Ausführlich
Das Fesselringband ist eine kräftige, querverlaufende Bindegewebsstruktur an der Rückseite des Fesselgelenks. Es bildet zusammen mit dem Sesambein einen tunnelartigen Kanal, durch den die oberflächliche und tiefe Beugesehne ziehen. Im gesunden Zustand hält das Ringband die Sehnen sicher in ihrer Gleitbahn. Beim Fesselringbandsyndrom kommt es zu einem Missverhältnis zwischen dem Volumen der Sehnen und dem Platz innerhalb des Kanals: entweder durch Verdickung des Ringbands selbst, durch Schwellung der Beugesehnen oder durch Veränderungen der Sehnenscheide.
Anatomische Grundlagen und Pathogenese
Die Einengung kann primär (Verdickung des Ringbands selbst, z. B. nach Trauma) oder sekundär (durch Tendinitis, Tenosynovitis oder Sesambeinerkrankungen) entstehen. Durch den dauerhaften Druck auf die Sehnen und die Sehnenscheide entwickelt sich eine chronische Entzündung, häufig begleitet von einer Tendovaginitis (Galle der Fesselbeuge). Besonders betroffen sind Sport- und Springpferde, da sie das Fesselgelenk stark belasten.
Klinische Befunde
Stützbeinlahmheit, oft mittel- bis hochgradig
Sichtbare „Kerbe“ oder Einschnürung oberhalb des Fesselkopfs
Druckdolenz im Bereich der Fesselbeuge
Vermehrte Füllung der Beugesehnenscheide
Verstärkung der Lahmheit nach Beugeprobe
Diagnostik
Die Diagnose erfolgt durch eine klinische Untersuchung, Beugeproben, diagnostische Anästhesie sowie bildgebende Verfahren wie Ultraschall und gegebenenfalls MRT. Der Ultraschall zeigt typischerweise eine verdickte Ringbandstruktur sowie Veränderungen an den Beugesehnen oder der Sehnenscheide.
Orthopädische Relevanz
Konservative Therapieansätze umfassen Ruhe, kontrolliertes Bewegungsmanagement, entzündungshemmende Behandlung sowie unterstützende Bandagen zur Stabilisierung und Druckverteilung. In hartnäckigen Fällen wird das Fesselringband chirurgisch gespalten (Desmotomie). Maßgefertigte Bandagen oder orthopädische Hilfsmittel können in der Rehabilitationsphase die Fesselbeuge entlasten, die Sehnen schützen und die Rückkehr zur Belastung kontrolliert begleiten.
Mögliche Symptome
Stützbeinlahmheit
Sichtbare Einschnürung an der Fesselbeuge
Schwellung der Beugesehnenscheide
Druckschmerz im Bereich des Fesselringbands
Positive Beugeprobe
Bewegungsunlust, verkürzter Schritt
Verschlechterung der Lahmheit unter Belastung
Orthopädische Indikationen
Stabilisierende Bandage zur Entlastung der Fesselbeuge
Postoperative Unterstützung nach Ringbandspaltung
Schutz und Kompression bei Tendovaginitis
Rehabilitation nach Beugesehnenerkrankungen
Kontrollierte Wiederbelastung im Aufbautraining
Häufige Fragen
Typisch sind eine zunehmende Lahmheit, eine sichtbare Einschnürung oberhalb des Fesselkopfs sowie eine geschwollene Fesselbeuge. Da sich diese Symptome mit anderen Sehnen- und Gelenkerkrankungen überschneiden, ist eine tierärztliche Abklärung mit Ultraschall unbedingt notwendig.
Die Prognose hängt stark von der Ursache und der Dauer der Erkrankung ab. Bei rechtzeitiger Diagnose sind konservative Therapie oder eine chirurgische Spaltung des Ringbands oft erfolgreich. Chronische Fälle mit Sehnenschäden haben eine vorsichtigere Prognose. Die individuelle Einschätzung trifft der behandelnde Tierarzt.
Maßgefertigte Bandagen können die Fesselbeuge stabilisieren, Druck und Belastung gleichmäßig verteilen und die Sehnen vor erneuter Reizung schützen. Besonders in der Rehabilitationsphase und nach operativen Eingriffen unterstützen sie die kontrollierte Wiederbelastung.
Viele Pferde kehren nach erfolgreicher Therapie in ihren ursprünglichen Leistungsbereich zurück. Voraussetzung ist ein strukturierter Aufbau, eine vollständige Heilung der beteiligten Strukturen und eine engmaschige Kontrolle durch Tierarzt und Physiotherapeut.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit eurem Tierarzt.