Ausführlich
Die Gleichbeine sind zwei kleine, pyramidenförmige Knochen, die auf der Beugeseite des Fesselgelenks zwischen Röhrbein und Fesselbein eingebettet sind. Sie dienen als Umlenkpunkt für die tiefe und oberflächliche Beugesehne und sind in den komplexen Fesselträgerapparat eingebunden. Beim Esel sind sie anatomisch etwas kompakter und kräftiger gebaut als beim Pferd, was zu einer geringeren Bruchanfälligkeit beiträgt.
Ursachen beim Esel
Esel werden in der Regel weniger sportlich genutzt als Pferde, daher sind Ermüdungsbrüche durch Renn- oder Springbelastung selten. Häufiger entstehen Gleichbeinfrakturen beim Esel durch:
Direkte Traumata (Tritt durch Artgenossen, Sturz, Verfangen in Zäunen)
Chronische Überlastung bei adipösen Eseln mit eingeschränkter Belastbarkeit der Gliedmaßen
Sekundärschäden im Rahmen einer Hufrehe, bei der die Statik der Gliedmaße verändert ist
Schwächung der Knochenstruktur durch metabolische Erkrankungen (z. B. PPID, Equines Metabolisches Syndrom)
Symptomatik und Diagnostik
Esel zeigen Schmerzen typischerweise weniger deutlich als Pferde. Eine plötzliche, hochgradige Lahmheit, geschwollenes Fesselgelenk und Wärme im Bereich der Beugeseite sind Warnsignale. Die Diagnose erfolgt durch den Tierarzt mittels klinischer Untersuchung, Röntgen und ggf. Ultraschall der angrenzenden Sehnenstrukturen.
Orthopädische Relevanz
Je nach Frakturtyp (apikal, basilar, mittig, Trümmerfraktur) und Beteiligung des Fesselträgers ist die Prognose unterschiedlich. Während kleine apikale Fragmente arthroskopisch entfernt werden können, erfordern größere Frakturen eine konsequente Ruhigstellung und Entlastung. Hier kommen orthopädische Hilfsmittel wie maßgefertigte Fesselorthesen oder stützende Bandagensysteme zum Einsatz, um das Fesselgelenk zu stabilisieren und die Gegenseite vor Überlastung (Hufrehe-Risiko!) zu schützen.
Besonderheiten beim Esel
Esel reagieren empfindlich auf einseitige Belastung: das Risiko einer kontralateralen Hufrehe oder Hufkapselverformung ist hoch. Eine frühzeitige Versorgung mit individuell angepassten orthopädischen Hilfsmitteln entlastet die gesunde Gliedmaße und unterstützt den Heilungsverlauf der frakturierten Seite.
Mögliche Symptome
Plötzliche, oft hochgradige Lahmheit
Schwellung im Fesselgelenksbereich
Wärme an der Beugeseite des Fesselgelenks
Schmerzhaftigkeit bei Palpation der Gleichbeine
Schonhaltung mit entlasteter Gliedmaße
Vermehrtes Liegen, Apathie
Reduzierte Futteraufnahme als unspezifisches Schmerzzeichen
Orthopädische Indikationen
Stabilisierung des Fesselgelenks nach Gleichbeinfraktur
Entlastung des Fesselträgerapparats während der Heilungsphase
Schutzbandage zur Vermeidung von Überlastung der kontralateralen Gliedmaße
Postoperative Versorgung nach arthroskopischer Fragmententfernung
Langzeitstabilisierung bei chronischer Fesselträgerinsuffizienz nach Fraktur
Häufige Fragen
Sie ist beim Esel deutlich seltener als beim Pferd, da Esel meist weniger sportlich belastet werden. Tritt sie auf, ist meist ein Trauma oder eine chronische Fehlbelastung: etwa bei Hufrehe oder Adipositas: die Ursache.
Die Prognose hängt von Frakturtyp, Lokalisation und Beteiligung des Fesselträgers ab. Kleinere Fragmente haben oft eine gute Prognose, große Trümmerfrakturen sind problematisch. Der behandelnde Tierarzt kann nach Röntgen und Ultraschall eine individuelle Einschätzung geben.
Esel verlagern bei Lahmheit das Gewicht stark auf die gesunde Seite. Das erhöht das Risiko einer Belastungsrehe oder Sehnenüberlastung der Gegenseite erheblich. Maßangefertigte orthopädische Hilfsmittel können hier präventiv eingesetzt werden.
Eine maßgefertigte Fesselorthese stabilisiert das Gelenk, entlastet die Beugesehnen und den Fesselträger und ermöglicht eine kontrollierte Belastung. Sie wird in enger Abstimmung mit Tierarzt und Orthopädietechniker an Anatomie und Heilungsfortschritt des Esels angepasst.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit deinem Tierarzt.