Ausführlich
Das Fesselgelenk (Articulatio metacarpophalangea bzw. metatarsophalangea) ist beim Lama ein wichtiges Bewegungsgelenk zwischen dem Röhrbein und der Fesselregion. Anders als beim Pferd besitzt das Lama an jeder Gliedmaße zwei Zehen mit weichen Sohlenballen, wodurch die Belastung anders verteilt wird. Dennoch ist das Fesselgelenk starken Zug- und Druckkräften ausgesetzt und wird durch mehrere Seiten- und Gleichbeinbänder stabilisiert.
Bei einer Distorsion werden diese Bänder über ihr physiologisches Maß hinaus gedehnt. Man unterscheidet Grad I (leichte Überdehnung), Grad II (Teilruptur einzelner Fasern) und Grad III (nahezu vollständige Ruptur mit Instabilität). Auch die Gelenkkapsel und die Synovialmembran können mit betroffen sein, was zu einem Gelenkerguss (Fesselgalle) führen kann.
Typische Ursachen beim Lama
Umknicken auf unebenem, steinigem oder matschigem Boden
Rangkämpfe innerhalb der Herde mit plötzlichen Ausweichbewegungen
Ausrutschen auf nassem Untergrund oder gefrorenen Flächen
Fehltritte beim Verladen oder auf Transportfahrzeugen
Chronische Überlastung durch Fehlstellungen oder unzureichende Klauenpflege
Orthopädische Relevanz
Da Lamas als Fluchttiere Schmerzen oft lange kompensieren, wird eine Distorsion nicht selten erst spät erkannt. Unbehandelt kann sie zu chronischer Instabilität, Arthrose des Fesselgelenks und dauerhaften Fehlbelastungen der gesamten Gliedmaße führen. Die zweite, gesunde Zehe wird häufig überlastet, was sekundäre Probleme nach sich ziehen kann.
Die tierärztliche Diagnostik umfasst klinische Untersuchung, Palpation, Beugeproben sowie bildgebende Verfahren wie Röntgen und Ultraschall. Die Therapie richtet sich nach dem Schweregrad und reicht von Ruhigstellung und entzündungshemmender Medikation bis hin zu einer maßgefertigten Orthese, die das Gelenk stabilisiert und gleichzeitig eine kontrollierte Bewegung erlaubt. Bandagen und Fesselgelenksorthesen aus der Trittwerk-Manufaktur können dabei helfen, das Gelenk während der Heilung zu entlasten und Rezidive zu vermeiden.
Mögliche Symptome
Lahmheit an der betroffenen Gliedmaße
Schwellung im Fesselbereich
Wärme und Schmerzhaftigkeit bei Palpation
Schonhaltung, entlastendes Stehen
Reduzierte Belastung der Zehe
Steifer Gang, besonders nach Ruhephasen
Gelenkerguss (weiche Umfangsvermehrung)
Orthopädische Indikationen
Stabilisierende Fesselgelenksorthese zur Ruhigstellung
Bandage zur Kompression und Ödemreduktion
Entlastungsorthese bei chronischer Instabilität
Unterstützende Versorgung bei sekundärer Arthrose
Postoperative Stabilisierung nach Bandnaht
Häufige Fragen
Typische Anzeichen sind plötzliche Lahmheit, eine warme, geschwollene Fesselregion und eine Schonhaltung der betroffenen Gliedmaße. Da Lamas Schmerzen gut verbergen, sollten auch subtile Veränderungen im Gangbild ernst genommen und tierärztlich abgeklärt werden.
Die Heilungsdauer hängt vom Schweregrad ab. Leichte Distorsionen heilen bei konsequenter Ruhigstellung oft innerhalb von 3-6 Wochen, während schwerere Bandverletzungen mehrere Monate benötigen können. Eine stabilisierende Orthese kann den Heilungsprozess unterstützen.
Bei leichten bis mittelgradigen Distorsionen kann eine maßgefertigte Orthese eine sinnvolle Alternative oder Ergänzung zur konservativen Therapie sein. Bei schweren Bandrupturen entscheidet der Tierarzt individuell, ob eine chirurgische Versorgung notwendig ist und wie die Nachversorgung orthopädisch begleitet werden sollte.
Sichere, ebene Untergründe, regelmäßige Klauenpflege, ausreichend Bewegung zur Muskelstärkung und ein sicherer Transport reduzieren das Risiko. Auch das frühzeitige Erkennen von Fehlstellungen und die Vermeidung von Überlastung sind wichtige Präventionsmaßnahmen.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit deinem Tierarzt.