Ausführlich
Die angulare Gliedmaßendeformität (englisch Angular Limb Deformity , ALD) bezeichnet eine Abweichung der Beinachse in der Frontalebene. Beim Lama tritt sie überwiegend bei Crias innerhalb der ersten Lebenswochen oder -monate auf, kann aber auch erworben sein. Eine nach außen gerichtete Abweichung wird als Valgus, eine nach innen gerichtete als Varus bezeichnet. Häufige Lokalisationen sind das Karpalgelenk (Carpus valgus/varus) und das Fesselgelenk.
Anatomischer Hintergrund beim Lama
Lamas besitzen als Schwielensohlengänger eine zweizehige Gliedmaße mit Zehenpolstern statt Hufen. Die Belastungsverteilung in den Gelenken ist deshalb empfindlich gegenüber Achsabweichungen. Schon geringe Fehlstellungen verändern die Druckverteilung auf die Zehenballen, Klauen und Wachstumsfugen, was beim wachsenden Cria ein selbstverstärkendes Fehlwachstum auslösen kann.
Ursachen
Angeborene Fehllage im Uterus oder verfrühte Geburt mit unreifen Knochen
Asymmetrisches Wachstum der distalen Wachstumsfugen (z. B. Radius, Tibia)
Mineralstoff- und Vitamin-D-Ungleichgewicht in der Aufzucht
Trauma oder Überlastung einer Gliedmaße bei einseitiger Lahmheit
Sehnenlaxität oder -kontraktur, häufig in Kombination mit Achsabweichung
Orthopädische Relevanz
Unbehandelte ALD führen beim Lama zu chronischer Fehlbelastung, frühzeitiger Arthrose, Klauenfehlstellung und Gangbildstörungen. Da das Skelett der Crias schnell wächst, ist das Zeitfenster für konservative Korrekturen kurz: meist nur wenige Wochen. Eine frühzeitige tierärztliche Diagnostik mit Röntgen ist entscheidend, um zwischen Achs- und Sehnenproblem zu unterscheiden.
Behandlungsansätze
Je nach Schweregrad kommen kontrollierte Bewegung, Schienen, individuell gefertigte Orthesen oder chirurgische Verfahren (z. B. Wachstumsfugenmanipulation) in Betracht. Maßangefertigte Orthesen können beim Cria die Gliedmaße stabilisieren und die Achse während des Wachstums führen, ohne die natürliche Belastung vollständig auszuschalten.
Mögliche Symptome
Sichtbare Achsabweichung der Gliedmaße nach innen oder außen
Asymmetrisches Gangbild oder Lahmheit
Ungleichmäßiger Abrieb der Zehenballen oder Klauen
Knickbildung im Karpal- oder Fesselgelenk
Verminderte Belastung der betroffenen Gliedmaße
Sekundäre Sehnen- oder Bänderschwäche
Orthopädische Indikationen
Stabilisierende Orthese zur Achskorrektur bei Crias
Schienenversorgung bei kombinierter Sehnenlaxität
Postoperative Stützversorgung nach Wachstumsfugen-OP
Entlastungsorthese bei sekundärer Gelenkfehlbelastung
Korrekturhilfen bei milden bis moderaten Valgus-/Varus-Stellungen
Häufige Fragen
So früh wie möglich. Da die Wachstumsfugen bei Crias nur ein kurzes Zeitfenster für eine konservative Korrektur bieten, sollte bereits beim ersten Verdacht in den ersten Lebenswochen ein Tierarzt hinzugezogen werden. Je früher die Diagnose, desto besser die Prognose.
Bei leichten bis mittelgradigen Fehlstellungen kann eine individuell angepasste Orthese ausreichen, um die Achse während des Wachstums zu führen. Bei ausgeprägten Deformitäten oder bereits abgeschlossenem Wachstum der betroffenen Fuge ist häufig ein chirurgischer Eingriff nötig. Die Entscheidung trifft der Tierarzt anhand von Röntgenbildern.
Achten Sie auf ein asymmetrisches Gangbild, ein Abknicken im Karpal- oder Fesselgelenk und ungleichmäßigen Abrieb der Zehenballen. Auch wenn das Cria eine Gliedmaße auffällig schont oder beim Stehen schief belastet, sollte tierärztlich abgeklärt werden.
Eine ausgewogene Versorgung mit Kalzium, Phosphor und Vitamin D in der Trag- und Säugezeit ist wichtig für eine gesunde Skelettentwicklung. Ein Ungleichgewicht kann das Risiko für Wachstumsstörungen und damit auch für angulare Deformitäten erhöhen.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit eurem Tierarzt.