Ausführlich
Die Rhinitis atrophicans ist eine der bedeutendsten Atemwegserkrankungen in der Schweinehaltung. Auslöser sind toxinbildende Stämme von Pasteurella multocida (progressive Form) sowie Bordetella bronchiseptica (nicht-progressive Form). Die von P. multocida gebildeten dermonekrotischen Toxine (PMT) hemmen die Osteoblastentätigkeit und fördern den Knochenabbau in den Nasenmuscheln (Conchae nasales) und im Oberkieferbereich.
Anatomische Auswirkungen
Beim Schwein sind die Nasenmuscheln besonders gut entwickelt, da sie Atemluft anwärmen, anfeuchten und filtern. Bei RA kommt es zunächst zur Entzündung der Nasenschleimhaut, gefolgt von einer Atrophie der Muscheln. Im weiteren Verlauf können der Oberkiefer (Maxilla) und das Nasenbein (Os nasale) deformieren: sichtbar als Rüsselverkürzung, Faltenbildung über dem Nasenrücken oder seitliche Verbiegung (Mopsnase, Schiefnase).
Orthopädische und biomechanische Relevanz
Auch wenn die RA primär eine Atemwegserkrankung ist, hat sie deutliche orthopädische Bezüge: Die Verformung des Schädels verändert die Statik des Kiefer- und Kopfbereichs, was sich auf Futteraufnahme, Kaumechanik und damit indirekt auf Wachstum und Körperhaltung auswirkt. Chronisch erkrankte Tiere zeigen oft Kümmerwuchs, verminderte Belastbarkeit und sekundäre Haltungsprobleme.
Ursachen und begünstigende Faktoren
Infektion mit toxinbildenden Pasteurella multocida (Typ D, A)
Vorinfektion mit Bordetella bronchiseptica
Hohe Stalldichte, schlechte Luftqualität (Ammoniak, Staub)
Mangelnde Hygiene und Stressbelastung
Genetische Prädisposition einzelner Linien
Bedeutung für Trittwerk
Im Bereich der tierorthopädischen Versorgung spielt die RA selbst keine direkte Rolle, da der Schädelknochen betroffen ist. Sekundäre Bewegungsstörungen oder Haltungsschäden bei stark gewachsenen Tieren mit Kümmerwuchs können jedoch in Einzelfällen eine orthopädische Begleitversorgung: etwa stützende Bandagen bei Gliedmaßenschwäche: erforderlich machen.
Mögliche Symptome
Niesen und Nasenausfluss
Tränenfluss mit dunklen Tränenstraßen
Verkürzung und Verformung des Rüssels
Schiefstellung der Nase (Mopsnase, Schiefnase)
Faltenbildung über dem Nasenrücken
Erschwerte Atmung, Schnarchgeräusche
Kümmerwuchs und reduzierte Gewichtszunahme
Nasenbluten in fortgeschrittenen Fällen
Orthopädische Indikationen
Unterstützende Bandagen bei sekundärer Gliedmaßenschwäche durch Kümmerwuchs
Orthopädische Begleitversorgung bei Haltungsschäden chronisch erkrankter Tiere
Stützende Hilfsmittel bei reduzierter Belastbarkeit nach langer Krankheitsphase
Häufige Fragen
Bereits eingetretene Knochenveränderungen wie Rüsselverformungen sind irreversibel. Die bakterielle Infektion selbst lässt sich durch frühzeitige antibiotische Behandlung und Impfung der Muttersauen eindämmen. Die Therapie gehört in tierärztliche Hand.
Direkt nicht, da sie den Schädelknochen betrifft. Indirekt können chronisch erkrankte Tiere durch Kümmerwuchs, reduzierte Futteraufnahme und Stoffwechselstörungen geschwächt sein, was sich auf Belastbarkeit und Haltung auswirken kann.
Wichtige Maßnahmen sind die Impfung tragender Sauen, gute Stallhygiene, niedrige Ammoniakwerte, ausreichende Belüftung sowie der Zukauf aus seuchenfreien Beständen. Bestandsbetreuung durch den Tierarzt ist entscheidend.
Für die Erkrankung selbst nicht, da sie den Schädel betrifft. In Einzelfällen können bei sekundären Folgen wie Gliedmaßenschwäche durch Kümmerwuchs unterstützende Bandagen sinnvoll sein: dies sollte individuell mit Tierarzt und orthopädischem Fachbetrieb abgestimmt werden.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit eurem Tierarzt.