Ausführlich
Die Griffelbeine (englisch splint bones ) sind beim Pferd evolutionäre Überreste der ursprünglich mehrzehigen Vorfahren. Sie liegen als zwei dünne Knochen (Os metacarpale II medial und IV lateral an der Vordergliedmaße, an der Hintergliedmaße entsprechend Os metatarsale II und IV) seitlich am Röhrbein an und sind über ein bindegewebiges Band (Ligamentum interosseum) mit diesem verbunden. Bei jungen Pferden ist diese Verbindung noch beweglich, bei älteren Pferden verknöchert sie zunehmend.
Ursachen einer Splintbone-Fraktur
Splintbone-Frakturen entstehen häufig durch äußere Gewalteinwirkung wie Tritte von Artgenossen, Schläge gegen Hindernisse oder Stürze. Auch Überlastungen, insbesondere bei Sportpferden mit hoher Belastung des Fesselträgers, können zu Stressfrakturen führen, da der Fesselträger zwischen den Griffelbeinen verläuft und bei seiner Beanspruchung Zug auf die Knochen ausübt. Häufig betroffen ist das distale Drittel des Griffelbeins.
Klinische Bedeutung
Man unterscheidet einfache, geschlossene Frakturen von komplizierten, offenen oder mehrfragmentären Brüchen. Frakturen im distalen Bereich heilen oft konservativ aus, während Brüche im mittleren oder proximalen Bereich häufig chirurgisch versorgt werden müssen, insbesondere wenn das Pferd weiter sportlich genutzt werden soll. Begleitend können der Fesselträger und das umgebende Weichteilgewebe verletzt sein.
Orthopädische Relevanz
Im Rahmen der Heilung ist eine kontrollierte Ruhigstellung und Entlastung der betroffenen Gliedmaße entscheidend. Hier kommen tierorthopädische Hilfsmittel wie stabilisierende Bandagen, Stützorthesen oder spezielle Manschetten zum Einsatz, um die Gliedmaße zu schützen und die Heilung zu unterstützen. Bei Trittwerk werden solche Hilfsmittel individuell nach Maß gefertigt, um eine optimale Passform und Funktion zu gewährleisten.
Distale Frakturen: häufig konservativ behandelbar
Proximale Frakturen: oft operative Versorgung notwendig
Begleitverletzungen des Fesselträgers möglich
Nachsorge mit orthopädischen Hilfsmitteln sinnvoll
Mögliche Symptome
Lahmheit unterschiedlichen Grades
Lokale Schwellung seitlich am Röhrbein
Druck- und Berührungsempfindlichkeit
Wärme im Frakturbereich
Tastbare Stufe oder Krepitation
Offene Wunde bei komplizierten Frakturen
Belastungsunlust
Orthopädische Indikationen
Stabilisierung der Gliedmaße während der Heilungsphase
Entlastung des Fesselträgers nach Fraktur
Schutz vor erneutem Trauma
Postoperative Versorgung nach chirurgischer Frakturversorgung
Unterstützung bei kontrollierter Bewegungstherapie
Häufige Fragen
Die Diagnose erfolgt durch den Tierarzt mittels klinischer Untersuchung, Abtasten der Gliedmaße und vor allem durch Röntgenaufnahmen. Bei Verdacht auf Begleitverletzungen des Fesselträgers kann zusätzlich eine Ultraschalluntersuchung sinnvoll sein.
In vielen Fällen ja. Die Prognose hängt von Lokalisation und Art der Fraktur sowie von Begleitverletzungen ab. Distale, einfache Frakturen heilen meist gut aus, sodass das Pferd nach entsprechender Rekonvaleszenz wieder sportlich genutzt werden kann. Die Behandlungsplanung übernimmt der Tierarzt.
Maßgefertigte Bandagen oder Stützorthesen können während der Heilungsphase die Gliedmaße stabilisieren, vor erneutem Trauma schützen und benachbarte Strukturen wie den Fesselträger entlasten. Der Einsatz sollte immer in Abstimmung mit dem behandelnden Tierarzt erfolgen.
Die knöcherne Heilung dauert in der Regel mehrere Monate, häufig zwischen drei und sechs Monaten. Die genaue Dauer hängt von der Frakturart, der Behandlungsmethode und individuellen Faktoren des Pferdes ab.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit eurem Tierarzt.