Ausführlich
Die Achillessehne der Katze ist eine kräftige Sehnenstruktur am Unterschenkel, die aus mehreren Komponenten besteht: dem oberflächlichen Beuger (M. gastrocnemius), dem gemeinsamen Zehenstrecker und weiteren Muskelsehnen. Diese verschmelzen zu einer gemeinsamen Endsehne, die am Fersenbein (Tuber calcanei) ansetzt. Die Achillessehne ist für die Streckung des Sprunggelenks und damit für das Laufen, Springen und Landen unerlässlich: besonders wichtig für die hochmobile Katze.
Ein Achillessehnenabriss entsteht bei Katzen meist durch traumatische Einwirkungen wie Stürze aus großer Höhe, Verkehrsunfälle, Bisse von anderen Tieren oder scharfe Schnittverletzungen. Seltener können degenerative Veränderungen, chronische Entzündungen oder wiederholte Mikrotraumata zu einer Schwächung der Sehne führen. Im Gegensatz zu anderen Tierarten sind spontane Rupturen ohne Trauma bei Katzen sehr selten.
Die Diagnose ist in der Regel durch die charakteristische klinische Präsentation eindeutig: Die betroffene Pfote steht plantigrad (mit dem Fersenbein am Boden), die Katze kann das Sprunggelenk nicht aktiv strecken, und bei Belastung knickt die Gliedmaße ein. Die Palpation zeigt häufig eine tastbare Lücke im Sehnenverlauf und eine fehlende Spannung der Sehne. Röntgenaufnahmen und Ultraschall dienen zur Bestätigung und zum Ausschluss knöcherner Begleitverletzungen.
Die Behandlung eines kompletten Achillessehnenabrisses erfordert fast immer eine chirurgische Versorgung. Dabei werden die Sehnenenden adaptiert und durch spezielle Nahttechniken verbunden. Zusätzlich wird häufig das Sprunggelenk durch eine externe Fixation (Schiene, Gipsverband) oder einen transartikulären Fixateur externe für 6-8 Wochen ruhiggestellt. Bei älteren Abrissen oder schweren Defekten können Sehnentransplantate oder synthetische Verstärkungen notwendig sein.
In der postoperativen Phase ist eine strikte Ruhigstellung und kontrollierte Bewegungstherapie essentiell. Orthopädische Hilfsmittel wie spezielle Sprunggelenksbandagen oder Orthesen können die Heilung unterstützen, die Belastung der rekonstruierten Sehne kontrollieren und Rezidive verhindern. Die Prognose ist bei frühzeitiger chirurgischer Versorgung vorsichtig bis gut, wobei die volle Funktionsfähigkeit nicht immer erreicht wird und ein gewisses Risiko für Re-Rupturen besteht.
Unbehandelt führt ein Achillessehnenabriss zu dauerhafter Lahmheit, Muskelatrophie und erheblicher Beeinträchtigung der Lebensqualität. Katzen mit chronischen Verletzungen entwickeln oft Kontrakturen und Gelenksteifigkeit, die eine spätere Behandlung deutlich erschweren.
Mögliche Symptome
Plantarstellung der Hintergliedmaße (Fersenabsenkung)
Hochgradige Lahmheit oder Nichtbelasten
Einknicken im Sprunggelenk bei Belastung
Tastbare Lücke oder fehlende Spannung der Achillessehne
Schwellung im Bereich des Unterschenkels
Schmerzhaftigkeit bei Palpation
Unfähigkeit auf Zehenspitzen zu stehen
Abnormale Gangart mit Fersenaufsatz
Orthopädische Indikationen
Postoperative Stabilisierung nach Achillessehnennaht
Ruhigstellung des Sprunggelenks während der Sehnenheilung
Schutz vor Re-Ruptur in der Rehabilitationsphase
Kontrollierte Bewegungsführung bei konservativer Therapie partieller Risse
Dauerhafte Unterstützung bei chronischen Sehnendefekten
Prävention von Kontrakturen während Immobilisation
Häufige Fragen
Bei kompletten Abrissen ist eine chirurgische Versorgung nahezu immer notwendig, da die Sehne ohne Adaptation nicht funktionell verheilen kann. Nur bei sehr kleinen partiellen Rissen oder bei Katzen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht operiert werden können, kann ein konservativer Versuch mit strenger Ruhigstellung über 8-12 Wochen unternommen werden. Die Erfolgsaussichten sind dabei deutlich schlechter als bei chirurgischer Behandlung.
Die Heilungsphase nach chirurgischer Versorgung beträgt etwa 8-12 Wochen. In den ersten 6-8 Wochen ist eine strikte Ruhigstellung erforderlich, gefolgt von einer kontrollierten Rehabilitationsphase mit Physiotherapie. Die vollständige funktionelle Erholung kann 4-6 Monate dauern. Orthopädische Hilfsmittel wie Sprunggelenksbandagen können die Heilung unterstützen und das betroffene Bein in der Übergangsphase stabilisieren.
Das Risiko einer Re-Ruptur liegt bei Katzen bei etwa 10-20% und ist vor allem in den ersten drei Monaten nach der Operation erhöht. Entscheidend für den Erfolg sind die chirurgische Technik, die konsequente postoperative Ruhigstellung und eine kontrollierte Rehabilitation. Zu frühe Belastung, unkontrollierte Bewegungen (Springen) oder unzureichende Fixation können zu einem erneuten Abriss führen. Orthesen und Bandagen können das Risiko in der kritischen Heilungsphase reduzieren.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit eurem Tierarzt.