Ausführlich
Die Capture Myopathy, auch als Fangmyopathie oder Belastungsmyopathie bekannt, ist ein bei Wildtieren gefürchtetes Syndrom, das im Zusammenhang mit Fang-, Transport- oder Immobilisationsmaßnahmen auftritt. Betroffen sind vor allem Huftiere wie Rehe, Hirsche, Gämsen, Antilopen und Zebras, aber auch Vögel wie Kraniche und Flamingos sowie gelegentlich Raubtiere. Die Erkrankung entsteht durch eine massive Ausschüttung von Stresshormonen (Katecholaminen) in Kombination mit anaerober Muskelarbeit während Flucht- oder Abwehrreaktionen.
Pathophysiologisch kommt es zu einer Übersäuerung der Muskulatur (Laktatazidose), zu Zellschäden mit Freisetzung von Myoglobin und Kalium sowie zu einer Rhabdomyolyse. Das freigesetzte Myoglobin belastet die Nieren und kann ein akutes Nierenversagen auslösen. Gleichzeitig entstehen Herzmuskelschäden und Elektrolytentgleisungen.
Betroffene Strukturen und orthopädische Relevanz
Aus orthopädischer Sicht sind vor allem die großen Bewegungsmuskeln der Hinterhand, der Rückenmuskulatur und der Schultergürtel betroffen. Muskelnekrosen können zu bleibenden Bewegungseinschränkungen, Muskelkontrakturen oder Nervenschäden führen. Nicht selten treten in Folge Lähmungen einzelner Gliedmaßen, Sehnenverkürzungen oder Fehlbelastungen auf, die eine orthopädische Versorgung mit Bandagen, Schienen oder Orthesen erforderlich machen können.
Ursachen und Risikofaktoren
Langes Hetzen oder Treiben während des Fangs
Unsachgemäße Immobilisation oder Narkose
Lange Transportzeiten unter Stress
Hohe Umgebungstemperaturen
Vorerkrankungen oder schlechter Ernährungszustand
Netzfang, Fallen oder Lassoeinsatz
Behandlung und Prävention
Die Behandlung erfolgt ausschließlich tierärztlich und umfasst Flüssigkeitstherapie, Ausgleich des Säure-Basen-Haushalts, Muskelrelaxation und ggf. Sedierung. Bei bleibenden Bewegungsstörungen kann eine tierorthopädische Nachversorgung sinnvoll sein, etwa durch Stützbandagen bei Wildtieren in menschlicher Obhut (Wildparks, Auffangstationen). Prävention durch ruhige Fangtechniken, kurze Handlingzeiten und erfahrene Teams ist entscheidend.
Mögliche Symptome
Muskelzittern und Muskelsteifheit
Bewegungsunlust bis Festliegen
Ataxie und Gleichgewichtsstörungen
Lähmungserscheinungen an Gliedmaßen
Dunkler, myoglobinhaltiger Urin
Erhöhte Atem- und Herzfrequenz
Hyperthermie
Schwäche und Kollaps
Orthopädische Indikationen
Stützbandagen bei bleibender Muskelschwäche der Gliedmaßen
Orthesen zur Stabilisierung bei Lähmungen nach Muskelnekrosen
Schienenversorgung bei Sehnenkontrakturen als Spätfolge
Korrekturhilfen bei Fehlbelastungen einzelner Gliedmaßen
Unterstützende Bandagen in der Rehabilitationsphase in Auffangstationen
Häufige Fragen
Die Prognose hängt vom Schweregrad und der Schnelligkeit der tierärztlichen Versorgung ab. Leichte Formen können mit intensiver Behandlung ausheilen, schwere Verläufe enden häufig tödlich oder hinterlassen bleibende Bewegungsstörungen, die eine orthopädische Nachversorgung erfordern können.
Eine Versorgung mit Bandagen oder Orthesen kommt vor allem bei Wildtieren in menschlicher Obhut in Frage, etwa in Wildparks, Zoos oder Auffangstationen, wenn nach überstandener Capture Myopathy bleibende Muskel-, Sehnen- oder Nervenschäden zu Fehlbelastungen führen. Die Entscheidung trifft immer der behandelnde Tierarzt.
Die wichtigste Prävention ist die Minimierung von Stress bei Fang und Transport durch erfahrene Teams, kurze Handlingzeiten, angepasste Sedierung und schonende Fangmethoden. Auch die Vermeidung von Hitze und langen Fluchtstrecken senkt das Risiko deutlich.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit deinem Tierarzt.