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Muskelatrophie der Oberschenkelmuskulatur beim Hund

Muskelatrophie der Oberschenkelmuskulatur bezeichnet den krankhaften Abbau und Volumenverlust der Skelettmuskulatur am Oberschenkel (M. quadriceps femoris, ischiocrurale Muskulatur) beim Hund. Diese Rückbildung entsteht durch Inaktivität, neurologische Störungen, chronische Schmerzen oder direkte Muskelerkrankungen und führt zu deutlich sichtbarer Verschmächtigung des betroffenen Beins.

Ausführlich

Die Muskelatrophie der Oberschenkelmuskulatur ist eine der häufigsten muskulären Veränderungen bei Hunden mit orthopädischen oder neurologischen Erkrankungen. Der Oberschenkel wird beim Hund hauptsächlich von der vorderen Oberschenkelmuskulatur (M. quadriceps femoris) und der hinteren Oberschenkelmuskulatur (ischiocrurale Muskulatur mit M. biceps femoris, M. semitendinosus und M. semimembranosus) gebildet. Diese Muskeln sind für Streckung und Beugung des Kniegelenks sowie für die Stabilisierung der Hintergliedmaße während der Fortbewegung essenziell.

Bei Muskelatrophie kommt es zu einer Abnahme des Muskelquerschnitts durch Verkleinerung der einzelnen Muskelfasern oder Reduktion ihrer Anzahl. Beim Hund wird dies besonders deutlich sichtbar, da der Oberschenkel normalerweise eine ausgeprägte, kräftige Muskulatur aufweist. Der Muskelabbau kann einseitig (unilateral) oder beidseitig (bilateral) auftreten, wobei einseitige Atrophien häufig auf Lahmheiten oder Gelenkprobleme der betroffenen Gliedmaße hinweisen.

Ursachen beim Hund

Die häufigsten Ursachen für Oberschenkelmuskelatrophie beim Hund sind chronische Gelenkerkrankungen wie Hüftgelenksdysplasie, Patellaluxation, Kreuzbandriss oder Arthrose im Knie- oder Hüftgelenk. Durch die schmerzbedingte Schonung der betroffenen Gliedmaße wird die Muskulatur nicht mehr ausreichend beansprucht, was zu einem raschen Abbau führt. Neurologische Erkrankungen wie Bandscheibenvorfälle, Nervenverletzungen oder degenerative Myelopathie können ebenfalls zu Atrophie führen, wenn die nervale Versorgung der Muskulatur gestört ist. Nach operativen Eingriffen oder längerer Immobilisation tritt häufig eine Inaktivitätsatrophie auf, die sich bei konsequenter Rehabilitation meist wieder zurückbildet.

Diagnostik und Verlauf

Die Diagnose erfolgt primär durch klinische Untersuchung und Umfangsmessung der Oberschenkelmuskulatur im Vergleich zur gesunden Gegenseite. Tierärzte messen den Umfang in definierten Abständen zum Kniegelenk, um den Schweregrad objektiv zu dokumentieren. Bildgebende Verfahren wie Röntgen, CT oder MRT sowie neurologische Untersuchungen helfen, die zugrunde liegende Ursache zu identifizieren. Unbehandelt schreitet die Atrophie fort und führt zu zunehmender Schwäche, Instabilität und Funktionsverlust der Hintergliedmaße.

Therapie und orthopädische Unterstützung

Die Behandlung richtet sich nach der Grunderkrankung und umfasst Schmerzmanagement, physiotherapeutische Maßnahmen wie Muskelaufbautraining, Hydrotherapie und Elektrotherapie. Orthopädische Hilfsmittel spielen eine wichtige Rolle: Bandagen und Orthesen können das betroffene Gelenk stabilisieren, Schmerzen reduzieren und eine frühere Belastung der Gliedmaße ermöglichen, wodurch der Muskelabbau gestoppt oder verlangsamt wird. Bei neurologischen Ursachen können Orthesen die Bewegungsfähigkeit erhalten und kompensatorische Fehlbelastungen vermeiden. Die Prognose hängt stark von der Grunderkrankung ab: bei funktioneller Atrophie durch Schonung ist meist eine gute Regeneration möglich, während neurogene Atrophien oft dauerhaft bleiben.

Mögliche Symptome

Sichtbare Verschmächtigung des Oberschenkels

Umfangsdifferenz zwischen betroffener und gesunder Gliedmaße

Schwäche der Hintergliedmaße

Lahmheit oder Schonhaltung

Verminderte Sprungkraft

Schwierigkeiten beim Aufstehen

Instabilität beim Gehen

Muskelzittern bei Belastung

Asymmetrischer Gang

Orthopädische Indikationen

Stabilisierung bei Kniegelenkinstabilität nach Kreuzbandriss

Unterstützung bei Patellaluxation

Entlastung bei Hüftgelenksdysplasie

Gelenkschutz bei Gonarthrose

Postoperative Stabilisierung nach Gelenkoperationen

Kompensation bei neurologischen Ausfällen

Bewegungsunterstützung bei chronischen Lahmheiten

Fehlstellungskorrektur zur Vermeidung weiterer Atrophie

Häufige Fragen

Bei vollständiger Nichtbelastung einer Gliedmaße kann bereits nach 7 bis 14 Tagen eine messbare Muskelatrophie auftreten. Bei chronischen Lahmheiten entwickelt sich der Muskelabbau schleichend über Wochen bis Monate. Die Geschwindigkeit hängt vom Grad der Schonung, der Grunderkrankung und dem Alter des Hundes ab: ältere Tiere bauen schneller ab.

Bei Inaktivitätsatrophie ist ein Wiederaufbau durch gezieltes physiotherapeutisches Training meist gut möglich, sofern die Grunderkrankung behandelt wird. Der Muskelaufbau dauert jedoch deutlich länger als der Abbau: oft mehrere Monate konsequenten Trainings. Bei neurogener Atrophie durch irreversible Nervenschädigungen ist ein vollständiger Wiederaufbau meist nicht möglich.

Orthesen stabilisieren schmerzhafte oder instabile Gelenke und ermöglichen dem Hund, die betroffene Gliedmaße früher und häufiger zu belasten. Diese funktionelle Belastung ist die wichtigste Voraussetzung für Muskelerhalt und -aufbau. Gleichzeitig verhindern Orthesen Fehlbelastungen, die zu sekundären Schäden führen könnten. Sie sollten jedoch immer mit aktiver Physiotherapie kombiniert werden.

Die Unterscheidung erfolgt durch den Tierarzt mittels neurologischer Untersuchung. Bei schmerzbedingter Atrophie zeigt der Hund eine bewusste Schonung mit erhaltenen Reflexen und Sensibilität. Bei neurologischer Atrophie fehlen oft Reflexe, es bestehen Sensibilitätsstörungen oder der Hund kann die Pfote nicht bewusst positionieren. Zusätzlich können elektrophysiologische Untersuchungen die nervale Funktion testen.

Kontrollierte Belastung ist sogar wichtig, um weiteren Muskelabbau zu verhindern. Nach tierärztlicher Abklärung sollte ein individueller Trainingsplan erstellt werden, der die Grunderkrankung berücksichtigt. Kurze, häufige Belastungsphasen sind besser als lange Ruhephasen. Schwimmen und Unterwasserlaufband sind besonders schonende Trainingsformen. Völlige Schonung verschlimmert die Atrophie meist.

Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit eurem Tierarzt.

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