Ausführlich
Bei der Kuh tragen die Klauen das gesamte Körpergewicht auf einer vergleichsweise kleinen Auftrittsfläche. Die paarigen Klauen (Innen- und Außenklaue) der Hinter- und Vordergliedmaßen sind dabei unterschiedlich stark belastet: An der Hinterhand übernimmt meist die Außenklaue, an der Vorhand die Innenklaue den größeren Lastanteil. Eine sogenannte Klauenrolle wird gezielt eingearbeitet, um den physiologischen Abrollvorgang zu unterstützen und Druckspitzen auf erkrankte Klauenbereiche zu reduzieren.
Anatomischer und biomechanischer Hintergrund
Die Klaue der Kuh besteht aus Klauenhorn, das die inneren Strukturen wie Klauenbein, Lederhaut, tiefe Beugesehne und Klauenrollkissen umschließt. Während des Schritts rollt die Klaue von der Trachte (Ballen) über die Sohle bis zur Klauenspitze ab. Ist dieser Bewegungsablauf gestört: etwa durch zu lange Klauenspitzen, falschen Tragrand oder schmerzhafte Sohlenläsionen: kommt es zu Fehlbelastungen, Lahmheit und sekundären Schäden an Gelenken und Sehnen.
Funktion der Klauenrolle
Bei der funktionellen Klauenpflege nach dem Fünf-Punkte- bzw. Dutch-Method-Schema wird die Klaue so beschnitten, dass eine harmonische Rollbewegung möglich ist. Die Klauenrolle bewirkt:
Erleichterung des Abrollvorgangs in der Schrittphase
Entlastung schmerzhafter Sohlenareale (z. B. bei Rusterholzschem Sohlengeschwür)
Verlagerung der Hauptbelastung auf gesunde Klauenbereiche
Reduktion von Hebelkräften auf das Klauenbein
Orthopädische Relevanz
Die Klauenrolle ist nicht nur Bestandteil der Routinepflege, sondern auch eine therapeutische Maßnahme bei Klauenerkrankungen. In Kombination mit orthopädischen Klauenklötzen (Kunststoff- oder Holzklötze, die auf die gesunde Partnerklaue geklebt werden) lässt sich die erkrankte Klaue vollständig entlasten. Trittwerk unterstützt bei der Versorgung von Rindern mit weiterführenden orthopädischen Hilfsmitteln, etwa wenn nach Klauenamputationen oder bei chronischen Lahmheiten eine zusätzliche Stabilisierung der Gliedmaße erforderlich wird.
Abgrenzung
Die Klauenrolle als Pflegemaßnahme ist nicht zu verwechseln mit dem anatomischen Klauenrollkissen (Pulvinus digitalis), einem fett- und bindegewebsreichen Polster im Inneren der Klaue, das ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Stoßdämpfung spielt.
Mögliche Symptome
Lahmheit oder unsicherer Gang
Verkürzte Schrittlänge
Schonhaltung einzelner Klauen
Sichtbar überlange oder fehlgeformte Klauen
Druckschmerz beim Untersuchen der Klaue
Reduzierte Futteraufnahme und Milchleistung durch Schmerz
Orthopädische Indikationen
Routinemäßige funktionelle Klauenpflege
Rusterholzsches Sohlengeschwür
Klauenrehe (Laminitis)
Sohlenblutungen und Sohlendefekte
Entlastung nach Klauenoperationen
Chronische Lahmheiten durch Fehlstellungen
Vorbereitung für die Versorgung mit Klauenklotz oder Orthese
Häufige Fragen
In der Regel wird die funktionelle Klauenpflege zweimal jährlich empfohlen, bei Hochleistungskühen oder Tieren mit Klauenproblemen häufiger. Der genaue Rhythmus sollte mit dem Klauenpfleger und dem Tierarzt individuell festgelegt werden.
Eine fachgerecht durchgeführte Klauenpflege ist nicht schmerzhaft, da nur überschüssiges Horn entfernt wird. Bei bereits erkrankten Klauen kann die Bearbeitung durch geschulte Klauenpfleger oder Tierärzte sogar deutliche Erleichterung bringen.
Bei tiefen Sohlengeschwüren, Frakturen oder nach Klauenamputationen ist meist ein zusätzlicher Klauenklotz auf der gesunden Partnerklaue oder eine individuelle orthopädische Versorgung erforderlich. In solchen Fällen sollte der Tierarzt hinzugezogen werden.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit eurem Tierarzt.