Ausführlich
Bei der Patellafixation bleibt das mediale Patellaband des Lamas über der medialen Trochleawalze des Oberschenkelknochens (Femur) hängen. Da Lamas: wie andere Neuweltkameliden: einen ausgeprägten Halteapparat im Kniegelenk besitzen, der das Ruhen im Stehen ermöglicht, kann es bei muskulärer Schwäche oder anatomischen Auffälligkeiten zu einer pathologischen Verhakung kommen.
Anatomischer Hintergrund
Das Lama verfügt über drei gerade Patellabänder (medial, intermedial, lateral), die die Kniescheibe mit dem Schienbein verbinden. Der Streckapparat ermöglicht ein energiesparendes Stehen, indem die Patella aktiv über die mediale Trochleakante gehakt werden kann. Löst sich diese Verhakung nicht mehr willentlich, spricht man von einer Patellafixation.
Ursachen beim Lama
Schlechte Bemuskelung im Oberschenkelbereich (M. quadriceps femoris), z. B. nach Schonung oder bei Jungtieren im Wachstum
Flache oder steile Stellung der Hintergliedmaße (gerade Hinterhand)
Genetische Disposition mit flacher medialer Trochleawalze
Übergewicht oder Fehlbelastung
Trauma oder Bandlockerung
Orthopädische Relevanz
Die Patellafixation äußert sich beim Lama durch ein nach hinten gestrecktes Bein, das nachgeschleift wird, oder durch ein ruckartiges Lösen beim Gehen. In leichten Fällen tritt das Phänomen nur sporadisch auf, in schweren Fällen ist das Bein dauerhaft in Streckstellung blockiert.
Konservativ wird die Erkrankung durch gezielten Muskelaufbau, kontrollierte Bewegung und ggf. orthopädische Hilfsmittel unterstützt. Eine stabilisierende Bandage oder Orthese am Kniegelenk kann das Gelenk während der Rehabilitationsphase führen und Fehlbelastungen reduzieren. Bei chronischen Fällen ist eine tierärztliche Abklärung: ggf. mit chirurgischer Intervention (z. B. mediale Patellabanddesmotomie): notwendig.
Mögliche Symptome
Hintergliedmaße bleibt in Streckstellung stehen
Nachschleifen des Beines
Ruckartiges Lösen beim Anlaufen
Steifer, unrunder Gang
Schonhaltung und reduzierte Belastung
Muskelabbau am Oberschenkel
Orthopädische Indikationen
Stabilisierende Knieorthese zur Führung der Patella
Bandage zur Unterstützung des Streckapparates
Orthopädische Hilfsmittel in der Rehabilitation nach Desmotomie
Entlastungsorthese bei beidseitiger Problematik
Korrekturhilfen bei Fehlstellungen der Hintergliedmaße
Häufige Fragen
Typisch ist eine Hintergliedmaße, die nach dem Aufstehen oder bei langsamen Bewegungen in Streckstellung verharrt und nicht aktiv gebeugt werden kann. Das Tier schleift das Bein nach oder löst die Blockade mit einem ruckartigen Schritt. Bei wiederholtem Auftreten sollte ein Tierarzt konsultiert werden.
Eine maßgefertigte Knieorthese kann das Gelenk stabilisieren, Fehlbelastungen reduzieren und während der Rehabilitation oder nach einem operativen Eingriff unterstützen. Sie ersetzt jedoch nicht die Ursachenbehandlung, etwa den gezielten Muskelaufbau oder eine tierärztliche Therapie.
Leichte Fälle können durch konsequentes Bewegungstraining, Muskelaufbau und Gewichtsmanagement deutlich verbessert werden. Chronische oder anatomisch bedingte Formen erfordern häufig eine chirurgische Behandlung. Die Prognose hängt von Ursache, Schweregrad und Allgemeinzustand des Tieres ab.
Betroffen sind vor allem schlecht bemuskelte, übergewichtige oder genetisch vorbelastete Tiere sowie Jungtiere im Wachstum mit gerader Hinterhandstellung. Auch nach längeren Schonphasen kann das Risiko steigen.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit eurem Tierarzt.