Ausführlich
Die Glässer-Krankheit (Polyserositis und Arthritis des Schweins) ist eine systemische Infektionskrankheit, die vor allem Absatzferkel und Jungtiere zwischen der 4. und 12. Lebenswoche betrifft. Erreger ist das gramnegative Bakterium Glaesserella parasuis , das auch bei klinisch gesunden Tieren im oberen Respirationstrakt vorkommt. Stressfaktoren wie Absetzen, Umstallung, Transport oder begleitende Virusinfektionen (z. B. PRRS, Influenza) können den Ausbruch begünstigen.
Pathogenese und betroffene Strukturen
Nach der Erregeraufnahme über die Atemwege gelangt das Bakterium in die Blutbahn und siedelt sich auf serösen Häuten an. Es kommt zu fibrinösen bis fibrinös-eitrigen Entzündungen von Gelenkkapseln (Polyarthritis), Brustfell (Pleuritis), Herzbeutel (Perikarditis), Bauchfell (Peritonitis) und Hirnhäuten (Meningitis). Besonders häufig sind Karpal-, Tarsal- und Kniegelenke betroffen.
Orthopädische Relevanz
Aus tierorthopädischer Sicht steht die Polyarthritis im Vordergrund. Die betroffenen Tiere zeigen geschwollene, warme, schmerzhafte Gelenke und gehen lahm oder bewegen sich nur ungern. Chronische Verläufe können zu bleibenden Gelenkschäden, Kapselfibrosen und Bewegungseinschränkungen führen. In Einzeltierhaltung (z. B. Minischwein, Zuchteber, Showtier) kann eine orthopädische Unterstützung der betroffenen Gliedmaßen sinnvoll sein.
Diagnose und Therapie
Die Diagnose erfolgt durch den Tierarzt anhand des klinischen Bildes, Sektion und Erregernachweis (Punktion, Tupferproben, PCR). Die Therapie umfasst eine frühzeitige Antibiose, entzündungshemmende Medikamente und Bestandsmaßnahmen. Bei chronischen Gelenkveränderungen können entlastende Hilfsmittel die Mobilität verbessern.
Prävention
Stressreduktion bei Absetzen und Umstallung
Optimierung von Stallklima und Hygiene
Kontrolle von Begleitinfektionen (PRRS, Influenza)
Bestandsspezifische Impfprogramme nach Absprache mit dem Tierarzt
Mögliche Symptome
Lahmheit und steifer Gang
Geschwollene, warme und schmerzhafte Gelenke
Fieber und Apathie
Atemnot und angestrengte Atmung
Zentralnervöse Störungen wie Ruderbewegungen oder Krämpfe
Kümmern und Wachstumsverzögerung
Festliegen in schweren Fällen
Orthopädische Indikationen
Stützbandagen bei chronischer Polyarthritis einzelner Gelenke
Gelenkorthesen zur Entlastung nach bleibenden Gelenkschäden
Orthopädische Versorgung von Minischweinen mit Folgeschäden
Mobilitätshilfen bei chronisch lahmenden Zucht- oder Showtieren
Häufige Fragen
Nein, Glaesserella parasuis ist nicht zoonotisch und stellt für den Menschen keine Gefahr dar. Die Erkrankung betrifft ausschließlich Schweine.
Ja, vor allem chronische Verläufe können zu dauerhaften Gelenkveränderungen, Kapselverdickungen und Lahmheiten führen. In solchen Fällen kann eine orthopädische Versorgung mit Bandagen oder Orthesen die Lebensqualität verbessern.
Treten bei Ferkeln oder Jungtieren plötzlich Fieber, geschwollene Gelenke und Lahmheit: häufig in mehreren Tieren gleichzeitig: auf, sollte umgehend ein Tierarzt hinzugezogen werden. Nur dieser kann eine sichere Diagnose stellen und die passende Therapie einleiten.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit eurem Tierarzt.