Ausführlich
Die Klaue der Ziege besteht aus mehreren Hornschichten, die sich ständig regenerieren und an mechanische Anforderungen anpassen. Bei anhaltender Fehlbelastung: etwa durch Stellungsfehler, ungleichmäßigen Abrieb oder unphysiologische Untergründe: reagiert die Klauenlederhaut mit einer vermehrten Hornproduktion an genau den überlasteten Stellen. So entstehen Klauenhornsäulen: lokal verdickte, härtere Hornbereiche, die wie kleine Säulen aus der umgebenden Sohlen- oder Wandstruktur hervortreten.
Anatomischer Hintergrund bei der Ziege
Ziegen besitzen zwei Klauen pro Gliedmaße (Paarhufer), wobei die Innen- und Außenklaue physiologisch unterschiedlich belastet werden. Insbesondere an den Vordergliedmaßen trägt oft die Innenklaue mehr Gewicht, an den Hintergliedmaßen die Außenklaue. Diese natürliche Asymmetrie kann bei mangelnder Klauenpflege oder Haltungsfehlern zu punktuellen Überlastungen führen, an denen Klauenhornsäulen entstehen.
Typische Ursachen
Ausbleibende oder unsachgemäße Klauenpflege mit zu langen Klauen
Weiche, feuchte Haltungsuntergründe (z. B. Tiefstreu) ohne Abriebmöglichkeit
Stellungsfehler wie X- oder O-beinige Gliedmaßenachsen
Chronische Lahmheiten mit Entlastung einer Gliedmaße und Überlastung der Gegenseite
Folgeerscheinung von Klauenrehe oder Klauengeschwüren
Orthopädische Relevanz
Klauenhornsäulen verändern das Gangbild und können Schmerzen verursachen, da sie punktuellen Druck auf die darunterliegende Klauenlederhaut ausüben. Unbehandelt können sie zu chronischen Klauenerkrankungen, Rusterholz’schen Sohlengeschwüren oder aufsteigenden Infektionen führen. Bei fortgeschrittenen Fällen mit begleitender Fehlstellung, Gelenkinstabilität oder Weichteilschäden können tierorthopädische Hilfsmittel wie individuell angepasste Klauenorthesen oder Entlastungshilfen sinnvoll sein, um die Klaue in einer physiologischen Position zu stabilisieren und Druckspitzen zu vermeiden.
Erkennung und Umgang
Klauenhornsäulen werden meist bei der routinemäßigen Klauenpflege erkannt. Die weitere Beurteilung und Behandlung: etwa das gezielte Ausschneiden oder die Anfertigung orthopädischer Hilfsmittel: sollte durch Tierarzt, Klauenpfleger oder in Zusammenarbeit mit einem tierorthopädischen Fachbetrieb erfolgen.
Mögliche Symptome
Lahmheit oder verkürzter Schritt
Sichtbare verdickte Hornbereiche an Sohle oder Wand
Schonhaltung der betroffenen Gliedmaße
Vermehrtes Liegen
Ungleichmäßiger Klauenabrieb
Druckschmerz bei Untersuchung der Klaue
Orthopädische Indikationen
Klauenorthesen zur Entlastung punktueller Überbelastungen
Individuell angefertigte Klauenschuhe bei Klauenhornsäulen mit Schmerzsymptomatik
Stellungskorrigierende Hilfsmittel bei zugrundeliegenden Achsenfehlstellungen
Bandagen zur Stabilisierung nach orthopädischer Klauenbehandlung
Entlastungshilfen bei einseitiger Klauenerkrankung mit Überlastung der Gegenseite
Häufige Fragen
Nicht zwangsläufig. Kleine, oberflächliche Klauenhornsäulen können lange unbemerkt bleiben. Werden sie jedoch größer oder drücken auf die darunterliegende Lederhaut, entstehen Schmerzen und Lahmheiten. Eine tierärztliche Beurteilung ist bei jedem Verdacht sinnvoll.
Regelmäßige, fachgerechte Klauenpflege (in der Regel alle 6 bis 12 Wochen), trockene und strukturierte Untergründe im Stall sowie ausreichend Bewegung fördern einen gleichmäßigen Hornabrieb und beugen Fehlbelastungen vor.
Wenn Klauenhornsäulen wiederholt auftreten, mit Lahmheiten einhergehen oder eine zugrundeliegende Fehlstellung vorliegt, kann eine individuell angepasste Klauenorthese oder ein orthopädischer Klauenschuh helfen, die Belastung neu zu verteilen. Die Entscheidung erfolgt in Abstimmung mit Tierarzt und Fachbetrieb.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit deinem Tierarzt.