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Dermatitis digitalis beim Stier

Dermatitis digitalis (auch Mortellaro'sche Krankheit genannt) ist eine ansteckende, schmerzhafte Hauterkrankung im Bereich der Klauen bei Rindern, einschließlich Stieren. Sie wird vornehmlich durch Treponemen-Bakterien verursacht und führt zu charakteristischen, oft erdbeerartigen Läsionen im Zwischenklauenspalt oder am Ballen.

Ausführlich

Die Dermatitis digitalis ist eine der weltweit häufigsten Klauenerkrankungen beim Rind und betrifft auch Stiere, insbesondere in intensiver Haltung. Bei Stieren spielt die Erkrankung eine besondere Rolle, da sie aufgrund ihres hohen Körpergewichts und der starken Belastung der Gliedmaßen empfindlich auf jede Beeinträchtigung der Klauen reagieren. Zuchtbullen können durch die schmerzbedingte Lahmheit zudem ihre Sprungfähigkeit verlieren, was zu erheblichen wirtschaftlichen Einbußen führt.

Anatomischer und medizinischer Hintergrund

Betroffen ist vor allem die Haut im Bereich des Ballens, der Zwischenklauenspalte und seltener am Kronsaum. Hauptverursacher sind spirochätenartige Bakterien der Gattung Treponema, die in feuchtem, mit Kot und Harn kontaminiertem Milieu ideale Bedingungen vorfinden. Die Erkrankung verläuft in mehreren Stadien (M0. M4), von der intakten Haut über akute, rötlich-erdbeerartige Läsionen bis hin zu chronischen, proliferativen Veränderungen mit Hornwucherungen.

Ursachen und Risikofaktoren beim Stier

Feuchte, unhygienische Laufflächen und Liegeboxen

Hohe Tierdichte und mangelnde Klauenpflege

Hohes Körpergewicht des Stiers mit entsprechender Druckbelastung der Klauen

Zukauf infizierter Tiere ohne Quarantäne

Geschwächtes Immunsystem, Stress, Mineralstoffmangel

Orthopädische Relevanz

Die schmerzbedingte Schonhaltung führt zu Fehlbelastungen, die sekundär weitere Klauenprobleme wie Sohlengeschwüre, Klauenrehe oder Gelenkentzündungen begünstigen können. Bei chronischen Verläufen können tierorthopädische Hilfsmittel wie Klauenklötze auf der gesunden Partnerklaue zur Entlastung der erkrankten Klaue beitragen. Auch stützende Bandagen oder spezielle Verbände unterstützen den Heilungsprozess. Die Behandlung gehört in tierärztliche Hand und umfasst meist eine Kombination aus Reinigung, lokaler Therapie und konsequentem Hygienemanagement.

Mögliche Symptome

Lahmheit, oft an einer Hintergliedmaße

Schmerzhafte, gerötete Läsionen im Zwischenklauenspalt oder am Ballen

Erdbeerartiges, nässendes Hautareal

Hornwucherungen bei chronischem Verlauf

Verminderte Belastung der betroffenen Klaue

Beeinträchtigte Sprungfähigkeit bei Zuchtbullen

Unruhe und vermindertes Liegeverhalten

Orthopädische Indikationen

Klauenklotz zur Entlastung der erkrankten Klaue

Stützverband zur Wundabdeckung und Druckverteilung

Klauenbandage zur Unterstützung nach Klauenpflege

Orthopädische Hilfsmittel bei sekundären Fehlbelastungen

Entlastungshilfen bei chronisch-proliferativen Stadien

Häufige Fragen

Stiere sind nicht grundsätzlich anfälliger, jedoch wirkt sich die Erkrankung aufgrund des höheren Körpergewichts und der starken Belastung der Klauen oft gravierender aus. Zuchtbullen verlieren bei schmerzhaften Läsionen zudem schnell ihre Decktauglichkeit.

Ja. Klauenklötze auf der gesunden Partnerklaue entlasten die erkrankte Klaue spürbar, und passgenaue Bandagen schützen die Wunde vor weiterer Verunreinigung. Die Auswahl sollte immer in Absprache mit Tierarzt und Klauenpfleger erfolgen.

Wichtig sind trockene, saubere Lauf- und Liegeflächen, regelmäßige Klauenpflege, der Einsatz von Klauenbädern sowie eine konsequente Quarantäne neu zugekaufter Tiere. Auch ausgewogene Mineralstoffversorgung stärkt die Hautbarriere.

Ja, Dermatitis digitalis ist hochansteckend und wird vor allem über kontaminierte Stallumgebung und direkten Kontakt verbreitet. Erkrankte Stiere sollten daher zügig behandelt und gegebenenfalls separiert werden.

Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit deinem Tierarzt.

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