Ausführlich
Die Lumbosakralstenose ist eine degenerative Erkrankung des lumbosakralen Übergangs, die vor allem bei großen und mittelgroßen Hunderassen auftritt. Besonders häufig betroffen sind Deutsche Schäferhunde, Rottweiler, Labrador Retriever und Boxer, typischerweise ab einem Alter von fünf bis sieben Jahren. Der Übergang zwischen dem siebten Lendenwirbel und dem ersten Kreuzbeinwirbel stellt eine biomechanisch besonders belastete Zone der Wirbelsäule dar, an der hohe Bewegungs- und Belastungskräfte wirken.
Die Stenose entsteht durch verschiedene degenerative Veränderungen: Bandscheibenvorwölbungen oder -vorfälle, Verdickung der Bänder (Ligamentum flavum), Spondylose (knöcherne Zubildungen an den Wirbelkörpern), Instabilität des Segments und Arthrose der kleinen Wirbelgelenke. Diese Veränderungen führen zu einer zunehmenden Einengung des Wirbelkanals, wodurch die Nervenfasern der Cauda equina komprimiert werden. Die Cauda equina besteht aus den Nervenwurzeln, die für die Innervation der Hintergliedmaßen, des Schwanzes, der Blase und des Enddarms zuständig sind.
Ursachen und Risikofaktoren
Neben der genetischen Prädisposition bestimmter Rassen spielen chronische Überlastung, Übergewicht, wiederholte Mikrotraumata und anatomische Besonderheiten wie eine Übergangswirbel-Fehlbildung eine Rolle. Arbeitshunde, Sporthunde und Tiere mit intensiver körperlicher Belastung haben ein erhöhtes Risiko. Die Erkrankung entwickelt sich meist schleichend über Monate bis Jahre, kann aber auch akut durch einen Bandscheibenvorfall symptomatisch werden.
Diagnose und Behandlung
Die Diagnose erfolgt durch neurologische Untersuchung, Röntgenaufnahmen, Myelographie, Computertomographie oder Magnetresonanztomographie. Eine konservative Therapie umfasst Schmerzmittel, entzündungshemmende Medikamente, kontrollierte Bewegung, Physiotherapie und Gewichtsreduktion. In schweren Fällen oder bei Therapieversagen ist eine chirurgische Dekompression (Laminektomie) notwendig, bei der der Wirbelkanal erweitert und die komprimierenden Strukturen entfernt werden.
Orthopädische Unterstützung
Während der Rehabilitation und bei chronischen Verläufen können orthopädische Hilfsmittel die Lebensqualität verbessern. Stützende Bandagen für den Lendenbereich können Stabilität bieten und Schmerzen reduzieren. Bei neurologischen Ausfällen der Hinterhand unterstützen Gehhilfen, Tragehilfen oder in schweren Fällen Rollwagen die Mobilität des Hundes. Eine angepasste Physiotherapie mit Übungen zur Stärkung der Rumpfmuskulatur ist essenziell für die langfristige Stabilisierung des lumbosakralen Übergangs.
Mögliche Symptome
Schmerzen im unteren Rücken
Schwierigkeiten beim Aufstehen
Steifheit der Hinterhand
Lahmheit oder Schwäche der Hintergliedmaßen
Schmerzäußerung beim Sprung oder Treppensteigen
Verändertes Gangbild
Schwanzparese oder Schwanzheberschwäche
Berührungsempfindlichkeit im Lendenbereich
Muskelatrophie der Hinterhand
Inkontinenz oder Kotabsatzprobleme
Pfotenschleifen
Verminderte Bewegungsfreude
Orthopädische Indikationen
Lumbale Stützbandage zur Stabilisierung des lumbosakralen Übergangs
Rückenbandage mit stabilisierender Funktion
Gehhilfe für die Hinterhand bei neurologischen Ausfällen
Tragehilfe zur Entlastung der Hintergliedmaßen
Rollwagen bei schwerer Parese
Stützbandage für die Kniegelenke bei Fehlbelastung
Rehabilitationshilfen während der postoperativen Phase
Häufige Fragen
Vor allem große und mittelgroße Rassen wie Deutsche Schäferhunde, Rottweiler, Labrador Retriever, Golden Retriever und Boxer zeigen eine erhöhte Anfälligkeit. Die Erkrankung tritt typischerweise bei Hunden ab fünf Jahren auf, wobei Deutsche Schäferhunde aufgrund einer genetischen Prädisposition besonders häufig betroffen sind.
Das hängt vom Schweregrad der Erkrankung ab. In leichten Fällen zeigen Hunde nur gelegentliche Schmerzen oder Steifheit, können aber noch relativ normal laufen. Bei fortgeschrittener Stenose mit Nervenkompression können deutliche Gangstörungen, Schwäche der Hinterhand oder sogar Lähmungserscheinungen auftreten. Mit geeigneter Behandlung, physiotherapeutischer Unterstützung und eventuell orthopädischen Hilfsmitteln lässt sich die Mobilität oft deutlich verbessern.
Eine chirurgische Intervention wird empfohlen, wenn konservative Therapiemaßnahmen keine ausreichende Besserung bringen, neurologische Ausfälle fortschreiten, schwere Lähmungen auftreten oder Blasen- und Darmfunktionsstörungen bestehen. Auch bei hochgradigen Schmerzen, die medikamentös nicht beherrschbar sind, kann eine Operation sinnvoll sein. Die Entscheidung trifft der Tierarzt nach gründlicher diagnostischer Abklärung des Schweregrades der Stenose.
Wichtig sind kontrollierte, moderate Bewegung ohne Springen oder abrupte Richtungswechsel, Gewichtskontrolle zur Entlastung der Wirbelsäule, weiche Liegeflächen und rutschfeste Böden. Rampen statt Treppen erleichtern den Alltag. Physiotherapie und gezielte Übungen zur Stärkung der Rumpfmuskulatur sind sehr hilfreich. Bei Bedarf können Tragehilfen oder Stützbandagen die Mobilität verbessern. Lassen Sie sich von Ihrem Tierarzt ein individuelles Bewegungs- und Therapiekonzept erstellen.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit eurem Tierarzt.