Sohlenlederhautentzündung (Lama)
Die Sohlenlederhautentzündung (Pododermatitis aseptica) ist eine schmerzhafte Entzündung der Lederhaut unter der Sohle des Lamas. Sie betrifft das stark durchblutete Gewebe zwischen Zehenknochen und Sohlenhorn und führt zu deutlicher Lahmheit. Beim Lama tritt sie häufig durch Haltungs-, Untergrund- oder Pflegefehler auf.
Lamas besitzen im Gegensatz zu Pferden oder Kühen keine Hufe, sondern weiche Zehenballen (Pulvini) mit zwei Zehen, die jeweils von einer kleinen Kralle (Nagel) abgeschlossen werden. Die eigentliche Belastungsfläche bildet ein elastisches, lederartiges Sohlenpolster. Die darunterliegende Sohlenlederhaut (Corium) ist stark durchblutet und sensibel innerviert – sie versorgt das Sohlenhorn und federt Stöße ab. Eine Entzündung dieser Schicht wird als Sohlenlederhautentzündung bezeichnet.
Bei Lamas entsteht die Entzündung meist durch mechanische Überlastung oder Druck. Typische Auslöser sind harte, steinige oder asphaltierte Untergründe, auf denen das Tier nicht ausreichend abfedern kann, sowie matschige, dauerfeuchte Böden, die das Sohlenpolster aufweichen. Auch zu lange oder fehlerhaft geschnittene Zehennägel verlagern die Belastung, sodass die Lederhaut gequetscht wird. Übergewicht, Fehlstellungen der Zehen sowie Fremdkörper (Steine, Dornen) zwischen den Ballen können die Entzündung zusätzlich begünstigen.
Betroffene Strukturen
- Sohlenlederhaut (Corium) unter dem Zehenballen
- Sohlenpolster (Pulvinus)
- Zehenendgelenk und umliegende Sehnenansätze
- Krallenhorn und Kronsaum
Orthopädische Relevanz
Eine unbehandelte Sohlenlederhautentzündung kann beim Lama zu chronischer Lahmheit, Schonhaltungen, sekundären Gelenkproblemen und in schweren Fällen zu einer eitrigen Pododermatitis mit Abszessbildung führen. Da Lamas Schmerzen oft lange verbergen, wird die Erkrankung häufig erst spät erkannt. Tierorthopädische Hilfsmittel wie gepolsterte Zehenschuhe, Entlastungsbandagen oder individuell angepasste Sohlenpolster können die Druckverteilung verbessern und die Heilung unterstützen.
Die Behandlung gehört in tierärztliche Hand und umfasst meist Korrektur der Krallen, Reinigung, entzündungshemmende Therapie sowie Anpassung von Haltung und Untergrund. Begleitend können orthopädische Hilfsmittel die betroffene Zehe entlasten und das Wiederauftreten verhindern.
Mögliche Symptome
- Lahmheit an einer oder mehreren Gliedmaßen
- Wärme und Schwellung im Zehenbereich
- Empfindlichkeit beim Abtasten der Sohle
- Schonhaltung, vermehrtes Liegen
- Steifer, klammer Gang
- Gerötete oder verfärbte Sohlenhaut
- Verminderte Futteraufnahme bei starken Schmerzen
Orthopädische Indikationen
- Druckentlastung der entzündeten Sohlenlederhaut
- Polsternde Zehenschuhe zur Stoßdämpfung
- Schutzbandagen bei Weichteilreizung
- Orthopädische Hilfsmittel bei chronischer Pododermatitis
- Unterstützung nach Krallenkorrektur oder Abszessbehandlung
- Stabilisierung bei sekundären Fehlbelastungen
Häufige Fragen
Woran erkenne ich eine Sohlenlederhautentzündung bei meinem Lama?
Typisch sind Lahmheit, Wärme im Zehenbereich, Schonhaltung und Empfindlichkeit beim Auftreten. Da Lamas Schmerzen oft verbergen, sollten Sie bei Verdacht zeitnah einen Tierarzt hinzuziehen, der die Diagnose stellen kann.
Welche Rolle spielt der Untergrund bei der Entstehung?
Der Untergrund ist entscheidend: Harte, steinige Böden überlasten das weiche Sohlenpolster, dauerfeuchte oder matschige Flächen weichen es auf. Ein abwechslungsreicher, sauberer und trockener Untergrund mit weichen Liegeflächen beugt vor.
Können orthopädische Hilfsmittel meinem Lama helfen?
Ja. Individuell angepasste Zehenschuhe, Polster oder Entlastungsbandagen können die entzündete Lederhaut schützen und die Druckverteilung verbessern. Die Auswahl sollte immer in Abstimmung mit Tierarzt und Orthopädietechniker erfolgen.
Wie kann ich einer Sohlenlederhautentzündung vorbeugen?
Regelmäßige Krallenpflege, trockene und saubere Haltung, geeignete Untergründe, Gewichtskontrolle und tägliche Kontrolle der Zehen auf Fremdkörper oder Verletzungen sind die wichtigsten vorbeugenden Maßnahmen.