Ausführlich
Die Doppelsohlenbildung, auch als Solenbildung oder doppelte Sohle bezeichnet, ist eine häufige und schmerzhafte Klauenerkrankung bei Milch- und Mastkühen. Dabei kommt es zur Ablösung der ursprünglichen Hornsohle vom darunterliegenden Sohlenlederhautgewebe, während gleichzeitig eine neue, meist minderwertige Hornschicht zwischen beiden Strukturen entsteht. Das Resultat ist eine mehrschichtige, instabile Sohlenstruktur, die ihre Schutz- und Stützfunktion nicht mehr ausreichend erfüllen kann.
Anatomisch betrachtet besteht die gesunde Rinderklaue aus einer festen Verbindung zwischen der äußeren Hornkapsel und der innen liegenden, stark durchbluteten Lederhaut (Corium). Bei der Doppelsohlenbildung wird diese Verbindung durch entzündliche Prozesse gestört. Die Hauptursachen sind chronische Klauenrehe (Pododermatitis aseptica diffusa), Stoffwechselstörungen wie subklinische Azidose, Durchblutungsstörungen sowie mechanische Überlastungen durch harte Laufflächen oder Bewegungsmangel. Auch Fütterungsfehler mit zu hohen Kraftfutteranteilen spielen eine bedeutende Rolle, da sie zu pH-Wert-Schwankungen im Pansen und systemischen Entzündungsreaktionen führen können.
Entstehung und Verlauf
Der Prozess beginnt meist schleichend: Durch die chronische Entzündung wird die Hornbildung der Lederhaut gestört, sodass minderwertiges, brüchiges Horn produziert wird. Gleichzeitig kommt es zu Einblutungen und serösem Exsudat zwischen den Hornschichten, was die Ablösung begünstigt. Im fortgeschrittenen Stadium können sich Hohlräume bilden, in denen sich Schmutz und Bakterien ansiedeln, was zu sekundären Infektionen und Abszessen führen kann. Die betroffenen Kühe zeigen einen unsicheren, vorsichtigen Gang und verlagern das Gewicht vermehrt auf die gesunden Klauen.
Diagnostik und orthopädische Relevanz
Die Diagnose erfolgt durch sorgfältige Klauenpflege und funktionelle Klauenschnitt. Dabei wird die aufgelockerte, doppelte Hornschicht sichtbar, oft mit verfärbten Bereichen (gelblich, rötlich durch Einblutungen) zwischen den Schichten. Eine frühzeitige Erkennung ist entscheidend, da die Erkrankung ohne Behandlung zu dauerhaften Schäden der Lederhaut und chronischen Lahmheiten führt. In der Tierorthopädie können spezielle Klauenverbände und -bandagen zur Entlastung der betroffenen Klaue eingesetzt werden, um die Heilung zu unterstützen und Sekundärschäden zu vermeiden.
Behandlung und Prophylaxe
Die Therapie umfasst die fachgerechte Klauenpflege mit Entfernung der gelösten Hornschichten, Entlastung der erkrankten Klaue durch orthopädischen Beschlag (Klauenklötze an der gesunden Partnerklaue) und gegebenenfalls lokale oder systemische Behandlung von Entzündungen. Unterstützende Maßnahmen wie weiche, trockene Laufflächen und optimierte Fütterung sind essentiell. Präventiv sind regelmäßige professionelle Klauenpflege (mindestens zweimal jährlich), ausgewogene Rationsgestaltung, Vermeidung von Azidose sowie Bewegungsförderung und gute Stallhygiene von zentraler Bedeutung.
Mögliche Symptome
Lahmheit
Vorsichtiger, unsicherer Gang
Entlastung der betroffenen Gliedmaße
Gewichtsverlagerung auf gesunde Klauen
Verminderte Futteraufnahme
Leistungsrückgang
Sichtbare Ablösung der Hornsohle
Verfärbungen im Sohlenhorn (gelblich, rötlich)
Aufgewölbte oder hohle Sohlenbereiche
Schmerzhaftigkeit bei Druck auf die Sohle
Orthopädische Indikationen
Entlastungsverband nach Klauenbehandlung
Klauenbandage zur Stabilisierung
Therapeutischer Klauenschuh
Polsterverbände bei schmerzhaften Sohlenläsionen
Orthopädische Klauenblöcke zur Entlastung
Schutzverbände bei freiliegender Lederhaut
Häufige Fragen
Wie entsteht eine Doppelsohlenbildung bei Kühen?
Die Doppelsohlenbildung entsteht durch chronische Entzündungen der Klauenlederhaut, meist ausgelöst durch Klauenrehe, Stoffwechselstörungen oder mechanische Überlastung. Dabei löst sich die alte Hornsohle vom Lederhautgewebe ab, während gleichzeitig minderwertiges neues Horn gebildet wird, sodass mehrere instabile Hornschichten entstehen.
Kann eine Kuh mit Doppelsohlenbildung wieder vollständig gesund werden?
Bei frühzeitiger Erkennung und konsequenter Behandlung ist eine vollständige Heilung möglich. Die Lederhaut muss jedoch ausreichend Zeit haben, wieder qualitativ hochwertiges Horn zu bilden – dieser Prozess dauert mehrere Monate. Chronische Fälle mit Lederhautschäden können zu dauerhaften Veränderungen führen, die regelmäßige orthopädische Versorgung erfordern.
Wie kann ich als Landwirt einer Doppelsohlenbildung vorbeugen?
Präventiv wirken regelmäßige professionelle Klauenpflege (mindestens zweimal jährlich), eine ausgewogene, pansen-gesunde Fütterung ohne abrupte Kraftfuttergaben, ausreichend Bewegung, weiche und trockene Laufflächen sowie gute Stallhygiene. Besonders wichtig ist die Vermeidung von Pansenazidose durch angepasste Rationen und strukturreiches Grundfutter.
Wann sollte bei Doppelsohlenbildung eine orthopädische Versorgung eingesetzt werden?
Orthopädische Hilfsmittel wie Klauenverbände, therapeutische Schuhe oder Entlastungsklötze sind indiziert, wenn die erkrankte Klaue nach der Behandlung geschützt und entlastet werden muss, um die Heilung zu fördern. Ihr Tierarzt oder Klauenpfleger entscheidet anhand des Schweregrades der Erkrankung über Art und Dauer der orthopädischen Versorgung.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit deinem Tierarzt.