Ausführlich
Die oberflächliche Beugesehne verläuft beim Pferd an der Rückseite der Gliedmaße vom Unterarm bzw. Unterschenkel über die Beugeseite des Karpal- bzw. Tarsalgelenks bis zur Fessel und endet an den Fesselbeinen sowie am Kronbein. Sie dient als wichtiger elastischer Bestandteil des Halteapparats und federt während der Belastungsphase die Bewegung ab. Besonders im Bereich zwischen Karpus und Fessel ist die Sehne anfällig für Schäden, da sie hier hohen Zugkräften ausgesetzt ist.
Eine Tendinitis entsteht meist durch eine Kombination aus chronischer Überlastung (z. B. im Galopprenn-, Spring- oder Vielseitigkeitssport) und akuten Belastungsspitzen. Mikroverletzungen einzelner Kollagenfasern summieren sich, bis es zu einer Faserzerreißung mit Einblutung, Ödem und entzündlicher Reaktion kommt. Auch tiefer Boden, Ermüdung, schlechte Hufstellung oder ein Tritt durch das eigene Pferd (Selbstverletzung) können auslöend wirken.
Typische Lokalisationen und Stadien
Mid-Metacarpal-Region: häufigste Stelle, meist an der Vordergliedmaße
Akute Phase: Wärme, Schwellung, Druckschmerz, Lahmheit
Subakute Phase: Rückgang der Entzündungszeichen, Beginn der Heilung
Chronische Phase: Verdickung der Sehne (‚Bananensehne‘), erhöhtes Rezidivrisiko
Die Diagnose erfolgt klinisch (Palpation, Lahmheitsuntersuchung) und bildgebend durch Ultraschall, der Größe, Lokalisation und Schweregrad der Läsion sichtbar macht. Die Heilung verläuft langsam, da Sehnengewebe schlecht durchblutet ist und Reparaturgewebe häufig weniger belastbar ist als die ursprüngliche Struktur.
Orthopädische Relevanz
In der Rehabilitation spielen kontrollierte Bewegung, angepasste Hufbearbeitung und stützende Hilfsmittel eine zentrale Rolle. Bandagen und Sehnenschoner können entlastend und stabilisierend wirken, ersetzen aber keine tierärztliche Therapie. Maßgefertigte orthopädische Hilfsmittel helfen, die Sehne in der Heilungsphase zu schützen und Belastungsspitzen zu reduzieren. Jede Therapie sollte individuell mit Tierarzt und Physiotherapeut abgestimmt werden.
Mögliche Symptome
Schwellung an der Rückseite des Röhrbeins
Wärme im betroffenen Sehnenbereich
Druck- und Berührungsempfindlichkeit
Lahmheit unterschiedlichen Grades
Sichtbare Verdickung der Sehne ('Bananensehne')
Verringerte Leistungsbereitschaft
Ödematöse Schwellung im Fesselbereich
Orthopädische Indikationen
Stützbandagen zur Entlastung in der Rehabilitationsphase
Sehnenschoner zur Prävention bei Sportpferden
Stabilisierende Gamaschen während kontrollierter Bewegung
Orthopädische Hilfsmittel zur Reduktion von Belastungsspitzen
Hilfsmittel zur Korrektur fehlerhafter Gliedmaßenstellung als Risikofaktor
Häufige Fragen
Die Heilung verläuft langsam und kann je nach Schweregrad mehrere Monate bis über ein Jahr in Anspruch nehmen. Eine schrittweise, tierärztlich begleitete Wiederbelastung ist entscheidend, um Rückfälle zu vermeiden.
Viele Pferde erreichen nach konsequenter Rehabilitation wieder ein gutes Leistungsniveau. Die Belastbarkeit hängt jedoch vom Ausmaß der Schädigung, der Heilungsqualität und der individuellen Disposition ab. Eine Rezidivneigung bleibt bestehen.
Gut angepasste Bandagen oder maßgefertigte Hilfsmittel können die Sehne in der Rehabilitationsphase stützen, Schwellungen reduzieren und vor erneuter Überlastung schützen. Sie sollten immer in Abstimmung mit dem behandelnden Tierarzt eingesetzt werden.
Wichtige Maßnahmen sind ein systematisches Aufwärmen, an die Leistungsfähigkeit angepasstes Training, geeigneter Bodengrund, regelmäßige Hufbearbeitung sowie der Einsatz von Sehnenschonern bei hoher Belastung. Auch Übergewicht und Ermüdung sollten vermieden werden.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit deinem Tierarzt.