Ausführlich
Das Panaritium: auch als Zwischenklauenphlegmone bekannt: ist bei Ziegen eine akute, fieberhafte Entzündung der Weichteile im Bereich der Klauen. Da Ziegen häufig in feuchter Einstreu, auf matschigen Ausläufen oder in unhygienischen Stallungen stehen, weicht die Haut im Zwischenklauenspalt auf und wird anfällig für kleinste Verletzungen. Über diese Eintrittspforten gelangen Bakterien in das Gewebe und lösen die typische phlegmonöse Entzündung aus.
Anatomischer Hintergrund bei der Ziege
Die Ziegenklaue besteht aus zwei separaten Klauenschuhen, die durch den Zwischenklauenspalt getrennt sind. Die dort befindliche Haut ist besonders dünn und empfindlich. Direkt darunter liegen Sehnen, das Klauengelenk sowie das Kronbein. Strukturen, die bei tiefem Vordringen der Entzündung schnell mitbetroffen sein können. Da Ziegen sehr bewegungsfreudige Tiere sind und gerne klettern, fällt eine Lahmheit meist schnell auf.
Typische Ursachen
Feuchte, verschmutzte Einstreu und mazerierte Haut
Verletzungen durch Steine, Holzsplitter oder Stoppeln
Mangelhafte Klauenpflege mit überlangem Horn
Übertragung durch erkrankte Herdenmitglieder
Stress oder Mangelernährung (z. B. Zink-, Selenmangel) als begünstigende Faktoren
Orthopädische Relevanz
Greift die Entzündung auf das Klauengelenk, die Beugesehnen oder das Kronbein über, kann es zu chronischen Lahmheiten, Fehlbelastungen und Stellungsanomalien kommen. In schweren Fällen sind operative Eingriffe bis hin zur Klauenamputation notwendig. Nach solchen Eingriffen oder bei dauerhaften Schonhaltungen können tierorthopädische Hilfsmittel wie Klauenschuhe, stützende Bandagen oder individuell angepasste Orthesen die Belastung verteilen und die verbleibende Klaue entlasten.
Vorbeugung
Eine konsequente Klauenpflege alle 6 bis 10 Wochen, trockene Liegeflächen und regelmäßige Bestandskontrollen sind die wichtigsten prophylaktischen Maßnahmen. Bei Verdacht auf Panaritium sollte umgehend ein Tierarzt hinzugezogen werden, da eine frühzeitige Behandlung schwere Folgeschäden verhindert.
Mögliche Symptome
Plötzliche, hochgradige Lahmheit einer Gliedmaße
Heiße, geschwollene Klaue oberhalb des Kronsaums
Gerötete und nässende Haut im Zwischenklauenspalt
Fauliger Geruch
Fieber und Apathie
Reduzierte Futteraufnahme
Entlastung der betroffenen Gliedmaße im Stand
Orthopädische Indikationen
Stützbandagen zur Entlastung der erkrankten Klaue
Klauenschuhe nach chirurgischer Versorgung
Orthesen zur Stabilisierung bei chronischen Lahmheitsfolgen
Entlastungshilfen nach Klauenamputation
Korrekturhilfen bei Fehlbelastung der gesunden Gliedmaße
Häufige Fragen
Typisch ist eine plötzlich auftretende, deutliche Lahmheit, oft kombiniert mit einer warmen, geschwollenen Klaue und einer entzündeten Haut im Zwischenklauenspalt. Häufig riecht die Stelle unangenehm faulig. Da die Erkrankung sehr schmerzhaft ist und schnell fortschreitet, sollte umgehend ein Tierarzt hinzugezogen werden.
Die beteiligten Bakterien können von Tier zu Tier übertragen werden, vor allem über feuchten, kontaminierten Boden. In Herden mit schlechten Haltungsbedingungen treten oft mehrere Fälle gleichzeitig auf. Erkrankte Tiere sollten separiert und der Stall trockengelegt werden.
Wenn nach Abheilung der Entzündung bleibende Schäden an Klaue, Sehnen oder Gelenk vorliegen, oder wenn nach einer Operation die betroffene Gliedmaße entlastet werden muss, können Klauenschuhe, Bandagen oder Orthesen die Mobilität der Ziege erhalten. Die Versorgung wird individuell angepasst und sollte in Absprache mit Tierarzt und Tierorthopäden erfolgen.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit eurem Tierarzt.