Glossar K Klauenpflege-Anguss (Kuh)

Klauenpflege-Anguss (Kuh)

Ein Klauenpflege-Anguss (auch Klötzchen, Klauenklotz oder Trachtenerhöhung) ist ein orthopädisches Hilfsmittel, das bei Kühen auf eine gesunde Klaue aufgeklebt wird, um die erkrankte Partnerklaue zu entlasten. Er besteht meist aus Holz, Kunststoff oder Gummi und wird mit speziellem Zwei-Komponenten-Kleber auf der Klauensohle fixiert. Der Anguss hebt die kranke Klaue vom Boden ab und ermöglicht so eine ungestörte Heilung von Sohlengeschwüren, Klauenrehe oder anderen Klauenerkrankungen.

Der Klauenpflege-Anguss ist eines der wichtigsten Werkzeuge in der modernen Klauengesundheit beim Rind. Die Klaue der Kuh besteht aus zwei tragenden Klauenschuhen pro Bein – der Innen- und der Außenklaue. Bei einer Erkrankung einer dieser Klauen würde die kranke Klaue beim Stehen und Laufen weiterhin Bodenkontakt haben, was Schmerzen verursacht und die Heilung erheblich verzögert oder verhindert.

Anatomischer Hintergrund

An den Hintergliedmaßen der Kuh trägt physiologisch bedingt die Außenklaue mehr Gewicht und ist häufiger von Sohlengeschwüren und Rusterholz’schen Geschwüren betroffen. An den Vordergliedmaßen ist es umgekehrt – hier erkrankt häufiger die Innenklaue. Der Anguss wird grundsätzlich auf die gesunde Partnerklaue geklebt, sodass die kranke Klaue entlastet wird und in der Schwebe heilen kann.

Materialien und Bauarten

  • Holzklötze: Klassisch, kostengünstig, nutzen sich aber schneller ab
  • Kunststoff- oder Gummiklötze: Langlebiger, teils elastisch, schonen die belastete Klaue
  • Schalen- oder Schuhsysteme: Für komplexere Versorgungen mit zusätzlichem Halt

Orthopädische Relevanz

Der Anguss wirkt als temporäre Trachtenerhöhung und biomechanische Entlastungshilfe. Typische Indikationen sind Sohlengeschwüre, Rusterholz’sche Geschwüre (Sohlenspitzenbereich), Wandulzera, Klauenrehe, Fremdkörperverletzungen oder nach chirurgischer Klauenversorgung. Die Tragedauer beträgt in der Regel vier bis acht Wochen, abhängig von Heilungsverlauf, Abrieb und Stallbedingungen.

Anwendung und Kontrolle

Das Setzen eines Klauenpflege-Angusses erfordert eine fachgerechte funktionelle Klauenpflege als Grundlage und sollte durch geschulte Klauenpfleger oder Tierärzte erfolgen. Eine regelmäßige Kontrolle ist wichtig, da ein zu lange getragener oder verkanteter Klotz Fehlbelastungen der gesunden Klaue verursachen kann.

Mögliche Symptome

  • Lahmheit an einer oder mehreren Gliedmaßen
  • Entlastungshaltung einzelner Klauen
  • Sichtbare Sohlengeschwüre oder Defekte
  • Veränderter Gang, kurze Schritte
  • Reduzierte Futteraufnahme durch Bewegungsschmerz
  • Milchleistungsabfall

Orthopädische Indikationen

  • Sohlengeschwür (Rusterholz'sches Geschwür)
  • Wandulzera und weiße Linie Defekte
  • Klauenrehe (akut und chronisch)
  • Fremdkörperverletzungen der Klaue
  • Nach chirurgischer Klauenversorgung
  • Tiefe Risse oder Spalten im Klauenhorn
  • Entlastung nach Klauenamputation der Partnerklaue

Häufige Fragen

Wie lange bleibt ein Klauenpflege-Anguss bei der Kuh?

In der Regel vier bis acht Wochen. Der Klotz fällt durch natürlichen Abrieb oder Lösen des Klebers von selbst ab oder wird nach Kontrolle des Heilungsverlaufs durch den Klauenpfleger entfernt. Eine Nachkontrolle nach etwa vier Wochen ist empfehlenswert.

Auf welche Klaue wird der Anguss geklebt?

Immer auf die gesunde Partnerklaue, damit die erkrankte Klaue entlastet wird und in der Schwebe heilen kann. An der Hintergliedmaße ist meist die Außenklaue erkrankt, der Klotz kommt also auf die Innenklaue – an der Vordergliedmaße ist es typischerweise umgekehrt.

Kann eine Kuh mit Anguss normal laufen und liegen?

Ja, nach einer kurzen Gewöhnungsphase bewegen sich Kühe mit Anguss meist deutlich besser als zuvor, da die Schmerzursache entlastet ist. Wichtig ist eine trockene, rutschfeste Stallumgebung und ausreichend Liegekomfort, um die Heilung zu unterstützen.

Wer darf einen Klauenpflege-Anguss anbringen?

Das Setzen sollte durch ausgebildete Klauenpfleger oder Tierärzte erfolgen, da eine korrekte funktionelle Klauenpflege als Vorbereitung notwendig ist. Eine unsachgemäße Anwendung kann Fehlbelastungen und neue Klauenerkrankungen verursachen.

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