Ausführlich
Die Klaue der Kuh besteht aus Innen- und Außenklaue, die jeweils aus Klauenhorn, Lederhaut und Klauenbein aufgebaut sind. Beim gesunden Tier verteilt sich die Last gleichmäßig zwischen Trachten (Ballenbereich), Sohle und Wand. Wird diese Balance durch Überlastung, falsche Hornlängen oder Erkrankungen gestört, entstehen Druckspitzen, die typische Klauenleiden wie Sohlengeschwüre oder Rusterholzsche Klauensohlengeschwüre begünstigen. Klauenrollen wirkt diesem Ungleichgewicht entgegen.
Was bedeutet Klauenrollen konkret?
Beim Klauenrollen wird die Tragfläche der Klaue durch gezieltes Abtragen von Horn so geformt, dass sie in der Sagittalebene leicht konvex verläuft. Dadurch entsteht ein „Wiegeeffekt“, der das Abrollen während der Bewegung erleichtert. Die Belastung wird in den vorderen, stabilen Wandbereich verlagert, während die empfindliche Sohle und der Ballen entlastet werden.
Anatomischer Hintergrund
Innen- und Außenklaue tragen unterschiedlich stark: an der Hintergliedmaße ist die Außenklaue meist überlastet.
Das Klauenbein liegt im typischen Druckpunkt der Sohle und reagiert empfindlich auf Quetschungen.
Eine korrekte Rollung verkürzt den Hebelarm und reduziert Zugkräfte auf die tiefe Beugesehne.
Orthopädische Relevanz
Klauenrollen ist Bestandteil der funktionellen Klauenpflege nach dem holländischen 5-Punkte-Schnitt (Toussaint Raven). Es wird sowohl prophylaktisch im Rahmen der Bestandsbetreuung als auch therapeutisch bei akuten Klauenerkrankungen eingesetzt. Bei stark erkrankten Klauen kann zusätzlich ein Klauenklotz (orthopädischer Holz- oder Kunststoffklotz) auf die gesunde Partnerklaue geklebt werden, um die kranke Klaue vollständig zu entlasten.
Abgrenzung zur Korrektur
Klauenrollen ist nicht mit dem reinen Kürzen der Klauenlänge zu verwechseln. Während die Korrektur die Geometrie und Länge wiederherstellt, sorgt das Rollen für die dynamische Abrollbewegung. Beides gehört in die Hand erfahrener Klauenpfleger und Tierärzte.
Mögliche Symptome
Lahmheit an einer oder mehreren Gliedmaßen
Verkürzte Schrittlänge
Entlastungshaltung einzelner Klauen
Sichtbare Überlastung der Außenklaue an der Hintergliedmaße
Wiederkehrende Sohlengeschwüre
Vermehrtes Liegen, reduzierte Futteraufnahme
Orthopädische Indikationen
Routinemäßige funktionelle Klauenpflege
Prophylaxe von Sohlengeschwüren und Klauenrehe
Entlastung nach Klauenerkrankungen
Begleitend zur Versorgung mit orthopädischem Klauenklotz
Korrektur von Fehlstellungen der Klaue
Unterstützung bei chronischen Lahmheiten im Bestand
Häufige Fragen
In der Regel werden Milchkühe zwei- bis dreimal jährlich funktionell gepflegt, wobei das Klauenrollen Teil dieser Pflege ist. Bei Problembeständen oder einzelnen Tieren kann eine häufigere Kontrolle nötig sein. Die genaue Frequenz sollte mit dem betreuenden Tierarzt oder professionellen Klauenpfleger abgestimmt werden.
Korrekt ausgeführtes Klauenrollen ist für die Kuh nicht schmerzhaft, da nur überschüssiges, gefühlloses Klauenhorn abgetragen wird. Im Gegenteil führt es bei vielen Tieren zu einer spürbaren Entlastung. Wird jedoch zu tief geschnitten oder die Lederhaut verletzt, kann es zu Schmerzen und Lahmheit kommen: deshalb gehört die Maßnahme in fachkundige Hände.
Bei akuten Klauenerkrankungen wie Sohlengeschwüren oder Klauenrehe reicht das Rollen allein meist nicht aus. In solchen Fällen wird zusätzlich ein orthopädischer Klauenklotz auf die gesunde Partnerklaue geklebt, um die kranke Klaue vollständig zu entlasten. Die weitere Behandlung sollte immer in Absprache mit dem Tierarzt erfolgen.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit eurem Tierarzt.