TrittwerkTierorthopädie

Hufgeschwür beim Pferd

Ein Hufgeschwür ist eine bakterielle Entzündung im Inneren des Pferdehufs, bei der sich Eiter zwischen Hornkapsel und Huflederhaut ansammelt. Der entstehende Druck verursacht meist plötzlich auftretende, hochgradige Lahmheit. Es zählt zu den häufigsten Ursachen akuter Lahmheit beim Pferd.

Ausführlich

Das Hufgeschwür (Pododermatitis septica circumscripta) entsteht, wenn Bakterien über feine Risse, Nageltritte, aufgeweichtes Horn oder eine geschwächte weiße Linie in den Huf eindringen. Da die Hornkapsel nicht nachgibt, baut sich durch die entzündliche Reaktion und Eiterbildung ein erheblicher Druck auf, der die stark innervierte Huflederhaut reizt und typische Schmerzen auslöst.

Anatomischer Hintergrund

Der Pferdehuf ist eine komplexe Struktur aus Hornkapsel, Huflederhaut, Hufbein, Strahlbein, Hufknorpeln und dem Hufpolster. Zwischen der starren Hornkapsel und der sensiblen Huflederhaut besteht nur ein schmaler Raum: jede Flüssigkeits- oder Eiteransammlung führt daher schnell zu massivem Druckschmerz.

Typische Ursachen

Steinabtritte oder Prellungen der Sohle

Nageltritte oder tiefe Fremdkörper

Aufgeweichtes Horn durch Nässe (Matschpaddocks)

Mangelhafte Hufpflege oder unregelmäßige Ausschneidearbeiten

Fehlstellungen und ungleichmäßige Belastung

Strahlfäule oder Hornspalten als Eintrittspforte

Orthopädische Relevanz

Nach dem Öffnen und Ausheilen eines Hufgeschwürs durch den Tierarzt oder Hufschmied kann eine gezielte orthopädische Versorgung sinnvoll sein, um den Huf zu entlasten, das offene Loch zu schützen und Sekundärfolgen zu vermeiden. Wiederkehrende Hufgeschwüre sind oft ein Hinweis auf zugrunde liegende Fehlbelastungen, Hufformabweichungen oder systemische Erkrankungen wie Cushing oder EMS.

Behandlung und Nachsorge

Die eigentliche Öffnung des Geschwürs erfolgt durch Tierarzt oder Hufschmied. Danach ist eine saubere Nachversorgung entscheidend: hier können Hufverbände, Hufschuhe oder speziell angefertigte Entlastungshilfen die Heilung unterstützen. Bei chronischen Verläufen oder Schonhaltungen sollten begleitend die gesamte Gliedmaßenstatik und der Bewegungsapparat beurteilt werden.

Mögliche Symptome

Plötzlich auftretende, oft hochgradige Lahmheit

Vermehrte Pulsation der Mittelfußarterien

Wärme im betroffenen Huf

Schmerzhafte Reaktion auf Hufuntersuchungszange

Entlastungshaltung der betroffenen Gliedmaße

Sichtbarer Eiteraustritt nach Öffnung

Unwilligkeit zu laufen oder aufzutreten

Orthopädische Indikationen

Hufverband zum Schutz nach Öffnung des Geschwürs

Hufschuh zur Entlastung und Sauberhaltung während der Heilung

Orthopädische Hufbeschläge bei wiederkehrenden Geschwüren durch Fehlbelastung

Entlastungshilfen bei Schonhaltung der Gegengliedmaße

Bandagen zur Unterstützung der überlasteten Gegenseite

Häufige Fragen

Nach dem fachgerechten Öffnen bessert sich die Lahmheit meist innerhalb weniger Tage deutlich. Bis das Loch vollständig verhornt und der Huf wieder belastbar ist, vergehen in der Regel zwei bis sechs Wochen: abhängig von Größe, Lage und Nachsorge.

Nein. Die Öffnung sollte immer durch einen Tierarzt oder erfahrenen Hufschmied erfolgen, um empfindliche Strukturen nicht zu verletzen. Als Halter können Sie den Huf sauber halten, aufweichen (z. B. Angussverband) und den Verband regelmäßig wechseln: die Behandlung selbst gehört in Fachhände.

Ein Hufschuh eignet sich besonders in der Nachsorgephase, um das offene Loch vor Schmutz zu schützen und den Huf gleichmäßig zu entlasten. Bei Pferden mit empfindlichen Sohlen oder wiederkehrenden Geschwüren kann er auch dauerhaft als Bewegungsschutz eingesetzt werden.

Häufige Hufgeschwüre deuten auf ein zugrunde liegendes Problem hin: etwa Fehlstellungen, mangelhafte Hufqualität, feuchte Haltungsbedingungen oder Stoffwechselerkrankungen wie Cushing und EMS. Eine tierärztliche Abklärung sowie eine Überprüfung von Haltung, Fütterung und Hufbearbeitung sind dann sinnvoll.

Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit eurem Tierarzt.

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