Glossar K Krallendeformation (Lama)

Krallendeformation (Lama)

Krallendeformation beim Lama bezeichnet krankhafte Veränderungen der Zehennägel (Krallen), die durch Wachstumsstörungen, falsche Haltung oder mangelnde Pflege entstehen. Die häufigste Form ist das übermäßige Längenwachstum mit Verbiegungen, das zu Fehlstellungen der Zehen und Lahmheiten führt. Krallendeformationen beeinträchtigen die Gewichtsverteilung und können chronische Gelenkprobleme verursachen.

Lamas besitzen an jeder Gliedmaße zwei funktionale Zehen mit verhornten Krallen (Zehennägeln) sowie weichen Sohlenballen. Im Gegensatz zu Huftieren wie Pferden oder Rindern nutzen sich die Krallen bei domestizierten Lamas auf weichen Untergründen oft nicht ausreichend ab, wodurch es zu übermäßigem Wachstum und Deformationen kommt. Die Krallen wachsen kontinuierlich und können sich bei fehlender natürlicher Abnutzung spiralförmig einrollen oder nach innen bzw. außen verbiegen.

Ursachen und Entstehung

Die Hauptursache für Krallendeformationen bei Lamas ist die Haltung auf weichen, nicht abrasiven Böden wie Gras oder Stallmatten ohne ausreichende Laufmöglichkeiten auf hartem Untergrund. Weitere Faktoren sind genetische Veranlagung zu schnellerem Krallenwachstum, Übergewicht mit ungleichmäßiger Belastung der Zehen, Fehlstellungen der Gliedmaßen sowie Stoffwechselerkrankungen. Auch entzündliche Prozesse im Zehenbereich oder vorangegangene Verletzungen können zu abnormalem Krallenwachstum führen. In der Wildnis nutzen sich die Krallen durch das Laufen auf steinigem Terrain natürlich ab – eine Bedingung, die in der Domestikation oft fehlt.

Orthopädische Folgen

Deformierte Krallen verändern die Biomechanik der gesamten Gliedmaße. Überlange oder verbogene Krallen zwingen das Lama zu einer abnormalen Zehenstellung, was zu Fehlbelastungen der Gelenke (Fesselgelenk, Vorderfußwurzel- bzw. Sprunggelenk) führt. Chronische Fehlstellungen können Arthrose, Sehnenentzündungen und Schäden an den Sohlenballen verursachen. In schweren Fällen wachsen Krallen in die Ballen ein, was zu schmerzhaften Entzündungen und Infektionen führt. Die veränderte Gewichtsverteilung belastet auch die kontralaterale Gliedmaße übermäßig.

Behandlung und Prävention

Die Korrektur erfolgt durch fachgerechtes Schneiden und Trimmen der Krallen durch erfahrene Tierärzte oder spezialisierte Hufpfleger. Bei schweren Deformationen muss schrittweise über mehrere Sitzungen korrigiert werden, um die Blutgefäße (Corium) nicht zu verletzen. Regelmäßige Kontrollen alle 6-12 Wochen sind essentiell. Unterstützend können temporäre Bandagen bei entzündeten Ballen oder spezielle Schutzschuhe eingesetzt werden. Tierorthopädische Hilfsmittel wie individuell angepasste Sohlenschutzpolster können bei fortgeschrittenen Gelenkproblemen die Rehabilitation unterstützen. Präventiv sollten Lamas Zugang zu befestigten Laufflächen haben und regelmäßig einer Klauenpflege unterzogen werden.

Mögliche Symptome

  • Überlange, eingerollte oder verbogene Krallen
  • Lahmheit und ungleichmäßiger Gang
  • Abnormale Zehenstellung
  • Schmerzhafte Sohlenballen
  • Entzündungen im Zehenbereich
  • Entlastung einzelner Gliedmaßen
  • Bewegungsunlust
  • Gelenksschwellungen

Orthopädische Indikationen

  • Schutzschuhe bei schmerzhaften Sohlenballen
  • Weichpolsternde Bandagen nach Krallenkorrektur
  • Sohlenschutzpolster bei chronischen Fehlbelastungen
  • Temporäre Entlastungsbandagen bei Sehnenentzündungen
  • Unterstützende Gelenkbandagen bei sekundärer Arthrose

Häufige Fragen

Wie oft müssen die Krallen beim Lama geschnitten werden?

Bei den meisten Lamas in Haushaltung ist eine Krallenpflege alle 6-12 Wochen notwendig. Die Häufigkeit hängt vom individuellen Wachstum, der Haltungsform und der Bodenbeschaffenheit ab. Lamas mit Zugang zu Steinwegen benötigen seltener Pflege als solche auf reinen Grasflächen.

Können Krallendeformationen beim Lama dauerhaften Schaden verursachen?

Ja, unbehandelte Krallendeformationen führen zu chronischen Fehlstellungen der Gelenke, Sehnenschäden und Arthrose. Je länger die Fehlbelastung besteht, desto schwieriger ist die vollständige Rehabilitation. Frühzeitige und regelmäßige Korrektur verhindert bleibende Schäden am Bewegungsapparat.

Was kann ich als Halter vorbeugend gegen Krallendeformationen tun?

Wichtig sind regelmäßige Kontrollen der Krallen, befestigte Laufflächen im Auslauf (z.B. Kieswege), ausreichend Bewegung und Vermeidung von Übergewicht. Planen Sie alle 2-3 Monate eine professionelle Klauenpflege ein, auch wenn keine sichtbaren Probleme vorliegen. Bei ersten Anzeichen von Veränderungen sollte umgehend ein Tierarzt konsultiert werden.

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