Als plantigrade Stellung bezeichnet man bei der Katze eine Fehlhaltung, bei der die Hintergliedmaße nicht mehr auf den Zehenballen, sondern mit dem gesamten Sprunggelenk (Tarsus) auf dem Boden aufgesetzt wird. Normalerweise ist die Katze ein Zehengänger (digitigrad); ein Absinken auf die Ferse ist immer ein Krankheitszeichen und erfordert tierärztliche Abklärung.
Katzen gehören zu den Zehengängern: Sie belasten im Stand und in der Bewegung nur die Zehen und Zehenballen, während der Sprunggelenkskomplex (Tarsus) deutlich vom Boden abgehoben ist. Bei einer plantigraden Stellung verliert die Katze diese aufrechte Haltung der Hintergliedmaße und setzt das Sprunggelenk teilweise oder vollständig auf – vergleichbar mit dem menschlichen Fußgang. Das Gangbild wirkt dadurch tief, unsicher und watschelnd.
Anatomischer Hintergrund
Betroffen sind vor allem die Strukturen rund um das Tarsalgelenk: die Achillessehne (gemeinsame Endsehne aus M. gastrocnemius, M. flexor digitalis superficialis und M. biceps femoris), die propriozeptiven Nervenbahnen sowie die stabilisierenden Bänder. Fällt die aktive oder passive Stabilisierung aus, kann die Katze das Sprunggelenk nicht mehr in der physiologischen Winkelung halten.
Typische Ursachen bei der Katze
- Diabetes mellitus: Die häufigste Ursache. Eine diabetische Neuropathie schädigt die peripheren Nerven der Hintergliedmaßen und führt zum charakteristischen Fersengang.
- Achillessehnenruptur oder -teilriss: Etwa durch Sturz aus großer Höhe oder Trauma.
- Neurologische Erkrankungen: Bandscheibenvorfälle, Ischiadikusläsionen, Rückenmarkstrauma nach Autounfall.
- Muskelerkrankungen und schwere Kachexie mit Verlust der Muskelkraft.
- Frakturen oder Luxationen im Tarsalbereich.
Orthopädische Relevanz
Die plantigrade Stellung ist kein eigenständiges Krankheitsbild, sondern ein Symptom. Neben der Behandlung der Grunderkrankung (z. B. Einstellung des Diabetes, chirurgische Versorgung der Sehne) kann eine orthopädische Versorgung sinnvoll sein, um das Sprunggelenk zu stabilisieren, die Achillessehne zu entlasten und ein physiologischeres Gangbild zu ermöglichen.
Versorgung mit Orthesen
Für Katzen können maßgefertigte Tarsalorthesen die Winkelung des Sprunggelenks unterstützen, die Sehne schützen und den Heilungsverlauf begleiten. Aufgrund der Feinheit der Anatomie und des sensiblen Wesens der Katze ist eine individuelle Anpassung essenziell. Trittwerk fertigt entsprechende Hilfsmittel nach Maß.
Mögliche Symptome
- Aufsetzen des Sprunggelenks beim Gehen und Stehen
- Tiefer, watschelnder Gang der Hinterhand
- Unsicherheit beim Springen oder Sprungvermeidung
- Muskelschwund an den Hintergliedmaßen
- Verminderte Belastbarkeit und schnelle Ermüdung
- Ggf. begleitende Symptome wie erhöhter Durst und Harnabsatz (bei Diabetes)
Orthopädische Indikationen
- Tarsalorthese zur Stabilisierung des Sprunggelenks bei diabetischer Neuropathie
- Entlastungsorthese nach Achillessehnenruptur oder -teilruptur
- Postoperative Schienung nach tarsaler Operation
- Unterstützung bei neurologisch bedingter Hinterhandschwäche
- Konservative Versorgung bei chronischer Instabilität des Tarsalgelenks
Häufige Fragen
Ist eine plantigrade Stellung bei der Katze immer krankhaft?
Ja. Katzen sind Zehengänger, jedes dauerhafte Absinken auf die Ferse ist ein Krankheitszeichen und sollte umgehend tierärztlich abgeklärt werden.
Kann sich die plantigrade Stellung zurückbilden?
Bei rechtzeitiger Behandlung der Grunderkrankung – etwa bei gut eingestelltem Diabetes – kann sich das Gangbild deutlich bessern. Wie schnell und vollständig hängt vom Ausmaß der Nerven- oder Sehnenschädigung ab.
Wann ist eine Orthese für meine Katze sinnvoll?
Eine Orthese kann sinnvoll sein, wenn die Katze das Sprunggelenk nicht mehr eigenständig stabilisieren kann, nach Sehnenverletzungen oder wenn die Grunderkrankung eine längere Rehabilitationsphase erfordert. Die Entscheidung sollte gemeinsam mit dem Tierarzt und einem erfahrenen Orthopädietechniker getroffen werden.
Wie erkenne ich frühe Anzeichen?
Achten Sie darauf, ob Ihre Katze weniger springt, beim Gehen die Hinterbeine tiefer absetzt, unsicherer wirkt oder auffällig ruht. Auch vermehrtes Trinken kann ein Hinweis auf einen zugrundeliegenden Diabetes sein.