TrittwerkTierorthopädie

Gastrocnemiusruptur bei der Kuh

Eine Gastrocnemiusruptur bezeichnet den teilweisen oder vollständigen Riss des Musculus gastrocnemius (Wadenmuskel) bzw. seiner Sehne am Hinterbein der Kuh. Dieser Muskel ist entscheidend für die Streckung des Sprunggelenks und die Stabilität der Hintergliedmaße. Eine Ruptur führt zu einem charakteristischen Absinken des Sprunggelenks und einer hochgradigen Lahmheit.

Ausführlich

Der Musculus gastrocnemius zieht beim Rind vom distalen Oberschenkelknochen (Femur) über das Kniegelenk hinweg zum Fersenbeinhöcker (Tuber calcanei) und ist Teil der gemeinsamen Achillessehne. Er wirkt als kräftiger Strecker des Sprunggelenks (Tarsus) und Beuger des Kniegelenks. Bei einer Ruptur verliert die Kuh die aktive Streckfähigkeit des Tarsus, was zum typischen Bild des durchgetretenen, fast bodennahen Sprunggelenks führt.

Typische Ursachen bei der Kuh

Gastrocnemiusrupturen treten beim Rind häufiger auf als bei anderen Nutztieren. Ursachen sind vor allem:

Aufstehversuche festliegender Kühe, insbesondere nach Geburt (Festliegen, Hypokalzämie)

Ausrutschen auf glatten Stallböden mit Spreizen der Hinterbeine

Überlastung bei hochleistenden Milchkühen mit geschwächter Muskulatur

Stoffwechselbedingte Sehnen- und Muskelschwäche (Selen-/Vitamin-E-Mangel)

Rangkämpfe und unkontrollierte Bewegungen im Laufstall

Klinisches Bild

Charakteristisch ist das hochgradige Absinken des Tarsus bis fast auf den Boden bei Belastung, während die Klaue normal aufgesetzt wird („sitzende Haltung“ der Hintergliedmaße). Bei einseitiger Ruptur entlastet die Kuh das betroffene Bein, bei beidseitiger Ruptur ist ein Aufstehen oft unmöglich. Häufig ist eine Schwellung im Bereich der Kniekehle oder des proximalen Unterschenkels tastbar, teils mit Hämatom.

Orthopädische Relevanz

Die Prognose ist beim Rind vorsichtig bis ungünstig, insbesondere bei vollständiger Ruptur oder knöchernem Ausriss am Femur. Konservative Therapieansätze umfassen strikte Boxenruhe, weiche Einstreu und unterstützende Hilfsmittel. Tierorthopädische Versorgungen wie individuell angepasste Sprunggelenksorthesen können das Tarsalgelenk stabilisieren, die Achillessehnenfunktion teilweise ersetzen und so die Belastbarkeit der Gliedmaße während der Heilungsphase verbessern. Die Entscheidung über Therapie oder Schlachtung muss unter tierärztlicher Beurteilung und unter Tierschutzaspekten getroffen werden.

Mögliche Symptome

Absinken des Sprunggelenks bei Belastung

Hochgradige Stützbeinlahmheit der Hintergliedmaße

Schwellung im Bereich der Kniekehle oder des Unterschenkels

Unfähigkeit aufzustehen bei beidseitiger Ruptur

Schmerzhafte Palpation der Wadenmuskulatur

Veränderte Stellung mit durchgetretenem Tarsus

Hämatombildung am betroffenen Bein

Orthopädische Indikationen

Stabilisierende Sprunggelenksorthese zur Entlastung der rupturierten Sehne

Tarsalgelenksbandage zur Unterstützung in der Heilungsphase

Individuell angefertigte Stützorthese für festliegende Kühe

Schienenversorgung zur Ruhigstellung bei Teilrupturen

Unterstützung beim Aufstehen durch entlastende Hilfsmittel

Häufige Fragen

Bei einer Teilruptur und frühzeitiger, tierärztlich begleiteter Behandlung mit Ruhigstellung und ggf. orthopädischer Versorgung ist eine Wiederherstellung möglich. Bei vollständiger Ruptur, besonders beidseitig, ist die Prognose deutlich schlechter. Die Entscheidung über die weitere Behandlung sollte immer gemeinsam mit dem Bestandstierarzt unter Berücksichtigung des Tierwohls getroffen werden.

Eine maßgefertigte Sprunggelenksorthese stabilisiert das Tarsalgelenk, verhindert das weitere Durchtreten und entlastet die rupturierte Muskel-Sehnen-Einheit. So kann die Kuh das Bein wieder kontrollierter belasten, was die Heilung unterstützt und sekundären Schäden vorbeugt. Die Versorgung muss individuell angepasst und tierärztlich begleitet werden.

Wichtige präventive Maßnahmen sind rutschfeste Stallböden, ausreichend Liegekomfort, eine gute Klauenpflege sowie eine bedarfsgerechte Versorgung mit Mineralstoffen, insbesondere Selen und Vitamin E. Festliegende Kühe sollten zudem fachgerecht aufgerichtet und unterstützt werden, um Aufstehverletzungen zu vermeiden.

Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit eurem Tierarzt.

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