Ausführlich
Die Exoprothese ist beim Hund ein individuell angefertigtes orthopädisches Hilfsmittel, das eine teilweise amputierte Gliedmaße ersetzt. Voraussetzung für eine erfolgreiche Versorgung ist ein ausreichend langer, gut verheilter Stumpf mit belastbarem Weichteilmantel. Üblicherweise muss mindestens das mittlere Drittel des betroffenen Knochens (z. B. Radius/Ulna an der Vorderhand oder Tibia an der Hinterhand) erhalten sein, damit die Prothese sicher sitzt und die Kraftübertragung funktioniert.
Aufbau einer Exoprothese beim Hund
Eine Exoprothese besteht in der Regel aus einem körpernahen Schaft, der den Stumpf umschließt, einem Verbindungselement und einem bodenseitigen Aufstandselement (Fußteil). Der Schaft wird nach Gipsabdruck oder 3D-Scan individuell modelliert, häufig aus thermoplastischen Kunststoffen oder Carbon-Verbundwerkstoffen. Polsterungen, Silikonliner und Verschlusssysteme sorgen für Tragekomfort und sicheren Halt.
Indikationen und Ziele
Eingesetzt wird die Exoprothese vor allem nach traumatischen Amputationen (z. B. Unfall, Bissverletzung), nach Tumoroperationen oder bei angeborenen Fehlbildungen, sofern eine klassische Vollamputation vermieden werden soll. Ziel ist es, die Vierbeinigkeit zu erhalten, Überlastungsschäden der gesunden Gliedmaßen und der Wirbelsäule vorzubeugen und Lebensqualität sowie Bewegungsfreude zu sichern.
Anpassung und Eingewöhnung
Die Versorgung erfolgt in enger Abstimmung zwischen Tierarzt/Chirurg, Orthopädietechnik und Physiotherapie. Nach der Anfertigung folgt eine schrittweise Eingewöhnungsphase mit ansteigenden Tragezeiten. Regelmäßige Kontrollen sind notwendig, da sich der Stumpf in den ersten Monaten verändert und der Schaft angepasst werden muss.
Vorteil gegenüber Vollamputation: Erhalt der vierbeinigen Statik
Voraussetzung: ausreichender Stumpf und kooperativer Hund
Grenzen: bei zu kurzem Stumpf oder Hautproblemen oft nicht möglich
Mögliche Symptome
Verlust einer Gliedmaße bzw. eines Gliedmaßenteils
Unsicheres oder dreibeiniges Gangbild
Überlastung der verbleibenden Gliedmaßen
Rückenfehlhaltung durch kompensatorische Belastung
Eingeschränkte Ausdauer und Bewegungsfreude
Orthopädische Indikationen
Zustand nach Teilamputation einer Vorder- oder Hintergliedmaße
Tumorbedingte Amputation mit erhaltenem Stumpf
Angeborene Gliedmaßenfehlbildungen (z. B. Ektrodaktylie, Hemimelie)
Versorgung nach traumatischem Verlust einer Pfote
Prävention von Überlastungsschäden bei dreibeinig laufenden Hunden
Häufige Fragen
In der Regel beginnt die Anpassung, sobald die Operationswunde vollständig verheilt ist und der Stumpf abgeschwollen ist: meist nach 6 bis 12 Wochen. Den genauen Zeitpunkt legt der behandelnde Tierarzt gemeinsam mit der Orthopädietechnik fest.
Nein. Voraussetzung ist ein ausreichend langer, belastbarer Stumpf, eine gesunde Haut und ein Hund, der das Tragen akzeptiert. Bei sehr kurzen Stümpfen oder Amputationen direkt am Schultergelenk bzw. Hüftgelenk ist eine Exoprothese meist nicht möglich.
Nach der Eingewöhnungsphase kann die Prothese während der aktiven Zeiten den ganzen Tag getragen werden. In Ruhephasen, beim Schlafen und beim Schwimmen wird sie meist abgenommen. Genaue Tragezeiten werden individuell festgelegt.
Eine Orthese stabilisiert oder entlastet eine vorhandene Gliedmaße, während eine Exoprothese einen fehlenden Gliedmaßenteil ersetzt. Beide werden individuell angefertigt, verfolgen aber unterschiedliche Ziele.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit eurem Tierarzt.