Glossar T Tendinitis der oberflächlichen Beugesehne (Pferd)

Tendinitis der oberflächlichen Beugesehne (Pferd)

Die Tendinitis der oberflächlichen Beugesehne (OBS, lat. Musculus flexor digitorum superficialis) ist eine entzündliche Erkrankung der oberflächlichen Beugesehne beim Pferd, häufig infolge einer Überlastung oder akuten Faserzerreißung. Sie zählt zu den häufigsten Sehnenverletzungen beim Sportpferd und betrifft vor allem die Vordergliedmaßen. Umgangssprachlich wird sie auch als 'Sehnenschaden' bezeichnet.

Die oberflächliche Beugesehne verläuft beim Pferd an der Rückseite der Gliedmaße vom Unterarm bzw. Unterschenkel über die Beugeseite des Karpal- bzw. Tarsalgelenks bis zur Fessel und endet an den Fesselbeinen sowie am Kronbein. Sie dient als wichtiger elastischer Bestandteil des Halteapparats und federt während der Belastungsphase die Bewegung ab. Besonders im Bereich zwischen Karpus und Fessel ist die Sehne anfällig für Schäden, da sie hier hohen Zugkräften ausgesetzt ist.

Eine Tendinitis entsteht meist durch eine Kombination aus chronischer Überlastung (z. B. im Galopprenn-, Spring- oder Vielseitigkeitssport) und akuten Belastungsspitzen. Mikroverletzungen einzelner Kollagenfasern summieren sich, bis es zu einer Faserzerreißung mit Einblutung, Ödem und entzündlicher Reaktion kommt. Auch tiefer Boden, Ermüdung, schlechte Hufstellung oder ein Tritt durch das eigene Pferd (Selbstverletzung) können auslöend wirken.

Typische Lokalisationen und Stadien

  • Mid-Metacarpal-Region: häufigste Stelle, meist an der Vordergliedmaße
  • Akute Phase: Wärme, Schwellung, Druckschmerz, Lahmheit
  • Subakute Phase: Rückgang der Entzündungszeichen, Beginn der Heilung
  • Chronische Phase: Verdickung der Sehne (‚Bananensehne‘), erhöhtes Rezidivrisiko

Die Diagnose erfolgt klinisch (Palpation, Lahmheitsuntersuchung) und bildgebend durch Ultraschall, der Größe, Lokalisation und Schweregrad der Läsion sichtbar macht. Die Heilung verläuft langsam, da Sehnengewebe schlecht durchblutet ist und Reparaturgewebe häufig weniger belastbar ist als die ursprüngliche Struktur.

Orthopädische Relevanz

In der Rehabilitation spielen kontrollierte Bewegung, angepasste Hufbearbeitung und stützende Hilfsmittel eine zentrale Rolle. Bandagen und Sehnenschoner können entlastend und stabilisierend wirken, ersetzen aber keine tierärztliche Therapie. Maßgefertigte orthopädische Hilfsmittel helfen, die Sehne in der Heilungsphase zu schützen und Belastungsspitzen zu reduzieren. Jede Therapie sollte individuell mit Tierarzt und Physiotherapeut abgestimmt werden.

Mögliche Symptome

  • Schwellung an der Rückseite des Röhrbeins
  • Wärme im betroffenen Sehnenbereich
  • Druck- und Berührungsempfindlichkeit
  • Lahmheit unterschiedlichen Grades
  • Sichtbare Verdickung der Sehne ('Bananensehne')
  • Verringerte Leistungsbereitschaft
  • Ödematöse Schwellung im Fesselbereich

Orthopädische Indikationen

  • Stützbandagen zur Entlastung in der Rehabilitationsphase
  • Sehnenschoner zur Prävention bei Sportpferden
  • Stabilisierende Gamaschen während kontrollierter Bewegung
  • Orthopädische Hilfsmittel zur Reduktion von Belastungsspitzen
  • Hilfsmittel zur Korrektur fehlerhafter Gliedmaßenstellung als Risikofaktor

Häufige Fragen

Wie lange dauert die Heilung einer Tendinitis der oberflächlichen Beugesehne beim Pferd?

Die Heilung verläuft langsam und kann je nach Schweregrad mehrere Monate bis über ein Jahr in Anspruch nehmen. Eine schrittweise, tierärztlich begleitete Wiederbelastung ist entscheidend, um Rückfälle zu vermeiden.

Kann mein Pferd nach einem Sehnenschaden wieder voll belastet werden?

Viele Pferde erreichen nach konsequenter Rehabilitation wieder ein gutes Leistungsniveau. Die Belastbarkeit hängt jedoch vom Ausmaß der Schädigung, der Heilungsqualität und der individuellen Disposition ab. Eine Rezidivneigung bleibt bestehen.

Welche Rolle spielen Bandagen bei der Sehnenheilung?

Gut angepasste Bandagen oder maßgefertigte Hilfsmittel können die Sehne in der Rehabilitationsphase stützen, Schwellungen reduzieren und vor erneuter Überlastung schützen. Sie sollten immer in Abstimmung mit dem behandelnden Tierarzt eingesetzt werden.

Wie kann ich einer Tendinitis vorbeugen?

Wichtige Maßnahmen sind ein systematisches Aufwärmen, an die Leistungsfähigkeit angepasstes Training, geeigneter Bodengrund, regelmäßige Hufbearbeitung sowie der Einsatz von Sehnenschonern bei hoher Belastung. Auch Übergewicht und Ermüdung sollten vermieden werden.

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