Glossar S Schale (Pferd)

Schale (Pferd)

Die Schale ist eine knöcherne Zubildung am Fesselkopf oder den Kronbeinknöcheln des Pferdes, die durch chronische Entzündungsprozesse entsteht. Sie zeigt sich als tastbare, harte Umfangsvermehrung und gehört zu den häufigsten degenerativen Gelenkerkrankungen beim Pferd. Je nach Lokalisation unterscheidet man zwischen Krongelenksschale (hohe Schale) und Hufgelenksschale (niedrige Schale).

Die Schale (auch Exostose genannt) ist eine pathologische Knochenzubildung, die beim Pferd vorwiegend im Bereich des Fesselgelenks, Krongelenks oder Hufgelenks auftritt. Sie entsteht als Reaktion auf chronische Reizungen der Knochenhaut (Periost) oder des Gelenkknorpels und stellt einen Versuch des Körpers dar, durch Knochenneubildung eine Stabilisierung zu erreichen. Die Schale ist typischerweise an der Vorderseite oder den Seitenflächen des betroffenen Gelenks lokalisiert.

Anatomischer Hintergrund und betroffene Strukturen

Die Entstehung einer Schale betrifft primär die Knochenstrukturen der distalen Gliedmaße: Fesselbein, Kronbein und Hufbein sowie deren Gelenkverbindungen. Bei chronischer Belastung oder nach traumatischen Einwirkungen kommt es zu Entzündungsreaktionen der Knochenhaut, die mit vermehrter Knochenproduktion reagiert. Die knöchernen Zubildungen können von wenigen Millimetern bis zu mehreren Zentimetern groß werden und sind röntgenologisch deutlich darstellbar. Man unterscheidet die hohe Schale (Krongelenksschale) im Bereich zwischen Fesselbein und Kronbein von der niedrigen Schale (Hufgelenksschale) zwischen Kronbein und Hufbein.

Ursachen und Entstehung

Die Schalenbildung kann verschiedene Ursachen haben: Fehlstellungen der Gliedmaße (besonders zehenenge oder zehenweit), unphysiologische Belastungen durch falsche Hufbearbeitung, traumatische Einwirkungen wie Anschlagen oder Tritte, sowie degenerative Gelenkerkrankungen. Junge Pferde in der Ausbildung mit noch nicht vollständig ausgereiftem Bewegungsapparat sind ebenso gefährdet wie ältere Pferde mit verschleißbedingten Veränderungen. Harte Böden, intensive Belastung auf ungeeigneten Untergründen und genetische Dispositionen können die Entstehung begünstigen.

Orthopädische Relevanz und Behandlungsansätze

Die klinische Bedeutung der Schale hängt stark von ihrer Lokalisation und dem Stadium ab. Frische, noch nicht vollständig ausgebildete Schalen gehen oft mit deutlicher Lahmheit und schmerzhafter Schwellung einher. Vollständig ausgehärtete Schalen können hingegen symptomlos bleiben, wenn sie nicht direkt in das Gelenk hineinragen. Die Behandlung umfasst in der akuten Phase Ruhigstellung, entzündungshemmende Medikation und physiotherapeutische Maßnahmen. Langfristig sind korrekte Hufbearbeitung zur Optimierung der Belastungsverhältnisse, angepasstes Training und beschlagsorthopädische Maßnahmen entscheidend. Spezielle Beschläge mit erhöhten Trachten oder Polsterungen können die Belastung auf das betroffene Gelenk reduzieren.

Unterstützende Maßnahmen

Orthopädische Hilfsmittel wie stabilisierende Bandagen können in der Rehabilitationsphase die betroffenen Strukturen entlasten und vor erneuten Traumata schützen. Eine optimierte Bodenhaltung mit weichen, federnden Böden reduziert die Stoßbelastung. Die Prognose ist variabel: Während manche Pferde nach vollständiger Aushärtung der Schale wieder voll belastbar sind, bleiben andere dauerhaft in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt. Eine tierärztliche Begleitung ist unerlässlich, um den Heilungsverlauf zu überwachen und die Therapie anzupassen.

Mögliche Symptome

  • Lahmheit (besonders in der Akutphase)
  • Tastbare, harte Umfangsvermehrung am Gelenk
  • Schmerzreaktion bei Druck auf die betroffene Stelle
  • Bewegungsunlust
  • Vermehrte Wärmeentwicklung im betroffenen Bereich (akut)
  • Steifheit nach Ruhephasen
  • Verkürzte Vorführphase des betroffenen Beins

Orthopädische Indikationen

  • Stabilisierende Bandagen zur Gelenkentlastung in der Rehabilitationsphase
  • Stützbandagen zur Prophylaxe bei Pferden mit Prädisposition
  • Spezielle Hufschuhe mit dämpfenden Eigenschaften
  • Gamaschen zum Schutz vor Anschlagen bei gefährdeten Pferden

Häufige Fragen

Kann ein Pferd mit Schale noch geritten werden?

Das hängt vom Stadium und der Lokalisation der Schale ab. Nach vollständiger Aushärtung und bei Schmerzfreiheit können viele Pferde wieder normal gearbeitet werden. In der akuten Entzündungsphase ist jedoch absolute Schonung erforderlich. Die Entscheidung über die weitere Nutzung muss immer der Tierarzt nach klinischer und röntgenologischer Untersuchung treffen.

Wie lange dauert die Heilung einer Schale beim Pferd?

Die Aushärtung einer Schale kann mehrere Monate bis zu einem Jahr dauern. Die akute Entzündungsphase mit Lahmheit dauert meist 4-8 Wochen. Danach folgt die Phase der Knochenneubildung und -umformung. Eine vollständige Belastbarkeit ist oft erst nach 6-12 Monaten gegeben, wobei die individuelle Heilungsdauer stark variieren kann.

Kann man der Entstehung von Schalen vorbeugen?

Präventiv wirken eine korrekte, regelmäßige Hufbearbeitung, physiologische Belastung entsprechend dem Ausbildungsstand, weiche Böden in Box und Auslauf sowie die Vermeidung von Überlastung junger Pferde. Bei bekannten Fehlstellungen können orthopädische Beschläge helfen. Pferde sollten zudem vor Anschlagen geschützt werden, etwa durch Gamaschen beim Training.

🐾 TrittiKostenlose Beratung starten
🐾
Tritti · Beratungsassistent
● Online · antwortet sofort

📷 Optional: Foto eures Tieres?

📷 Foto hochladen (optional)
Cookie-Einstellungen