Ausführlich
Das Sohlengeschwür (Pododermatitis circumscripta) ist eine der häufigsten und schmerzhaftesten Klauenerkrankungen bei Mast- und Zuchtschweinen. Es handelt sich um einen lokal begrenzten Defekt im Sohlenhorn, bei dem das schützende Horn so stark geschädigt ist, dass die sensible Lederhaut (Korium) freiliegt oder hervortritt. Häufig findet sich das Geschwür im hinteren Sohlenbereich nahe dem Ballen, vor allem an den lasttragenden Außenklauen der Hintergliedmaßen.
Anatomischer Hintergrund beim Schwein
Schweine besitzen Paarhufe mit zwei tragenden Hauptklauen und zwei kleineren Afterklauen. Die Hauptklauen sind beim Schwein unterschiedlich groß: die Außenklaue der Hinterextremität ist meist größer und trägt mehr Gewicht. Diese ungleiche Lastverteilung prädisponiert sie für Überlastung, Quetschungen der Lederhaut und in der Folge für Sohlengeschwüre.
Ursachen
Harte, abrasive oder unhygienische Stallböden (Beton, Spaltenböden)
Klauenrehe (Laminitis), oft im peripartalen Zeitraum bei Sauen
Fehlende oder unzureichende Klauenpflege mit Überlängenbildung
Stoffwechselstörungen, Fütterungsfehler, Azidose
Bewegungsmangel und Übergewicht bei Zuchtsauen
Infektiöse Mitbeteiligung durch Bakterien aus der Stallumgebung
Orthopädische Relevanz
Sohlengeschwüre verursachen erhebliche Lahmheiten und Schmerzen, was bei Zuchtsauen zu vorzeitigem Abgang führen kann. Da die betroffene Klaue entlastet werden muss, lagert das Tier sein Gewicht auf die Partnerklaue oder andere Gliedmaßen um: mit dem Risiko von Folgeschäden an Gelenken und weiterer Klauenpathologie. Eine gezielte Entlastung durch orthopädische Maßnahmen wie Klauenklötze auf der gesunden Partnerklaue, Verbände oder individuell angepasste Hilfsmittel kann die Heilung unterstützen.
Behandlung und Prävention
Die Therapie gehört in tierärztliche Hand und umfasst funktionelle Klauenpflege, Entlastung der erkrankten Klaue, ggf. Wundversorgung und systemische Behandlung. Präventiv sind regelmäßige Klauenkontrollen, rutschfeste und trockene Böden, Bewegungsmöglichkeiten sowie eine bedarfsgerechte Fütterung entscheidend.
Mögliche Symptome
Lahmheit, oft an einer Hintergliedmaße
Entlastungshaltung der betroffenen Klaue
Sichtbarer Defekt im Sohlenhorn mit freiliegender Lederhaut
Rötung, Schwellung und Wärme im Klauenbereich
Verminderte Futteraufnahme und Leistungseinbruch
Längeres Liegen, Aufstehunlust
Bei Sauen: reduzierte Wurfleistung, Konditionsverlust
Orthopädische Indikationen
Entlastung der erkrankten Klaue durch orthopädische Hilfsmittel
Klauenverbände zur Wundversorgung und Stabilisierung
Druckumverteilung bei einseitiger Klauenüberlastung
Unterstützung der Rekonvaleszenz nach Klauenoperation
Schutz der Lederhaut vor weiterer mechanischer Belastung
Begleitende Maßnahmen bei chronischer Klauenrehe
Häufige Fragen
Typisch sind Lahmheit, eine Entlastungshaltung der betroffenen Gliedmaße und bei der Klauenkontrolle ein sichtbarer Defekt im Sohlenhorn, oft mit geröteter oder hervortretender Lederhaut. Bei Verdacht sollte zeitnah ein Tierarzt hinzugezogen werden.
Beim Schwein sind überwiegend die größeren Außenklauen der Hintergliedmaßen betroffen, da sie mehr Gewicht tragen und stärker belastet werden. Auch die Innenklauen der Vordergliedmaßen können erkranken.
Orthopädische Hilfsmittel wie individuell angepasste Klauenverbände oder Entlastungshilfen reduzieren den Druck auf die erkrankte Klaue und ermöglichen der Lederhaut, neues Horn zu bilden. Die Auswahl und Anpassung sollte immer in Abstimmung mit Tierarzt und Klauenpfleger erfolgen.
Wichtig sind regelmäßige Klauenpflege, rutschfeste und saubere Böden, ausreichend Bewegung, ein gutes Stallklima sowie eine ausgewogene Fütterung zur Vermeidung von Stoffwechselstörungen und Klauenrehe.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit eurem Tierarzt.