TrittwerkTierorthopädie

Mycoplasma-hyosynovae-Arthritis beim Schwein

Die Mycoplasma-hyosynovae-Arthritis ist eine durch das Bakterium Mycoplasma hyosynoviae verursachte Gelenkentzündung beim Schwein. Sie tritt vor allem bei Mast- und Jungschweinen im Alter von 10 bis 24 Wochen auf und betrifft überwiegend die großen Gliedmaßengelenke. Die Erkrankung äußert sich durch Lahmheit und Bewegungsunlust, ohne dass es meist zu einer eitrigen Zerstörung der Gelenke kommt.

Ausführlich

Die Mycoplasma-hyosynovae-Arthritis ist eine bakterielle Gelenkerkrankung, die weltweit in Schweinebeständen vorkommt. Der Erreger Mycoplasma hyosynoviae besiedelt zunächst die oberen Atemwege, insbesondere den Nasen-Rachen-Raum, und wird von dort über die Blutbahn in die Gelenke verschleppt. Betroffen sind vorwiegend Mastschweine im Alter zwischen 10 und 24 Wochen, häufig nach Umstallung, Transport oder anderen Stresssituationen.

Betroffene Strukturen

Der Erreger befällt die Synovialmembran (Gelenkinnenhaut) der großen Gliedmaßengelenke. Besonders häufig sind Knie-, Sprung-, Ellbogen- und Karpalgelenke betroffen. Es kommt zu einer serofibrinösen Entzündung mit Verdickung der Synovialis und vermehrter Gelenkflüssigkeit, ohne dass der Gelenkknorpel primär zerstört wird. In chronischen Verlaufsformen können jedoch bleibende Veränderungen entstehen.

Ursachen und Risikofaktoren

Stress durch Umstallung, Rangkämpfe oder Transport

Hohe Belegdichte und mangelhaftes Stallklima

Rutschige oder harte Böden, die Mikrotraumen an Gelenken begünstigen

Immunsuppression durch andere Infektionen (z.B. PRRSV, Circovirus)

Genetische Prädisposition schnellwachsender Mastlinien

Orthopädische Relevanz

Die Erkrankung führt zu schmerzhafter Lahmheit, steifem Gang und reduzierter Belastung einzelner Gliedmaßen. Betroffene Tiere legen sich vermehrt hin, was zu Druckstellen, Muskelabbau und weiteren sekundären Schäden am Bewegungsapparat führen kann. In der Herde entstehen dadurch erhebliche Tierschutz- und wirtschaftliche Probleme, da Tageszunahmen sinken und Nachzügler entstehen.

Diagnostik und Behandlung

Die Diagnose erfolgt durch den Tierarzt anhand klinischer Untersuchung, Gelenkpunktion, serologischer Tests und PCR-Nachweis des Erregers. Die Therapie besteht in einer gezielten Antibiotikagabe sowie entzündungshemmenden Medikamenten und muss vom Tierarzt eingeleitet werden. Unterstützend sind weiche Einstreu, rutschfeste Böden und die Reduktion von Stressfaktoren essenziell. Bei chronisch geschädigten Einzeltieren können stützende Bandagen oder orthopädische Hilfsmittel die Entlastung schmerzhafter Gelenke unterstützen.

Mögliche Symptome

plötzliche Lahmheit einer oder mehrerer Gliedmaßen

steifer, klammer Gang

geschwollene, warme Gelenke

Bewegungsunlust und vermehrtes Liegen

reduzierte Futteraufnahme

verminderte Tageszunahmen

schmerzhafte Reaktion beim Aufstehen

Orthopädische Indikationen

stützende Bandagen zur Entlastung schmerzhafter Karpal- oder Sprunggelenke

orthopädische Hilfsmittel bei chronischen Gelenkveränderungen einzelner Zuchttiere

Unterstützung der Gliedmaßenachse bei Muskelabbau nach langer Liegephase

Schutzbandagen zur Vermeidung von Druckstellen bei vermehrt liegenden Tieren

Häufige Fragen

Die Erkrankung zeigt sich typischerweise bei Mast- und Jungschweinen im Alter von 10 bis 24 Wochen, häufig kurz nach Umstallungen oder anderen Stresssituationen.

Milde Verläufe können nach einigen Wochen abklingen, häufig bleiben jedoch chronische Gelenkveränderungen zurück. Eine tierärztliche Abklärung und Behandlung sind daher immer sinnvoll, um bleibende Schäden zu vermeiden.

Bei einzelnen wertvollen Tieren, etwa in der Zucht, können stützende Bandagen oder maßgefertigte Orthesen chronisch geschädigte Gelenke entlasten. Die Versorgung sollte immer in Absprache mit Tierarzt und Orthopädietechniker erfolgen.

Vorbeugend wirken ein gutes Stallklima, rutschfeste und weiche Böden, angepasste Belegdichte, Stressreduktion bei Umstallungen sowie ein konsequentes Gesundheitsmanagement gegen begleitende Infektionen.

Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit eurem Tierarzt.

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