Ausführlich
Das Wobbler-Syndrom beim Pferd, fachlich als zervikale vertebrale stenotische Myelopathie (CVSM) bezeichnet, beschreibt eine Kompression des Rückenmarks im Bereich der Halswirbelsäule. Die Verengung des Wirbelkanals kann statisch (dauerhaft) oder dynamisch (nur bei bestimmten Kopf-Hals-Bewegungen) auftreten. Am häufigsten sind die Wirbelkörper C3 bis C7 betroffen.
Ursachen und Entstehung
Die Erkrankung entsteht meist multifaktoriell. Neben einer genetischen Prädisposition spielen Fütterungsfehler in der Aufzucht (Überversorgung mit Energie und Protein, Ungleichgewichte bei Mineralstoffen wie Kupfer und Zink), zu schnelles Wachstum sowie Traumata eine Rolle. Bei jungen Pferden liegt häufig eine osteochondrotische Veränderung der Wirbelgelenke vor, bei älteren Pferden dominieren arthrotische Umbauprozesse der Facettengelenke (Spondylarthrose).
Betroffene Strukturen
Halswirbelkörper (C3. C7)
Facettengelenke der Halswirbelsäule
Rückenmark und ableitende Nervenbahnen
Ligamentäre Strukturen des Wirbelkanals
Orthopädische und therapeutische Relevanz
Da die Erkrankung das zentrale Nervensystem betrifft, führen die Ausfälle sekundär zu einer massiven Belastung des Bewegungsapparats. Betroffene Pferde stolpern, überköten oder schleifen mit den Hufen: häufig kommt es zu Sekundärverletzungen an Fesseln, Kronrand und Sehnen. Hier können unterstützende orthopädische Hilfsmittel wie Schutzgamaschen, Hufschutz oder stabilisierende Bandagen die Folgen der Ataxie mindern, ersetzen jedoch nicht die medizinische Ursachentherapie.
Diagnose und Behandlungsansätze
Die Diagnose erfolgt tierärztlich über eine neurologische Untersuchung, Röntgen der Halswirbelsäule und ggf. Myelographie oder CT. Behandlungsoptionen reichen von konservativer Therapie (Ruhigstellung, Fütterungsanpassung, entzündungshemmende Medikamente, Physiotherapie) bis zu chirurgischen Eingriffen. Die Prognose hängt vom Schweregrad und Zeitpunkt der Diagnose ab.
Mögliche Symptome
Ataxie (unsicherer, schwankender Gang)
Stolpern und Überköten, vor allem hinten
Schleifende Hufe, abgenutzte Hufspitzen
Steifer Hals, eingeschränkte Halsbeweglichkeit
Muskelabbau im Bereich Hals und Kruppe
Probleme beim Rückwärtsrichten und Wenden
Schwierigkeiten beim Bergabgehen
Wegknicken der Hinterhand
Orthopädische Indikationen
Schutzgamaschen zur Vermeidung von Sekundärverletzungen bei Ataxie
Stabilisierende Bandagen zur Unterstützung geschwächter Gliedmaßen
Hufschutz bei schleifenden Hufen und ungleichmäßigem Abrieb
Orthetische Unterstützung bei Sekundärproblemen wie Sehnenüberlastung
Individuelle Hilfsmittel zur Verbesserung der Standsicherheit
Häufige Fragen
Das hängt vom Schweregrad ab. Bei leichten Formen ist unter tierärztlicher Kontrolle eine reduzierte Nutzung manchmal möglich, bei ausgeprägter Ataxie ist Reiten aus Sicherheitsgründen für Pferd und Reiter nicht vertretbar. Die Entscheidung sollte immer der behandelnde Tierarzt treffen.
Junge, schnellwachsende Warmblüter und Vollblüter, meist männliche Tiere zwischen 6 Monaten und 3 Jahren, erkranken überdurchschnittlich oft. Ältere Pferde können durch arthrotische Umbauten der Halswirbelsäule ebenfalls betroffen sein.
Nein. Orthesen, Bandagen oder Gamaschen behandeln nicht die Ursache, sondern lindern Folgeprobleme wie Sekundärverletzungen durch Stolpern oder ungleichmäßige Belastung. Sie sind eine sinnvolle Ergänzung zur tierärztlichen Therapie.
Die Diagnose stellt der Tierarzt anhand einer neurologischen Untersuchung, kombiniert mit bildgebenden Verfahren wie Röntgen der Halswirbelsäule, Myelographie oder Computertomographie. Nur so lässt sich das Ausmaß der Rückenmarkskompression sicher beurteilen.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit deinem Tierarzt.