Tarsalhyperextension (Hund)

Die Tarsalhyperextension beim Hund bezeichnet eine krankhafte Überstreckung des Sprunggelenks (Tarsus), bei der der Winkel zwischen Unterschenkel und Mittelfuß deutlich zu groß wird. Ursache ist meist eine Insuffizienz oder Ruptur des plantaren Bandapparates, wodurch der Hund beim Auftreten in einer sohlengängerartigen Haltung durchtritt. Die Erkrankung führt zu einer instabilen, schmerzhaften Belastung der Hintergliedmaße.

Die Tarsalhyperextension beim Hund bezeichnet eine krankhafte Überstreckung des Sprunggelenks (Tarsus), bei der der Winkel zwischen Unterschenkel und Mittelfuß deutlich zu groß wird. Ursache ist meist eine Insuffizienz oder Ruptur des plantaren Bandapparates, wodurch der Hund beim Auftreten in einer sohlengängerartigen Haltung durchtritt. Die Erkrankung führt zu einer instabilen, schmerzhaften Belastung der Hintergliedmaße.

Das Sprunggelenk (Tarsus) des Hundes ist ein komplexes Gelenk aus mehreren Knochenreihen, die durch ein starkes plantares (unterseitiges) Bandsystem stabilisiert werden. Physiologisch steht der Hund im Zehenspitzengang, wobei der Tarsus einen Winkel von etwa 135–150° aufweist. Bei einer Tarsalhyperextension kommt es zu einer krankhaften Aufdehnung dieses Winkels – im Extremfall setzt der gesamte Mittelfuß auf dem Boden auf.

Anatomischer Hintergrund

Verantwortlich für die Stabilität sind vor allem der plantare Bandapparat, die kurzen Tarsalbänder sowie die Ansätze der tiefen Beugesehne und des Musculus gastrocnemius. Werden diese Strukturen geschädigt, verliert das Gelenk seine Stützfunktion. Betroffen sind häufig das proximale intertarsale Gelenk sowie das tarsometatarsale Gelenk.

Ursachen bei Hund

  • Traumatische Bandruptur durch Sturz, Sprung oder Verdrehung
  • Chronische, schleichende Degeneration des Bandapparates, besonders bei mittelalten bis älteren Hunden
  • Immunmediierte Erkrankungen und rassespezifische Prädispositionen (z. B. Shelties, Collies)
  • Folge einer Achillessehnenruptur oder -insuffizienz
  • Endokrine Erkrankungen wie Cushing-Syndrom, die das Bindegewebe schwächen

Orthopädische Relevanz

Eine unbehandelte Tarsalhyperextension führt zu chronischer Instabilität, Arthrose und einer dauerhaft veränderten Belastungsachse der gesamten Hintergliedmaße. Neben chirurgischen Verfahren wie der Arthrodese (Versteifung) kommen orthetische Versorgungen zum Einsatz, um das Sprunggelenk zu stabilisieren, den Winkel zu korrigieren und den Bandapparat zu entlasten. Individuell gefertigte Tarsalorthesen können sowohl konservativ als auch postoperativ eine wichtige Rolle spielen.

Eine genaue Diagnostik durch den Tierarzt – einschließlich Röntgen unter Stressaufnahme – ist Voraussetzung für die Wahl der geeigneten Therapie.

Mögliche Symptome

  • Durchtreten im Sprunggelenk beim Auftreten
  • Sohlengängerartige Fußung der Hintergliedmaße
  • Sichtbare Schwellung im Bereich des Tarsus
  • Lahmheit oder Schonhaltung
  • Instabilität und wegknickendes Sprunggelenk
  • Schmerzäußerung bei Belastung oder Manipulation
  • Muskelabbau an der betroffenen Hintergliedmaße

Orthopädische Indikationen

  • Konservative Versorgung bei partieller plantarer Bandruptur
  • Postoperative Ruhigstellung nach Arthrodese
  • Stabilisierung bei chronischer Tarsalinstabilität
  • Entlastung bei nicht operablen Patienten (z. B. hohes Alter, Grunderkrankungen)
  • Übergangsversorgung bis zur chirurgischen Intervention
  • Unterstützung bei Achillessehneninsuffizienz mit sekundärer Hyperextension

Häufige Fragen

Woran erkenne ich als Halter eine Tarsalhyperextension bei meinem Hund?

Typisch ist ein sichtbares Durchtreten im Sprunggelenk: Der Hund setzt beim Laufen oder Stehen den Mittelfuß flach auf den Boden, statt im normalen Winkel zu stehen. Häufig kommen Lahmheit, Schwellung oder eine veränderte Beinhaltung hinzu. Bei Verdacht sollte umgehend ein Tierarzt aufgesucht werden.

Kann eine Orthese eine Operation ersetzen?

In manchen Fällen ja, in anderen dient sie als Ergänzung. Ob eine konservative Versorgung mit einer Tarsalorthese ausreicht, hängt vom Ausmaß der Instabilität, dem Alter und Allgemeinzustand des Hundes sowie den betroffenen Gelenkanteilen ab. Diese Entscheidung trifft der Tierarzt oder Chirurg gemeinsam mit dem Orthopädietechniker.

Wie lange muss mein Hund eine Tarsalorthese tragen?

Die Tragedauer richtet sich nach Ursache und Therapieziel. Bei chronischer Instabilität kann eine dauerhafte Versorgung nötig sein, postoperativ meist mehrere Wochen bis Monate. Die Tragezeit sollte immer individuell mit dem behandelnden Team abgestimmt werden.

Ist die Tarsalhyperextension schmerzhaft?

Ja, insbesondere in der akuten Phase durch die Bandverletzung und später durch die entstehende Instabilität und Arthrose. Eine adäquate Schmerztherapie und Stabilisierung sind daher wichtig, um die Lebensqualität des Hundes zu erhalten.

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