Strahlfäule (Pferd)
Strahlfäule ist eine bakterielle Infektion des Strahls am Pferdehuf, bei der das Strahlhorn durch fäulniserregende Mikroorganismen zersetzt wird. Sie äußert sich durch übelriechendes, schwarzes Sekret sowie weiches, brüchiges Hornmaterial in den Strahlfurchen. Unbehandelt kann die Erkrankung tiefere Hufstrukturen schädigen und zu Lahmheit führen.
Die Strahlfäule (lat. Pododermatitis gangraenosa) gehört zu den häufigsten Huferkrankungen beim Pferd. Sie entsteht, wenn anaerobe Bakterien – insbesondere Fusobacterium necrophorum – das Strahlhorn besiedeln und es zersetzen. Betroffen sind vor allem die mittlere und die seitlichen Strahlfurchen, in fortgeschrittenen Fällen auch der Strahlkörper selbst.
Anatomischer Hintergrund
Der Strahl ist ein keilförmiges, elastisches Hornpolster an der Hufunterseite und übernimmt wichtige Funktionen wie Stoßdämpfung, Hufmechanismus und Förderung des Blutrückflusses. Ein gesunder Strahl ist fest, gleichmäßig und nur leicht eingekerbt. Wird das Horn weich oder bilden sich tiefe, enge Furchen, bietet dies ideale Bedingungen für Fäulniserreger.
Typische Ursachen beim Pferd
- Dauerhaft feuchte, unhygienische Boxen- oder Paddockverhältnisse
- Mangelnde Hufpflege und unregelmäßiges Auskratzen
- Bewegungsmangel mit reduziertem Hufmechanismus
- Fehlstellungen wie Zwanghuf, Bockhuf oder zu enge Trachten
- Schlechte Hufbearbeitung mit zu tiefen oder verengten Strahlfurchen
- Stoffwechsel- oder Fütterungsprobleme, die die Hornqualität beeinträchtigen
Orthopädische Relevanz
Strahlfäule ist nicht nur ein hygienisches, sondern auch ein biomechanisches Problem: Ein geschwächter oder schmerzhafter Strahl verändert die Belastungsverteilung im Huf. Das Pferd entlastet betroffene Bereiche, was zu Schonhaltungen, Fehlbelastungen der Gliedmaßen und sekundär zu Sehnen- und Gelenkproblemen führen kann. In fortgeschrittenen Fällen können Lederhautstrukturen geschädigt werden, was eine deutliche Lahmheit verursacht.
Behandlung und Vorbeugung
Die Therapie erfolgt durch Hufschmied und Tierarzt: Das erkrankte Horn wird ausgeschnitten, die Furchen gereinigt und desinfiziert. Orthopädische Beschläge oder Hufschuhe können in komplizierten Fällen die Hufmechanik unterstützen. Vorbeugend sind trockene Liegeflächen, tägliches Auskratzen, regelmäßige Hufbearbeitung und ausreichend Bewegung entscheidend. Bei wiederkehrender oder tiefer Strahlfäule sollte stets ein Tierarzt hinzugezogen werden.
Mögliche Symptome
- Übelriechendes, schwarzes Sekret in den Strahlfurchen
- Weiches, brüchiges oder zerklüftetes Strahlhorn
- Tiefe, enge Strahlfurchen
- Schmerzempfindlichkeit bei Druck auf den Strahl
- Lahmheit in fortgeschrittenen Fällen
- Blutungen beim Auskratzen tiefer Stellen
Orthopädische Indikationen
- Hufschuhe zur Entlastung und zum Schutz nach Ausschneiden
- Orthopädischer Beschlag bei Fehlstellungen wie Zwanghuf
- Stützende Hilfsmittel bei Schonhaltung und sekundären Lahmheiten
- Hufverbände zur Sicherung medikamentöser Behandlung
Häufige Fragen
Wie erkenne ich Strahlfäule beim Pferd frühzeitig?
Achten Sie beim täglichen Auskratzen auf einen unangenehm fauligen Geruch, schwarzes Sekret und ungewöhnlich weiches Strahlhorn. Auch tiefer werdende Strahlfurchen sind ein Warnzeichen. Im Zweifel sollten Hufschmied oder Tierarzt das Pferd untersuchen.
Ist Strahlfäule ansteckend für andere Pferde?
Die beteiligten Bakterien kommen in der Stallumgebung natürlich vor. Eine direkte Ansteckung von Pferd zu Pferd ist selten, jedoch begünstigen gleiche Haltungsbedingungen, dass mehrere Pferde im selben Stall gleichzeitig erkranken.
Kann Strahlfäule zu dauerhaften Schäden führen?
Bei rechtzeitiger Behandlung heilt Strahlfäule meist folgenlos aus. Unbehandelt kann sie jedoch tiefere Hufstrukturen wie die Lederhaut schädigen, chronische Lahmheiten verursachen und die Hufmechanik dauerhaft beeinträchtigen.
Welche Rolle spielen orthopädische Hilfsmittel?
Bei Fehlstellungen oder geschwächtem Strahl können Hufschuhe, spezielle Beschläge oder Verbände den Huf entlasten, schützen und die natürliche Hufmechanik unterstützen. Die Auswahl sollte individuell mit Hufschmied und Tierarzt erfolgen.