Ausführlich
Pectus excavatum gehört zu den angeborenen Skelettfehlbildungen und wird bei Katzen meist schon in den ersten Lebenswochen erkannt. Die Ursache ist eine fehlerhafte Entwicklung der knorpeligen Verbindungen zwischen Rippen und Brustbein, wodurch das Sternum nach dorsal (in Richtung Wirbelsäule) verlagert wird. Betroffen sind häufig bestimmte Rassen wie Bengalkatzen, Britisch Kurzhaar oder Maine Coon, aber auch Hauskatzen können diese Fehlbildung zeigen. Eine genetische Komponente wird angenommen.
Anatomisch gesehen führt die Einsenkung des Brustbeins zu einer Verkleinerung des Brustkorbvolumens. Dies kann das Herz seitlich verdrängen (Kardiomegalie-ähnliches Bild im Röntgen) und die Lungenentfaltung behindern. Bei milden Formen bleibt die Funktion oft unbeeinträchtigt, bei schweren Ausprägungen kommt es jedoch zu Atemnot, eingeschränkter Belastbarkeit und Gedeihstörungen bei Kitten.
Orthopädische Relevanz
Die orthopädische Versorgung spielt insbesondere bei jungen Kitten eine zentrale Rolle, da das Brustbein und die Rippenknorpel in den ersten Lebenswochen noch sehr formbar sind. In diesem Zeitfenster kann durch externe Korrekturhilfen eine Umformung des Brustkorbs erreicht werden, bevor die Knorpel verknöchern.
Mögliche Versorgungsansätze
Individuell angefertigte Brustkorb-Schienen oder Korsetts zur externen Korrektur
Sternum-Splints, die auf das Brustbein einwirken und es nach außen ziehen
Begleitende physiotherapeutische Maßnahmen zur Atemunterstützung
Bei schweren Formen chirurgische Korrektur durch den Tierarzt
Die Auswahl und Anpassung einer orthopädischen Hilfe sollte immer in Abstimmung mit dem behandelnden Tierarzt erfolgen, da Sitz, Druckverteilung und Tragedauer entscheidend für den Erfolg und das Wohlbefinden der Katze sind.
Mögliche Symptome
Sichtbare oder tastbare Einsenkung am Brustbein
Erschwerte oder beschleunigte Atmung
Geringere Belastbarkeit beim Spielen
Gedeihstörung und Untergewicht bei Kitten
Husten oder gelegentliches Würgen
Zyanose (bläuliche Schleimhäute) bei schwerer Ausprägung
Abgeflachter oder asymmetrischer Brustkorb
Orthopädische Indikationen
Externe Brustkorbkorrektur bei jungen Kitten mit formbarem Knorpel
Sternum-Splint zur Umformung des eingesunkenen Brustbeins
Stabilisierende Bandage nach chirurgischer Korrektur
Begleitende Hilfsmittel zur Atemunterstützung
Druckverteilende Polsterung bei dauerhaft veränderter Brustkorbform
Häufige Fragen
Je früher, desto besser. Ideal ist ein Beginn in den ersten Lebenswochen, solange die Rippenknorpel noch weich und formbar sind. Bereits ab einem Alter von wenigen Wochen kann eine individuell angepasste Korrekturhilfe sinnvoll sein. Die Entscheidung trifft der Tierarzt anhand der Schwere und des Allgemeinzustands.
Sehr milde Formen können sich im Wachstum teilweise bessern, da der Brustkorb sich weiterentwickelt. Mittlere bis schwere Ausprägungen verschwinden jedoch in der Regel nicht von allein und benötigen orthopädische oder chirurgische Unterstützung, um langfristige Probleme zu vermeiden.
Die Anfertigung erfolgt individuell nach Maß. Dazu wird der Brustkorb des Kittens vermessen oder abgeformt, sodass die Hilfe exakt sitzt und gezielt Druck auf die eingesunkenen Bereiche ausübt, ohne Atmung und Bewegung einzuschränken. Trittwerk fertigt solche Hilfsmittel maßgefertigt und in enger Abstimmung mit Tierarzt und Halter.
Es wird eine genetische Veranlagung vermutet, da die Fehlbildung in bestimmten Rassen und Wurfgeschwistern gehäuft auftritt. Betroffene Tiere sollten daher nicht zur Zucht eingesetzt werden, um die Weitergabe an Nachkommen zu vermeiden.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit eurem Tierarzt.