Ausführlich
Das Klauensesambein der Kuh liegt im Inneren der Klaue, eingebettet zwischen Kronbein, Klauenbein und der tiefen Beugesehne. Es dient als Umlenkpunkt für die Sehne und trägt zur reibungsarmen Kraftübertragung beim Abfußen bei. Kommt es durch eindringende Keime: meist über Sohlengeschwüre, Wandgeschwüre oder Klauenrehe: zu einer eitrigen Entzündung im Klauengelenk oder der Bursa podotrochlearis, kann das Sesambein nekrotisch werden.
Indikation für die Resektion
Die Operation wird in der Regel dann notwendig, wenn eine tiefe Eiterung das Sesambein und die angrenzende tiefe Beugesehne erfasst hat und eine Klauenamputation vermieden werden soll. Häufige Ausgangsbefunde sind chronische Rusterholz’sche Sohlengeschwüre (Sohlenspitzen- oder Ballengeschwüre), die nach distal in die Tiefe perforiert sind und das Sesambein einbeziehen.
Operatives Vorgehen
Der Eingriff erfolgt unter intravenöser Stauungsanästhesie am stehenden oder abgelegten Tier. Über einen Zugang an der Sohle oder im Ballenbereich wird das nekrotische Sesambein freigelegt und mit Spezialinstrumenten (Knochenzange, Löffel) entfernt. Auch nekrotische Anteile der tiefen Beugesehne werden reseziert. Die Wundhöhle wird offen behandelt oder drainiert.
Orthopädische Nachsorge
Die operierte Klaue muss konsequent entlastet werden. Hier kommen orthopädische Hilfsmittel zum Einsatz:
Klauenklotz (Kunststoff- oder Holzklotz) auf der gesunden Partnerklaue zur vollständigen Entlastung
Schutzverband mit regelmäßigem Wechsel
Spezialbandagen oder Klauenschuhe zur Wundabdeckung und Stabilisation
Bei längerer Heilungsphase angepasste orthopädische Versorgung durch eine Manufaktur wie Trittwerk
Die Prognose ist bei rechtzeitigem Eingriff vorsichtig günstig; viele Kühe können nach mehrwöchiger Heilung wieder belastbar laufen und produktiv bleiben. Eine lebenslange leichte Lahmheit ist jedoch möglich.
Mögliche Symptome
Hochgradige stützbeinlahmheit der betroffenen Gliedmaße
Schwellung im Klauen- und Ballenbereich
Eiteraustritt aus Sohle oder Ballen
Wärme und Druckschmerz an der Klaue
Gewichtsverlust und Milchleistungsrückgang
Schonhaltung mit entlasteter Gliedmaße
Orthopädische Indikationen
Entlastungsorthese für die Partnerklaue nach Resektion
Klauenschuh zur Wundabdeckung und Druckverteilung
Schutzverband mit integrierter Polsterung
Stabilisierende Bandage für die operierte Gliedmaße
Orthopädische Nachsorgeversorgung bei verzögerter Wundheilung
Häufige Fragen
Wenn eine tiefe eitrige Entzündung das Sesambein und die tiefe Beugesehne erfasst hat und konservative Maßnahmen wie Klauenpflege, Klauenklotz und Antibiose nicht mehr ausreichen. Der Eingriff ist eine klauenerhaltende Alternative zur Amputation und sollte zeitnah vom Tierarzt entschieden werden.
Die Wundheilung dauert in der Regel 6 bis 12 Wochen. In dieser Zeit muss die operierte Klaue konsequent durch einen Klauenklotz auf der Partnerklaue und regelmäßige Verbandswechsel entlastet werden. Eine engmaschige tierärztliche Kontrolle ist wichtig.
Bei erfolgreichem Eingriff und konsequenter Nachsorge erreichen viele Kühe wieder eine gute Belastbarkeit und können in der Herde bleiben. Eine geringgradige Restlahmheit ist jedoch möglich, da das Sesambein als mechanischer Umlenkpunkt fehlt.
Bewährt haben sich Klauenklötze auf der gesunden Partnerklaue, gepolsterte Schutzverbände sowie individuell angepasste Klauenschuhe und Bandagen. Bei komplizierten Verläufen kann eine maßgefertigte orthopädische Versorgung die Heilung unterstützen.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit eurem Tierarzt.