Ausführlich
Die Karpus-valgus-Deformität beschreibt eine seitliche Abweichung der Gliedmaßenachse auf Höhe des Karpus (umgangssprachlich „Vorderknie“ des Lamas). Statt einer geraden Achse von Schulter über Karpus bis zur Zehe knickt das Bein unterhalb des Karpalgelenks nach außen (lateral) ab. Dadurch entsteht beim stehenden Lama ein X-förmiges Erscheinungsbild der Vorderbeine.
Bei Lamas, insbesondere bei Crias, ist diese Fehlstellung relativ häufig. Verantwortlich ist meist ein Ungleichgewicht im Wachstum der distalen Wachstumsfugen des Radius und der Ulna oder eine asymmetrische Belastung der Karpalknochen. Auch eine Laxizität (Bänderschwäche) der Karpalbänder kann dazu beitragen.
Mögliche Ursachen beim Lama
Angeborene Fehlanlage (kongenital), z. B. bei Fehllage im Mutterleib
Frühgeburt oder Dysmaturität mit unvollständiger Verknöcherung der Karpalknochen
Ungleichmäßiges Wachstum der Wachstumsfugen (asymmetrische Physis)
Fütterungsfehler mit Mineralstoff-Imbalancen (Kalzium, Phosphor, Kupfer, Zink)
Übergewicht oder Überlastung in der Wachstumsphase
Trauma oder Verletzung der Wachstumsfuge
Orthopädische Relevanz
Die Achsenfehlstellung führt zu einer ungleichmäßigen Druckverteilung im Karpalgelenk und in den darunterliegenden Strukturen. Langfristig drohen Knorpelschäden, Arthrose, Sehnen- und Bandüberlastungen sowie Lahmheit. Da Lamas in der Herde weite Strecken zurücklegen und in unwegsamem Gelände gehalten werden, ist eine frühzeitige Korrektur entscheidend für die Lebensqualität.
Bei jungen Crias kann eine Korrektur durch angepasste Schienen, Cast-Verbände oder maßgefertigte Orthesen erfolgen, solange die Wachstumsfugen noch offen sind. Bei älteren Tieren oder ausgeprägten Fällen kommen ergänzend chirurgische Verfahren (z. B. periostale Streifung oder transphysäre Brücken) zum Einsatz. Eine individuell angepasste Karpalorthese kann das Gelenk stabilisieren und die Achse korrigieren.
Mögliche Symptome
Nach außen abweichende Vorderbeinachse unterhalb des Karpus
X-förmige Stellung der Vorderbeine
Unsicherer oder steifer Gang
Stolpern, schnelles Ermüden beim Laufen
Asymmetrischer Hufabrieb an den Zehen
Schwellungen oder Wärme im Karpalbereich
Lahmheit bei stärkerer Belastung
Orthopädische Indikationen
Stabilisierende Karpalorthese zur Achsenkorrektur bei Crias
Schienenversorgung bei Bänderlaxizität im Karpus
Stützbandage zur Entlastung des Karpalgelenks
Postoperative Versorgung nach Korrekturosteotomie
Konservative Korrekturhilfen bei noch offenen Wachstumsfugen
Unterstützung bei sekundärer Arthrose im Karpus
Häufige Fragen
Je früher, desto besser. Bei Crias mit noch offenen Wachstumsfugen lassen sich Fehlstellungen oft schon in den ersten Lebenswochen konservativ mit Schienen oder Orthesen korrigieren. Eine tierärztliche Abklärung sollte sofort erfolgen, sobald die Fehlstellung auffällt.
Bei leichten bis mittleren Fehlstellungen im Wachstumsalter kann eine maßgefertigte Orthese die Achse korrigieren, da die Knochen noch formbar sind. Bei älteren Tieren oder ausgeprägten Deformitäten dient die Orthese eher der Stabilisierung und Entlastung. Die Therapieplanung erfolgt immer in Abstimmung mit dem behandelnden Tierarzt.
Bei Karpus valgus weicht die Gliedmaße unterhalb des Karpus nach außen ab (X-Stellung), bei Karpus varus nach innen (O-Stellung). Beide Fehlstellungen erfordern unterschiedliche orthopädische Versorgungen, da die Druckverteilung im Gelenk gegensätzlich ist.
Eine genetische Komponente wird bei Neuweltkameliden diskutiert, ist aber nicht abschließend belegt. Häufiger sind multifaktorielle Ursachen wie Fehlbelastung, Wachstumsstörungen oder Fütterungsfehler. Bei wiederholtem Auftreten in einer Zuchtlinie ist Vorsicht geboten.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit eurem Tierarzt.