Der Beugesehnenstelzfuß ist eine angeborene oder erworbene Fehlstellung der distalen Gliedmaße beim Alpaka, bei der die Zehengelenke aufgrund verkürzter oder kontrahierter Beugesehnen überstreckt sind. Die betroffenen Tiere stehen auf den Zehenspitzen oder sogar auf der dorsalen Fläche der Phalangen, was zu einer charakteristischen stelzartigen Haltung führt. Diese Deformation betrifft häufig Neugeborene (kongenital) oder entwickelt sich im Wachstum durch Ungleichgewicht zwischen Knochen- und Sehnenwachstum.
Der Beugesehnenstelzfuß (auch als Beugesehnenkontraktur oder kongenitale Flexurdeformität bezeichnet) ist eine der häufigsten orthopädischen Erkrankungen bei neugeborenen Alpakas. Die Erkrankung ist durch eine pathologische Verkürzung der tiefen und/oder oberflächlichen Beugesehne gekennzeichnet, wodurch das Fesselgelenk, das Krongelenk oder beide Zehengelenke nicht vollständig gestreckt werden können. Die betroffenen Fohlen zeigen eine deutlich aufrechte Zehenstellung bis hin zum Durchtreten, bei dem die dorsale Fläche der Phalangen den Boden berührt.
Bei Alpakas unterscheidet man zwischen angeborenen (kongenitalen) und erworbenen Formen. Die kongenitale Form tritt bereits bei der Geburt auf und wird auf intrauterine Fehlentwicklungen, genetische Faktoren oder Platzmangel im Uterus zurückgeführt. Die erworbene Form entwickelt sich typischerweise während der ersten Lebensmonate durch ein Missverhältnis zwischen dem schnellen Längenwachstum der Röhrenknochen und dem langsameren Wachstum der Sehnenstrukturen. Ernährungsfaktoren, insbesondere eine zu energie- und eiweißreiche Fütterung, können das Ungleichgewicht verstärken.
Betroffene anatomische Strukturen
Die Erkrankung betrifft primär die tiefe Beugesehne (Musculus flexor digitalis profundus) und die oberflächliche Beugesehne (Musculus flexor digitalis superficialis), die über das Fesselgelenk (Articulatio metacarpophalangea) und das Krongelenk (Articulatio interphalangea proximalis) verlaufen. Bei schweren Fällen sind auch die Unterstützungsbänder und die Gelenkkapsel kontrahiert. Die Zweizehigkeit der Alpakas bedeutet, dass beide Zehen einer Gliedmaße betroffen sein können, wobei oft eine symmetrische Ausprägung an beiden Vordergliedmaßen oder beiden Hintergliedmaßen vorliegt.
Orthopädische Versorgung und Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach Schweregrad und Alter des Tieres. Bei leichten bis mittelschweren Fällen im Neugeborenenalter zeigen konservative Maßnahmen wie kontrollierte Bewegung, manuelle Dehnung und physikalische Therapie oft gute Erfolge. Orthopädische Hilfsmittel spielen eine zentrale Rolle in der Therapie: Spezielle Korrekturbandagen und dynamische Orthesen können die betroffenen Gelenke in eine gestreckte Position bringen und das Sehnengewebe graduell dehnen. Bei ausgewachsenen Tieren oder chronischen Fällen können maßgefertigte Orthesen die Belastungsverteilung optimieren und Sekundärschäden an Gelenken und Haut verhindern. In schweren Fällen kann eine chirurgische Tenotomie (Sehnendurchtrennung) notwendig sein, gefolgt von orthopädischer Nachversorgung mit Schienenverbänden oder Orthesen.
Die Prognose ist bei frühzeitiger Intervention im Neugeborenenalter gut bis sehr gut, während chronische Fälle bei adulten Tieren oft zu dauerhaften Bewegungseinschränkungen führen. Unbehandelt kann der Beugesehnenstelzfuß zu schweren Sekundärschäden wie Gelenkarthrosen, Druckstellen und Hautläsionen führen, die die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen.
Mögliche Symptome
- Aufrechte Zehenstellung
- Stehen auf den Zehenspitzen
- Durchtreten mit Bodenkontakt der dorsalen Zehenfläche
- Steifes, stelzenartiges Gangbild
- Eingeschränkte Beweglichkeit der Zehengelenke
- Überlastung der dorsalen Zehenfläche
- Druckstellen an den Zehengelenken
- Schwierigkeiten beim Aufstehen
- Verzögertes Wachstum bei betroffenen Fohlen
- Schmerzhafte Gelenke bei chronischen Fällen
Orthopädische Indikationen
- Korrekturorthesen zur graduellen Streckung der Zehengelenke
- Dynamische Bandagen zur Sehnendehnung
- Stabilisierende Orthesen nach Sehnendurchtrennung
- Entlastungsorthesen zur Druckumverteilung
- Schienenverbände für Neugeborene
- Maßgefertigte Stützbandagen zur Gelenkstabilisierung
- Nachtlagerungsschienen zur passiven Dehnung
Häufige Fragen
Kann sich ein Beugesehnenstelzfuß bei Alpaka-Fohlen von selbst zurückbilden?
Leichte Formen können sich in den ersten Lebenstagen durch die natürliche Bewegung und Belastung teilweise verbessern. Mittelschwere bis schwere Fälle benötigen jedoch therapeutische Intervention. Je früher die Behandlung beginnt, desto besser sind die Heilungschancen. Ohne Behandlung verschlechtert sich die Fehlstellung meist und führt zu bleibenden Schäden. Ein Tierarzt sollte bereits in den ersten 24-48 Stunden nach der Geburt konsultiert werden.
Wie lange muss eine Orthese bei einem Alpaka mit Beugesehnenstelzfuß getragen werden?
Die Tragedauer hängt vom Schweregrad und Alter des Tieres ab. Bei Neugeborenen können 2-6 Wochen ausreichen, wenn die Behandlung frühzeitig beginnt. Die Orthese wird meist graduell in der Tragezeit reduziert, beispielsweise von 24 Stunden täglich auf nur noch nächtliches Tragen. Bei chronischen Fällen oder nach chirurgischen Eingriffen kann eine längerfristige oder dauerhafte orthopädische Versorgung notwendig sein. Der behandelnde Tierarzt überwacht den Fortschritt und passt die Therapie entsprechend an.
Können erwachsene Alpakas noch einen Beugesehnenstelzfuß entwickeln?
Während die Erkrankung primär Neugeborene und Jungtiere im Wachstum betrifft, können auch erwachsene Alpakas eine erworbene Beugesehnenkontraktur entwickeln. Ursachen sind meist langfristige Fehlbelastungen, chronische Entzündungen der Sehnen, Verletzungen oder neurologische Erkrankungen. Die Behandlung bei adulten Tieren ist komplexer und die Prognose zurückhaltender als bei Jungtieren, da die Sehnenstrukturen weniger anpassungsfähig sind. Maßgefertigte Orthesen können jedoch auch hier die Lebensqualität deutlich verbessern.