Ausführlich
Bei Kissing Spines stehen die Dornfortsätze (Processus spinosi) der Brust- und Lendenwirbel so eng beieinander, dass sie sich berühren oder reiben. Beim Esel betrifft dies meist die Region zwischen dem 13. und 18. Brustwirbel: also den Bereich unter dem Sattel oder Tragsattel. Durch den ständigen Knochenkontakt entstehen Entzündungen, Sklerosierungen (Knochenverdichtungen) und im fortgeschrittenen Stadium Zysten oder Pseudoarthrosen.
Anatomische Besonderheiten beim Esel
Esel haben im Vergleich zum Pferd einen kürzeren, kompakteren Rücken mit einer ausgeprägteren Lendenmuskulatur. Diese Bauweise ist grundsätzlich tragfähig, jedoch reagieren Esel empfindlich auf unpassende Sattel- oder Packsattelauflagen. Die Dornfortsätze sind beim Esel etwas anders proportioniert, was eine angepasste röntgenologische Beurteilung erfordert.
Ursachen
Unpassende Sattel- oder Tragsattelausrüstung
Überlastung durch zu schwere Lasten oder unausgewogene Beladung
Chronische Rückenmuskelverspannungen und mangelnde Bemuskelung
Genetische Veranlagung bzw. ungünstige Rückenstatik
Bewegungsmangel, Übergewicht (häufig beim Esel)
Sekundär bei Lahmheiten oder Fehlbelastungen der Gliedmaßen
Orthopädische Relevanz
Kissing Spines beim Esel führen zu einer veränderten Körperhaltung und Schonbewegung, die wiederum die Gliedmaßen und Hufe ungleichmäßig belastet. Eine begleitende orthopädische Versorgung: etwa durch entlastende Bandagen, korrigierende Hilfsmittel bei sekundären Fehlstellungen oder eine angepasste Tragsattelkonstruktion: kann die Beschwerden lindern und Folgeschäden vorbeugen. Die Behandlung gehört in tierärztliche Hand und umfasst je nach Schweregrad konservative Maßnahmen (Physiotherapie, Schmerzmanagement, Muskelaufbau) bis hin zu chirurgischen Eingriffen.
Mögliche Symptome
Berührungsempfindlichkeit im Rückenbereich
Verspannte oder atrophierte Rückenmuskulatur
Unwilligkeit beim Auflegen von Sattel oder Packsattel
Steifer, klammer Gang
Bewegungsunlust, Buckeln oder Festwerden
Veränderte Körperhaltung mit aufgewölbtem oder eingesunkenem Rücken
Sekundäre Lahmheiten und ungleichmäßige Hufabnutzung
Orthopädische Indikationen
Entlastende Rückenbandagen zur Unterstützung der Rumpfmuskulatur
Orthopädische Hilfsmittel bei sekundären Gliedmaßenfehlstellungen
Korrekturhilfen zur Verbesserung der Körperhaltung
Begleitende Versorgung nach tierärztlicher Diagnose und Therapie
Unterstützung bei muskulärer Rehabilitation nach Rückenoperation
Häufige Fragen
Ja, auch wenn die Erkrankung beim Esel seltener diagnostiziert wird als beim Pferd. Besonders bei Reit- und Tragetieren oder bei Eseln mit ungünstiger Rückenstatik kann das Problem auftreten. Eine sichere Diagnose erfolgt über eine tierärztliche Untersuchung mit Röntgenbildern.
Esel zeigen Schmerzen oft sehr subtil. Achten Sie auf Verhaltensänderungen wie Berührungsempfindlichkeit am Rücken, Unwilligkeit beim Satteln, steifen Gang, Bewegungsunlust oder eine veränderte Körperhaltung. Bei Verdacht sollte ein Tierarzt mit Erfahrung in Eselmedizin hinzugezogen werden.
Orthopädische Hilfsmittel können die Therapie sinnvoll begleiten, indem sie die Muskulatur entlasten oder sekundäre Fehlstellungen korrigieren. Sie ersetzen jedoch keine tierärztliche Behandlung. Eine individuell angepasste Versorgung, wie sie Trittwerk anfertigt, sollte immer mit dem behandelnden Tierarzt abgestimmt werden.
Vollständig vorbeugen lässt sich die Erkrankung nicht, das Risiko kann aber gesenkt werden: durch passende Sattel- oder Tragsattelausrüstung, ausgewogene Belastung, regelmäßige Bewegung, Vermeidung von Übergewicht und gezielten Muskelaufbau über den Rücken.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit eurem Tierarzt.