Ausführlich
Das Sohlengeschwür ist eine der häufigsten und bedeutsamsten Klauenerkrankungen bei Milch- und Mastkühen. Es entsteht durch mechanische Überlastung der Klauensohle, wobei das Sohlenhorn zwischen dem darunterliegenden Knochen (meist dem dritten Zehenknochen) und dem harten Untergrund eingequetscht wird. Diese chronische Druckbelastung führt zu Durchblutungsstörungen der Sohlenlederhaut, Gewebsnekrosen und schließlich zur Ausbildung eines schmerzhaften Geschwürs.
Die anatomische Prädilektionsstelle liegt im Bereich der typischen Stelle (Rusterholz’sche Sohlengeschwür-Stelle) an der Außenklaue der Hintergliedmaße, etwa im hinteren Sohlendrittel zwischen Ballen und Klauenspitze. An dieser Stelle ist die Lederhaut besonders dünn und das Sohlenhorn liegt direkt der knöchernen Unterlage auf. Bei hochleistenden Milchkühen ist das Risiko aufgrund des hohen Körpergewichts, metabolischer Belastungen und weicher Sohlenhorns besonders erhöht.
Zu den Hauptursachen gehören biomechanische Fehlbelastungen durch ungleiche Klauenlängen, zu lange Dorsal- oder Trachtenwände, unzureichende Klauenpflege sowie harte Liegeflächen und Böden ohne ausreichende Elastizität. Auch Stoffwechselstörungen wie subklinische Azidosen führen zu minderwertiger Hornqualität und erhöhter Anfälligkeit. Übergewicht, mangelnde Bewegung und schlechte Stallhygiene sind weitere begünstigende Faktoren.
Klinisch zeigt sich das Sohlengeschwür zunächst als rötlich-gelbe Verfärbung des Sohlenhorns, später als blutig-gelbliche, nekrotische Einschmelzung bis hin zur offenen, eitrigen Wunde. Die betroffenen Kühe zeigen deutliche Lahmheit, entlasten die betroffene Klaue und nehmen eine Schonhaltung ein. Unbehandelt kann die Infektion auf tiefere Strukturen wie Beugesehne, Sehnenscheide oder sogar Klauengelenk übergreifen.
Die Behandlung erfolgt durch funktionelle Klauenpflege mit Entlastung der betroffenen Klaue, Ausschneiden nekrotischen Gewebes und lokale Wundversorgung. Entscheidend ist die Druckentlastung durch orthopädische Klauenverbände oder Klauenklötze an der gesunden Partnerklaue. In schweren Fällen ist eine systemische Antibiose erforderlich. Präventiv sind regelmäßige professionelle Klauenpflege, optimierte Haltungsbedingungen mit weichen Laufflächen sowie eine stoffwechselgerechte Fütterung essentiell.
Orthopädische Hilfsmittel wie spezielle Klauenverbände und Entlastungsklötze spielen eine zentrale Rolle in der Therapie und Rehabilitation, um die Heilung zu fördern und ein Wiederauftreten zu verhindern. Bei chronischen oder rezidivierenden Sohlengeschwüren können individuell angepasste orthopädische Klauenschuhe die Belastung dauerhaft optimieren.
Mögliche Symptome
Lahmheit mittleren bis hochgradigen Ausmaßes
Entlastung der betroffenen Klaue
Schonhaltung und vorsichtiges Auftreten
Verminderte Futteraufnahme
Rückgang der Milchleistung
Rötlich-gelbliche Verfärbung der Klauensohle
Offene, schmierige Wunde im Sohlenbereich
Lokale Schwellung und Wärme
Übelriechende Absonderungen bei Infektion
Vermeidung von Belastung beim Stehen und Gehen
Orthopädische Indikationen
Druckentlastung durch orthopädische Klauenverbände
Klauenklotz an der gesunden Partnerklaue zur Entlastung
Schützende Klauenverbände während der Heilungsphase
Individuell angepasste orthopädische Klauenschuhe
Weiche Polsterverbände zur Druckverteilung
Stabilisierende Klauenorthesen bei chronischen Verläufen
Häufige Fragen
Die Heilungsdauer variiert je nach Schweregrad zwischen 4 und 12 Wochen. Entscheidend sind konsequente Druckentlastung durch orthopädische Hilfsmittel, regelmäßige Verbandswechsel und optimale Haltungsbedingungen. Bei tiefen Geschwüren mit Beteiligung tieferer Strukturen kann die Heilung mehrere Monate dauern. Eine tierärztliche Begleitung während der gesamten Heilungsphase ist wichtig.
Ja, eine Kuh mit Sohlengeschwür kann und sollte weiterhin gemolken werden, allerdings ist besondere Rücksichtnahme erforderlich. Der Weg zum Melkstand sollte möglichst kurz und auf weichem Untergrund sein. Die betroffene Klaue muss durch Verbände oder Klauenklötze entlastet werden. Schmerzmanagement ist wichtig, da Schmerzen die Milchleistung beeinträchtigen. Bei hochgradig lahmen Tieren sollte ein mobiles Melken in Erwägung gezogen werden.
Prävention erfolgt durch regelmäßige professionelle Klauenpflege (mindestens 2x jährlich), optimierte Stallböden mit elastischen, rutschfesten Laufflächen, weiche und trockene Liegeflächen sowie ausgewogene Fütterung zur Vermeidung von Stoffwechselstörungen. Regelmäßige Klauenbäder, Früherkennung von Lahmheiten und konsequente Behandlung bereits bei ersten Anzeichen sind essentiell. Auch ausreichend Bewegung und die Vermeidung von Übergewicht tragen zur Klauengesundheit bei.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit deinem Tierarzt.