsternde Bandagen für empfindliche Pferde in der Box
Häufige Fragen
Eine Stollbeule ist eine akute, meist weiche Schwellung nach einem Trauma, während eine Piephacke (Gallen am Sprunggelenk) eine chronische, flüssigkeitsgefüllte Aussackung der Gelenkkapsel oder Sehnenscheide darstellt. Stollbeulen entstehen durch direkte Verletzungen, Piephacken oft durch chronische Belastung oder Reizung.
Ja, ohne angemessene Behandlung kann sich fibröses Narbengewebe bilden, das als dauerhaft verdickte, harte Stelle zurückbleibt. Bei tiefen Verletzungen können auch Gelenke, Sehnen oder Sehnenscheiden betroffen sein, was langfristige orthopädische Probleme verursachen kann. Daher sollte jede Stollbeule tierärztlich begutachtet werden.
Ein Tierarzt sollte konsultiert werden, wenn die Schwellung sehr groß ist, stark schmerzhaft erscheint, eine deutliche Lahmheit auftritt, eine offene Wunde vorliegt oder sich die Schwellung trotz Kühlung innerhalb von 24 Stunden nicht zurückbildet. Auch bei Unsicherheit über die Schwere der Verletzung ist eine tierärztliche Untersuchung ratsam.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit deinem Tierarzt.