Ausführlich
Die Enzootische Ataxie (Swayback) ist eine in Schafbeständen weltweit auftretende Mangelerkrankung, die durch eine unzureichende Kupferversorgung des Muttertieres während der Trächtigkeit entsteht. Kupfer ist essenziell für die Bildung von Myelin, der Schutzschicht um Nervenfasern. Fehlt es während der embryonalen und frühen postnatalen Entwicklung, kommt es zu einer mangelhaften Myelinisierung im Gehirn und Rückenmark der Lämmer.
Anatomischer und biochemischer Hintergrund
Betroffen sind vor allem die motorischen Bahnen des Rückenmarks sowie die weiße Substanz des Großhirns. Die Demyelinisierung führt dazu, dass Nervensignale für die Bewegungssteuerung nur unzureichend weitergeleitet werden. Besonders die Hinterhand der Lämmer ist betroffen, da die langen absteigenden Bahnen empfindlich auf die Schädigung reagieren.
Ursachen beim Schaf
Primärer Kupfermangel durch kupferarme Böden und Futtermittel
Sekundärer Kupfermangel durch hohe Molybdän-, Schwefel- oder Eisengehalte im Futter, die die Kupferaufnahme blockieren
Unzureichende Mineralstoffergänzung tragender Auen
Genetische Prädisposition einzelner Rassen für eine schlechtere Kupferverwertung
Verlaufsformen
Man unterscheidet eine kongenitale Form, bei der Lämmer bereits mit deutlichen neurologischen Ausfällen geboren werden, und eine verzögerte Form, die sich erst in den ersten Lebenswochen bis -monaten manifestiert. Bei der verzögerten Form entwickeln sich Lämmer zunächst unauffällig und zeigen erst später Koordinationsstörungen.
Orthopädische Relevanz
Auch wenn die Ursache neurologisch ist, äußert sich die Erkrankung vor allem orthopädisch in Form von Gangbildstörungen, Schwäche und sekundären Fehlhaltungen. Lämmer mit verzögerter Form und stabilem Allgemeinzustand können von stützenden Hilfsmitteln wie individuell angefertigten Orthesen für die Hintergliedmaßen profitieren, die ein Einknicken verhindern und das Training der Restmuskulatur unterstützen. Eine sorgfältige tierärztliche Abklärung und Versorgung ist Voraussetzung.
Mögliche Symptome
Schwäche der Hinterhand
Schwankender, unkoordinierter Gang (Swayback)
Einknicken in den Hintergliedmaßen
Festliegen bei stärkerer Ausprägung
Verzögerte motorische Entwicklung
Spreizbeinigkeit
Aufstehprobleme
Stolpern und Stürzen
Orthopädische Indikationen
Stütz- und Führungsorthesen für die Hintergliedmaßen bei Restmobilität
Korrekturhilfen gegen Einknicken im Tarsalgelenk
Bandagen zur Stabilisierung schwacher Gelenke
Hilfsmittel zur Unterstützung beim Aufstehen und Stehen
Trainingsorthesen zur Förderung der verbliebenen Muskulatur
Häufige Fragen
Eine bereits eingetretene Demyelinisierung ist nicht rückgängig zu machen. Eine frühzeitige Kupfersupplementierung der Muttertiere kann jedoch weitere Fälle im Bestand verhindern. Betroffene Lämmer können je nach Schweregrad mit unterstützenden Maßnahmen ein gewisses Maß an Mobilität erreichen. Die Therapieentscheidung trifft immer der Tierarzt.
Bei der verzögerten Form mit erhaltener Restfunktion können maßgefertigte Orthesen die Hintergliedmaßen stabilisieren und das Einknicken verhindern. So wird Bewegung erleichtert und die Muskulatur trainiert. Voraussetzung ist eine tierärztliche Abklärung und ein stabiler Allgemeinzustand des Tieres.
Wichtig ist eine bedarfsgerechte Versorgung tragender Auen mit Kupfer, abgestimmt auf Bodenanalysen, Futterzusammensetzung und Rasse. Da Schafe empfindlich auf Kupferüberversorgung reagieren, sollte die Supplementierung immer in Absprache mit dem Bestandstierarzt erfolgen.
Lämmer mit kongenitaler Form zeigen Symptome bereits ab der Geburt. Die verzögerte Form tritt meist im Alter von zwei bis sechs Wochen, gelegentlich auch erst später, auf. Erste Anzeichen sind oft ein unsicherer Gang und Schwäche der Hinterhand.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit eurem Tierarzt.