Glossar U Überbein (Pferd)

Überbein (Pferd)

Als Überbein bezeichnet man beim Pferd eine knöcherne Zubildung (Exostose), die meist am Röhrbein im Bereich der Griffelbeine entsteht. Es handelt sich um eine reaktive Knochenneubildung infolge mechanischer Reizung, Entzündung oder Verletzung des Periosts (Knochenhaut). Überbeine treten besonders häufig an den Vordergliedmaßen junger Pferde auf und können je nach Lage und Größe lahmheitsrelevant sein.

Das Überbein (medizinisch Exostose) ist eine der häufigsten orthopädischen Veränderungen am Pferdebein. Es entsteht durch eine Reizung der Knochenhaut (Periost), die mit einer überschießenden Knochenneubildung reagiert. Typische Lokalisationen sind die Innenseite des Röhrbeins entlang des inneren Griffelbeins (Os metacarpale II) sowie die Außenseite des äußeren Griffelbeins. Auch an anderen Knochen, etwa am Sprunggelenk (sogenannter Spat) oder am Fesselbein, können vergleichbare knöcherne Zubildungen auftreten.

Ursachen beim Pferd

Überbeine entstehen multifaktoriell. Häufige Auslöser sind Mikrotraumen durch harte Böden, Fehlstellungen der Gliedmaßen (z. B. bodenenge oder zehenweite Stellung), unphysiologische Belastung durch zu frühes Antrainieren junger Pferde, direkte Schläge oder Tritte sowie ungleichmäßiger Hufbeschlag. Bei jungen Pferden spielt zudem die noch nicht vollständig stabile Verbindung zwischen Röhr- und Griffelbein eine Rolle, da hier Scherkräfte zu periostalen Reizungen führen können.

Klinische Bedeutung

Ob ein Überbein eine Lahmheit verursacht, hängt entscheidend von seiner Lage ab. Liegt die Zubildung nahe an Sehnen, Bändern oder Gelenken, kann sie diese Strukturen mechanisch irritieren. Akute, frisch entstehende Überbeine sind häufig schmerzhaft, warm und geschwollen. Ältere, ausgereifte Überbeine sind meist hart, kühl und oft klinisch stumm – sie stellen dann lediglich einen kosmetischen Befund dar.

Orthopädische Relevanz

In der Akutphase steht die Entlastung im Vordergrund. Orthopädische Hilfsmittel wie Schutzgamaschen oder individuell angepasste Bandagen können das betroffene Areal vor weiteren Schlägen und Reizungen schützen. Bei Fehlstellungen, die ein Überbein begünstigt haben, ist eine orthopädische Hufkorrektur sinnvoll. In ausgeprägten Fällen mit anhaltender Lahmheit kommen entzündungshemmende Behandlungen oder chirurgische Maßnahmen in Betracht – die Entscheidung trifft der Tierarzt.

  • Lokalisation: meist innenseitig am Röhrbein im Griffelbeinbereich
  • Häufig betroffen: junge Pferde im Antraining, Pferde mit Stellungsfehlern
  • Diagnostik: Adspektion, Palpation, Röntgen

Mögliche Symptome

  • Sichtbare oder tastbare harte Schwellung am Röhrbein
  • Wärme und Druckempfindlichkeit in der Akutphase
  • Lahmheit, besonders auf hartem Boden
  • Verkürzter Bewegungsablauf der betroffenen Gliedmaße
  • Geschwollene Knochenhaut über der betroffenen Stelle
  • Vermehrtes Stolpern oder Taktunreinheiten

Orthopädische Indikationen

  • Schutzbandagen oder Gamaschen zur Prävention weiterer Schläge
  • Individuell gepolsterte Bandagen zur Druckentlastung in der Akutphase
  • Orthopädische Beschlagskorrektur bei Stellungsfehlern
  • Stützende Hilfsmittel bei Reha nach chirurgischer Abtragung
  • Schlagschutz bei Pferden mit chronisch belasteten Griffelbeinen

Häufige Fragen

Ist ein Überbein beim Pferd immer ein Problem?

Nein. Viele Überbeine sind nach Abschluss der Knochenneubildung klinisch unauffällig und stellen nur einen kosmetischen Befund dar. Problematisch werden sie vor allem dann, wenn sie sich nahe an Sehnen, Bändern oder Gelenken befinden oder in der akuten Entstehungsphase Schmerzen verursachen.

Kann ich ein Überbein durch Bandagen oder Gamaschen vorbeugen?

Schutzgamaschen und passende Bandagen können das Risiko mechanischer Reizungen durch Schläge oder Tritte deutlich senken, insbesondere bei jungen oder eng stehenden Pferden. Eine vollständige Vorbeugung ist jedoch nicht möglich, da auch Fehlstellungen und Trainingsfehler eine Rolle spielen.

Wie wird ein Überbein beim Pferd diagnostiziert?

Die Diagnose erfolgt durch den Tierarzt mittels klinischer Untersuchung, Abtasten und in der Regel Röntgenaufnahmen. So lässt sich Größe, Lage und Reifegrad der Knochenzubildung beurteilen und die Therapie entsprechend planen.

Verschwindet ein Überbein wieder von selbst?

Einmal gebildete Knochenzubildungen bilden sich in der Regel nicht zurück. Die akute Entzündung kann jedoch abklingen, sodass das Überbein hart und schmerzfrei wird. In manchen Fällen verkleinert sich die sichtbare Schwellung durch Rückgang des Weichteilanteils.

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